Erneuerbare Energiekosten falsch kalkuliert

Zu teuer und zu ineffizient. So in etwa lautet oft das schnelle Urteil, wenn es um die Bewertung von Kosten und Nutzen erneuerbarer Energien geht. Eine derartige Kritik an der Förderung erneuerbarer Energien hält einer fundierten Überprüfung jedoch nicht stand.

Zu diesem Ergebnis kommt ein aktuelles Gutachten des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie. Im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien hatten die Forscher eine aktuelle Studie zu Kosten und Nutzen der Förderung erneuerbarer Energien im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) verfasst. Das Ergebnis: Die gesamtwirtschaftlichen Vorteile, die durch die Ökostrom-Förderung entstehen, werden oft ausgeblendet.

Positive volkswirtschaftliche Effekte

Aktuell decken Wind- und Sonnenenergie, Biomasse, Wasserkraft und Geothermie mehr als 16 Prozent des deutschen Strombedarfs. Die Förderung dafür beläuft sich nach Angaben der Übertragungsnetzbetreiber in diesem Jahr auf etwa 8,2 Milliarden Euro.

Gleichzeitig sorgen die erneuerbaren Energien für positive volkswirtschaftliche Effekte: Laut Bundesumweltministerium wurden im vergangenen Jahr durch erneuerbaren Strom rund 69 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermieden. Umgerechnet beliefen sich die damit vermiedenen Klima- und Umweltschäden auf 5,7 Milliarden Euro.

Außerdem ersetzen erneuerbaren Energien in der Stromerzeugung Steinkohle, Erdgas und Uran und machten so im vergangenen Jahr Rohstoffimporte in Höhe von 2,2 Milliarden Euro überflüssig. Auch wenn für 2010 noch keine statistischen Daten vorliegen, kommen diese Vorteile auch weiterhin zum Tragen.

Geringe Mehrkosten, hoher Ertrag

Einer kürzlich veröffentlichten Studie des Bundesumweltministeriums zufolge beschäftigen die Unternehmen der erneuerbaren Energien aktuell rund 340.000 Menschen. Im vergangenen Jahr wurden 6,8 Milliarden Euro an Wertschöpfung in den Kommunen erwirtschaftet, davon 5,5 Milliarden im Stromsektor.

In diesem Jahr liegt die EEG-Umlage – der Beitrag für den Ausbau von Ökostrom – bei rund zwei Cent pro Kilowattstunde. Pro Haushalt zahlen die Verbraucher damit etwa sechs Euro pro Monat. An den typischen Ausgaben eines Haushaltes, dem statistischen Warenkorb, macht das 0,2 Prozent aus.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft schätzt, dass sich der Beitrag für 2011 auf 3,2 bis 3,5 Cent pro Kilowattstunde erhöht. Auch der Bundesverband Erneuerbare Energie rechnet mit dieser Bandbreite. Diese Belastungen sind „peanuts“ für den Geldbeutel, jedoch ein großer Gewinn in Sachen Klimaschutz.

Daniel Seemann

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