Erkenntnisse von Max-Planck-Forschern – Ein Erfolgsrezept für Klimakonferenzen?

greenhouse gas emissions; Bild: shutterstock

Die Klimakonferenz im südafrikanischen Durban hat begonnen und von überall sind pessimistische Stimmen zu vernehmen, dass auch die diesjährigen Verhandlungen zum Scheitern verurteilt seien – und damit die Chance auf ein globales Klimaschutzabkommen und ein Post-Kyoto-Protokoll den Bach hinunter geht. China und vor allem die USA würden sich nicht auf einen Vertrag einlassen. Zu groß sei die Furcht vor wirtschaftlichen Verlusten. Wissenschaftler glauben einen Ausweg aus dem Dilemma gefunden zu haben. Da etliche Länder vor allem aus wirtschaftlichem Kalkül zu handeln scheinen, empfehlen die Wissenschaftler ein Umdrehen des Spießes und stärker in das Blickfeld zu rücken, welche ökonomischen Schäden der Klimawandel langfristig verursache und wie diese sich abwenden ließen. Eventuell könnte man so die großen Klimasünder zur Einsicht bewegen. Diese These zumindest stellen Forscher des Max-Plack-Instituts für Evolutionsbiologie und Meteorologie in einer spieltheoretischen Studie auf.

Möglicherweise würden viele Industrienationen schon jetzt stärker in den Klimawandel investieren, wenn man ihnen klar machte, wie sie wirtschaftliche Verluste verringern könnten, die in zehn bis 20 Jahren auf sie zurollen. Möglicherweise könnte die Aussicht, immense wirtschaftliche Einbußen abzuwenden, sie sogar dazu bringen, die unzureichenden Beiträge ärmerer Länder zu kompensieren. Bereits jetzt macht sich der Klimawandel bemerkbar. Wenn der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen nicht bis Mitte des Jahrhunderts um mindestens die Hälfte reduziert wird,  sind unkalkulierbare und vor allem irrsversible Folgeschäden anzunehmen. Diese Aussicht allein scheint aber für viele Staaten kein Anlass zu sein, den Ausstoß an Treibhausgasen zu mindern. Vielmehr wird die Problematik schön geredet – so erhoffe man sich durch das sommerliche Abtauen des Nordpolareises neue Schifffahrtswege – beziehungsweise dementiert. Ein Phänomen, wie es vor allem in den USA weitverbreitet ist, wo inzwischen die Mehrheit der Bevölkerung den Klimawandel offenbar für eine öffentliche Lüge hält.

Die Forscher des Max-Planck-Instituts simulieren das soziale Dilemma, in dem die Staaten während der Klimaverhandlungen stecken. Dabei würden sie abwägen: Sich für den Klimaschutz zu engagieren lohnt sich nur, wenn das Reduktionsziel erreicht wird. Ist dies nicht der Fall, dann zahlen all jene, die in den Klimawandel investiert haben, doppelt – für die Reduktionsmaßnahmen ebenso wie für die ökologischen und wirtschaftlichen Folgeschäden. Für die Simulation wurde eine Vielzahl von Grüppchen gebildet, bestehend aus jeweils sechs Studenten, die mit Spielkapital als volkswirtschaftliches Vermögen ausgestattet wurden, wobei manche arme und andere reiche Länder repräsentierten. Die Spieler konnten nach eigenem Gutdünken ihr Kapital in einen gemeinsamen Topf einzahlen oder nicht. Kam genug Geld zusammen, durften alle Spieler ihr Vermögen behalten. Wer nichts einzahlte, behielt sein Geld natürlich auch. Wurde jedoch das Spielziel verfehlt, so machten alle Verluste. Untersucht wurde auch, was passiert, wenn schon ab der Hälfte des Spiels Verluste drohen oder wie gemischte Grüppchen mit armen und reichen Spielern sich verhalten. Erstaunlicherweise wurde in den gemischten Grüppchen weit mehr investiert als in reinen reichen. Hier wurde die zehnprozentige Wahrscheinlichkeit eines Verlustes sehr ernst genommen. Dies schreckte vor allem jene, die viel zu verlieren hatten.

Manfred Milinski, Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön erklärte, mit den Ergebnissen des Spiels könne man eventuell sinnvolle Hinweise für die Klimaverhandlungen geben. In den Grundzügen werde das prinzipielle Verhalten in einem sozialen Dilemma mit kollektivem Risiko korrekt erfasst. Andererseits sei die Wirklichkeit natürlich viel komplexer. Wenn die Folgen des Klimawandels genauso einfach vorhersehbar wären wie menschliches Verhalten, könnte man den Delegierten in Durban vielleicht ein paar schlagkräftige Argumente in die Hand geben, um die Verhandlungspartner zu überzeugen.

Josephin Lehnert

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