Erderwärmung führt zu immer extremeren Wetterphänomenen

Erderwärmung; Bild: shutterstock

Pünktlich zum bevorstehenden Klimagipfel in Durban warnt der Weltklimarat IPCC in einem Sonderbericht vor zunehmenden Wetterextremen und Katastrophen infolge der Erderwärmung. Bis Ende des Jahrhunderts sei weltweit immer häufiger mit Dürren, Überschwemmungen und Starkniederschlägen zu rechnen. In tropischen Breiten steige die Intensität von Wirbelstürmen und weltweit nehme die Geschwindigkeit der Gletscherschmelze zu und gefährde so die Stabilität der Bergregionen. Den Szenarien zufolge wird sich das Leben auf der Erde durch einen weiteren Temperaturanstieg massiv verändern. Dem Bericht ist zu entnehmen, dass die Veränderungen in erster Linie auf anthropogenen Einfluss zurückzuführen sind, vor allem auf die Zunahme der Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre.

Die Experten gehen in ihrem Bericht* von einer wahrscheinlichen Erderwärmung um durchschnittlich zwei bis fünf Grad Celsius bis 2100 aus. Dadurch werde der Meeresspiegel ansteigen, was zu schweren Überschwemmungen in den Küstenregionen der Erde führt. Satellitenaufnahmen belegen, dass der Pegel schon jetzt im weltweiten Durchschnitt etwa 3,1 Millimeter pro Jahr steigt – das sind drei Zentimeter in zehn Jahren und 30 Zentimeter in 100 Jahren – unter der Annahme das Tempo bleibt unverändert, was jedoch nicht zu erwarten ist, solange der CO2-Ausstoß nicht gemindert wird. Viele urbane Ballungsräume liegen in Küstennähe – man denke an Kalkutta, Dhaka, São Paulo oder New York – womit das Leben und der Lebensraum von Millionen von Menschen gefährdet ist.

Weiterhin gehen die Wissenschaftler von länger anhaltenden Dürreperioden vor allem in der westlichen Sahel-Zone aus. Die Ärmsten der Armen sind damit von Hungerkatastrophen und einer Verschärfung ihrer ohnehin grenzwertigen Situation bedroht. Doch seien auch Mitteleuropa und die Mittelmeerregion verstärkt von Hitzewellen betroffen. In den Tropen werden Wirbelstürme mit größerer Intensität auftreten, was mit einer Erwärmung der oberen Ozeanschichten zusammenhängt. Die Stürme bauen eine größere Wucht auf und entwickeln höherer Geschwindigkeiten und eine stärkere Zerstörungskraft. Die Verfasser des Berichts gehen jedoch nicht davon aus, dass die Zahl der Wirbelstürme zunimmt.

Die zu erwartenden Extremwetter werden vor allem drastische wirtschaftliche Folgen haben und hohe Kosten verursachen. Mit Auswirkungen auf die Lebenssituation rechnen die Verfasser vor allem für die Menschen in den Entwicklungsländern. Zwischen 1970 und 2008 hätten sich 95 Prozent der durch Naturkatastrophen verursachten Todesfälle in Entwicklungsländern zugetragen. Nötig sei eine bessere Katastrophenvorsorge und Wiederaufbauhilfe, zudem eine intensivere internationale Zusammenarbeit und Kommunikation, sowie ein komplexes Monitoring und nicht zuletzt weitere Forschungsarbeit.

Es gibt viele Kritiker, die den anstehenden Klimawandel als Hirngespinst und übertrieben Panikmache abwerten. Klimaveränderungen hätte es im Laufe der Erdgeschichte immer wieder gegeben, lautet ein vielzitiertes Argument; ebenso wie Veränderungen der CO2-Konzentration in der Atmosphäre. Auch der Meeresspiegel sei immer wieder Schwankungen ausgesetzt gewesen. Das ist grundsätzlich richtig. Allerdings hatte sich die Spezies Mensch zu jener Zeit noch nicht so auf der Erde ausgebreitet wie heute. Ein heftiger Umschwung würde uns hart treffen und unseren gewohnten Lebensstandard aushebeln. Schon ein einziges Extremereignis kann das Leben Tausender vollkommen aus der Bahn werfen – auch in Europa. Bis jetzt waren Leidtragenden fast immer jene, die das Übel am wenigsten verursacht haben. Das kann sich in Zukunft ändern.

* Zunächst wurde eine zusammenfassende Kurzversion des Berichts für Politiker veröffentlicht, eine ausführliche Fassung soll im Februar 2012 erscheinen. 

Josephin Lehnert

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