Dienstautos deutscher Politiker im Klimacheck

Audi A8 L W12 quattro

In Sachen Klima- und Umweltschutz sind Politiker nicht anders als der Großteil der Menschheit: Beides ist ihnen – schon allein aus Imagegründen – offiziell sehr wichtig, aber sobald es darum geht auch selbst eine Vorbildrolle einzunehmen, trennt sich die Spreu vom Weizen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat auch dieses Jahr wieder die Dienstwägen der deutschen Spitzenpolitiker unter die Lupe genommen und beklagt, dass der Großteil davon noch immer deutlich mehr Kohlendioxid ausstößt, als es der Klimaschutz-Zielwert der Europäischen Union (EU) vorgibt.

Insgesamt zeigt sich der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch daher von den Ergebnissen enttäuscht: „Die Resultate der diesjährigen Erhebung sind alles in allem ernüchternd. Nicht nur, weil die Emissionen und Spritverbräuche insgesamt noch viel zu hoch sind, sondern auch, weil sich im vergangenen Jahr viel zu wenige Spitzenpolitiker demonstrativ für wirklich klimaschonende Dienstwagen entschieden haben.“ Dadurch würden die wenigsten Politiker laut Resch ihrer Vorbildfunktion in Sachen Klimaschutz gerecht. Das wäre aber umso wichtiger, da die Klimaproblematik noch nicht einmal ansatzweise gelöst ist.

Die Untersuchung der Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation ergab außerdem, dass zwar einerseits die extremen Klimasünder immer weniger werden, aber andererseits auch die demonstrativen Klimaschutzvorreiter. So ist der beste Emissionswert im Vergleich zur Vorjahresuntersuchung sogar um 34 Prozent gestiegen und der schwache Gesamttrend nach unten lediglich der allgemeinen Emissionsentwicklung in der Automobilindustrie zu verdanken.

Während immerhin fünf Landespolitiker mit ihren Dienstwägen den EU-Zielwert von 130 Gramm CO2 pro Kilometer unterschreiten, schaffte das kein einziges Gefährt eines Bundesministers. Am umwelt- und klimafreundlichsten fährt dabei noch Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) mit 149 g Gramm CO2 pro Kilometer. Auch die größte Bundesminister-CO2-Schleuder kutschiert mit 183 Gramm CO2 pro Kilometer einen FDP-Politiker: Gesundheitsminister Daniel Bahr.

Dass die Spanne hier nicht allzu groß ist, dürfte nach Überzeugung der DHU an der hohen Beobachtungsintensität in der Bundespolitik liegen.Deutlich größere Unterschiede zwischen Klimafreunden und -sündern gibt es da schon in der Landespolitik. So emittiert der 450 PS starke Audi A8 L 6.0 W12 quattro des NRW-Innenministers Ralf Jäger (SPD) 324 Gramm CO2 pro Kilometer und stößt damit mehr als zweieinhalb mal so viel Kohlendioxid aus, wie der BMW 520d seines Hamburger Amtskollegen und Parteigenossen Michael Neumann.

Eine spezielle Ausnahme bei der mittlerweile sechsten Politiker-Dienstwagenerhebung der Deutschen Umwelthilfe ist übrigens – wie auch schon in den Vorjahren – der Dienstwagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Da sich das besonders gesicherte Spezialgefährt nicht mit den sonst üblichen Politiker-Limousinen vergleichen lässt, ist es aus dem Ranking ausgenommen.

Matthias Schaffer

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