Eiszeit für die Nachhaltigkeit

Eishockey im Stadion ist ein Erlebnis - aber auch nachhaltig?

Begriffe wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Ressourceneinsparung sind längst auch im Mainstream angekommen. Sie sind zu Schlagwörtern geworden, die heute offenbar in keiner öffentlichen Rede, in keinem Statement fehlen dürfen. Und in vielen Bereichen gibt es auch durchaus ernsthafte Bemühungen, den Worten Taten folgen zu lassen.

Doch offenbar nur, solange es ins Konzept passt. Solange die Berücksichtigung der Umwelt keinen zusätzlichen Aufwand bedeutet, nicht im Wege steht und eventuell auch noch das Image aufpoliert. Sonst wird sie ganz fix beiseite geschoben.

Aktuelles Beispiel: das „Winter Game“ in Düsseldorf am vergangenen Samstag. Es war ein Eishockey-Spiel, ein reguläres der Deutschen Eishockey-Liga, das als besondere Attraktion im Fußballstadion stattfand. Mit Eventcharakter.

Besondere Atmosphäre

Es ist verständlich, dass man als Eishockeysportler oder -fan auch einmal die spezielle Atmosphäre erleben möchte, die herrscht, wenn 50.000 Anhänger ihren Idolen zujubeln und die für einen Fußballer Selbstverständlichkeit ist. – Doch ist dafür der enorme Aufwand wirklich gerechtfertigt?

Nach der monatelangen Planungsphase nahm die eigentliche Aufbauarbeit in der Düsseldorfer Fußball-Arena ganze drei Wochen in Anspruch. Das dafür benötigte Material wurde mit 40 Sattelschlepper-Ladungen ins Stadion gefahren. 20 LKW-Ladungen an Sand wurden für den Unterbau der Eisfläche benötigt. Darauf wurden dann jede Menge Kühlschläuche verlegt, Gesamtlänge: 90 Kilometer.

Dann wurde das Wichtigste, die Eisfläche hergestellt. Dafür waren 180.000 Liter Wasser erforderlich. Vier große Kältemaschinen, die konstant auf minus elf Grad gehalten werden mussten, sorgten schließlich dafür, dass das gefrorene Wasser erhalten blieb. Damit es auch im Bereich zwischen Eisfläche und Zuschauerrängen winterlich aussah, wurden dort 8.000 Quadratmeter weißen Teppichs verlegt. Und 42.000 Watt stark war die Sound-Anlage, die extra für das „Winter Game“ in der Arena installiert wurde. Da der wichtigste Gegenstand des Spiels, der Puck, bekanntlich weitaus kleiner ist als ein Fußball, würde es auf den oberen Zuschauerrängen schwer sein, dem Spielverlauf zu folgen, hatten die Organisatoren erkannt. Um Abhilfe zu schaffen, waren zudem noch mehrere Großbildmonitore aufgestellt worden.

Fünf Stunden

Einschließlich des Rahmenprogramms, das den Besuchern im Stadion geboten wurde, dauerte die Veranstaltung gerade einmal fünf Stunden. Für weitere Eissport-Veranstaltungen wurde die temporäre Eisfläche im Anschluss nicht genutzt. Schließlich muss fünf Tage später der Original-Zustand wieder hergestellt sein, denn dann sind die Fußballer zurück.

Mit dem Event verbunden war auch die Hoffnung auf Rekorde. Durch die 51.125 angereisten Fans, das Vier- bis Fünffache an Publikum eines normalen Spieltags, wurde der Zuschauer-Europarekord für ein Ligaspiel auch erreicht. Allerdings fand die Veranstaltung nicht wie (auch für einen weiteren Rekord) angestrebt unter freiem Himmel statt. Bei Außentemperaturen von über zehn Grad, verbunden mit Regen und Sturm, musste das Stadiondach geschlossen bleiben. Bei der ersten Auflage des „Winter Game“ vor zwei Jahren in Nürnberg hatte es mit dem adäquaten Wetter auch nicht geklappt. Ebenso wenig bei einer Etappe des Skilanglauf-Weltcups, die in den vergangenen Jahren ebenfalls in Düsseldorf ausgetragen wurde. Unmengen an Schnee wurden dazu aus der Skihalle in der benachbarten Stadt Neuss angeliefert und auf der Rheinuferpromenade im Bereich der Altstadt verteilt.

Keine Kosten und Mühen wurden für die Veranstaltungen gescheut. Nur der Nachhaltigkeitsgedanke wurde schnell vom Eis gefegt.

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