Rational oder verrückt? Ein kindfreies Leben für den Klimaschutz

Kindfreies Leben für den Klimaschutz

Ein Kind zu bekommen, ist meistens eine große Freude – und ist gleichzeitig ungünstig für die Klimabilanz. Laut The Guardian bedeutet ein Kind einen Zusatz von 58,6 Tonnen CO2 pro Jahr. Daher entscheiden sich immer mehr Paare dazu, ein kindfreies Leben zu führen. Kann das die Lösung für unsere Klimakrise sein?

Mackellens Geschichte

Gwynn Mackellen war 26, als sie sich sterilisieren ließ. Sie brauchte fünf Jahre, um einen passenden Doktor zu finden, doch im Jahr 2012 gelang es ihr – in Kalifornien. „Ich wusste immer, dass ich keine Kinder haben will und zwar aus Umweltgründen“, erklärt sie. „Ich arbeite in der Abfallindustrie und unser Abfall ist die Kehrseite der Menschen. Es sind nicht die Menschen, die schlecht sind, es sind ihre Auswirkungen. Wenn wir weniger sind, haben wir auch weniger dieser Auswirkungen.“ Eine harte Argumentationslinie.

Mackellen identifiziert sich als Anti-Natalist, eine philisophische und wohl etwas radikalere Bewegung gegen das Kinderkriegen. „Ich würde gerne sehen, dass wir unsere Bevölkerung freiwillig reduzieren“, sagt sie. Doch kultureller Druck verführt uns Menschen dazu, Kinder zu haben ohne die Konsequenzen für sich selbst oder für den Planeten zu erwägen. „Meine Mutter wuchs mit der Annahme auf, dass Heiraten und Kinderkriegen die Dinge waren, die man eben tun sollte, doch sie hat mich und meine Schwester so erzogen, dass wir nicht das Gefühl hatten, dies wäre unsere einzige Option.“ Mackellens 10-jähriger Partner hatte keine Probleme mit der Entscheidung und viele gratulierten ihr zu ihrer Entscheidung. „Ich lebe im liberalen Teil von San Francisco und ich habe immer offen darüber gesprochen“, erklärt sie.

Würdest Du ein kindfreies Leben führen, um zum Klimaschutz beizutragen?

Inzwischen gibt es immer mehr Organisationen, die diese Weltansicht unterstützen. Ein Beispiel ist die britische Organisation Population Matters, die kleinere Familien und nachhaltigen Konsum auf der gesamten Welt befürworten. Bevölkerungswachstum trägt maßgeblich zu Problemen wie Umweltzerstörung, Ressourcenerschöpfung, Armut und wachsender Ungleichheit bei. Daher wäre eine schrumpfende Gesellschaft wichtig für die Gesundheit des Planeten und einen annehmbaren Lebensstandard für alle. Doch wie viele Menschen werden sich für dieses Ziel selbst einschränken?

Inzwischen gibt es einige einflussreiche Befürworter der Bewegung – wie zum Beispiel Planet Earth Moderator David Attenborough, Naturphotograph Chris Packham, die US-amerikanische Schriftstellering Lionel Shriver oder Umweltaktivistin Leilani Münter.

Förderung kleinerer Familien

Auch die Club of Rome Autoren Jorgen Randers & Greame Maxton sprechen sich in ihrem 2016 erschienenen Buch „Ein Prozent ist genug. Mit wenig Wachstum soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bekämpfen“ für die Förderung kleiner Familien mit weniger als zwei Kindern aus. Die Autoren kommen letztlich zum gleichen Ergebnis wie die Organisation Population Matters:

„Wenn die Menschheit ihren ökologischen Fußabdruck so weit verringern will, dass er die Grenze der Belastbarkeit des Planeten nicht übersteigt, gibt es dafür zwei Möglichkeiten: die Bevölkerung verringern oder den Fußabdruck pro Kopf verkleinern. Da letzteres äußerst schwierig ist und viele einen sinkenden Lebensstandard befürchten, ist die Verringerung der Bevölkerungszahlen beziehungsweise der potenziellen Konsumenten eine interessante Option.“

Es sei eine „unbestreitbare Tatsache, dass die Verdopplung der menschlichen Bevölkerung in den letzten 50 Jahren die Hauptursache für die Vergrößerung des ökologischen Fußabdrucks“ ist. Die einfachste Art und Weise, die Bevölkerung schrumpfen zu lassen, wären laut Randers und Maxton, wenn man diejenigen Familien, die nur ein Kind haben, als Vorbilder darstellte. Es mag extrem klingen, doch die Autoren schlagen eine Summe von 80.000€ für jede Frau im Alter von 50 Jahren vor, die höchstens ein Kind zur Welt gebracht hat. Der Bonus wäre „eine Wertschätzung derer, die dazu beitragen, dass die Menschheit verantwortungsvoller mit der Erde umgeht.“

Randers und Maxton möchten hiermit zu einem neuen Denken anregen. „Wir müssen zur Einsicht gelangen, dass es zu viele Menschen auf der Welt gibt“, erklären sie. Zu diesem Schluss scheinen immer mehr Menschen zu kommen. Ist ein kindfreies Leben auch für Dich eine Option?

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