Die Zukunftsstadt der Steppe

Während in Deutschland im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2015 noch Ideen gesammelt werden, wie die Stadt der Zukunft aussehen könnte, wird an anderen Orten dieser Welt bereits an der Umsetzung gefeilt.

Auf einem Reißbrett entworfen lassen die sogenannten Öko-Cities zuerst an Brasília denken. Doch liegen die Intentionen dieser Konzepte weit auseinander. Mit Brasília wurde dem Wunsch nach einer zentral gelegenen Hauptstadt Brasiliens nachgekommen. Öko-Cities wiederum sollen den Wunsch nach einer ökologisch nachhaltig arbeitenden Stadt erfüllen. Sie sind ein Blick in die Zukunft und für viele Unternehmen eine willkommene Investitionsmöglichkeit.

World Eco Cities

Es gibt bereits zwei als Öko-Cities bekannte Projekte, die sich zurzeit im Aufbau befinden: Masdar City (Vereinigte Arabischen Emirate) und Tianjin Eco City (China und Singapur). Beide sind die ersten Versuche die steigende Urbanisierung nachhaltig und grün zu gestalten. Die jeweiligen Projektleitungen haben ihre ganz eigenen Vorstellungen, wie eine „grüne“ Stadt auszusehen hat und kämpfen dabei mit genauso unterschiedlichen Problemen.

Masdar City wurde 2006 initiiert und als „CO2-neutrale Wissenschaftsstadt“ angekündigt. Sie soll zukünftig Hauptsitz der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA) sein, musste jedoch in den letzten Jahren vor allem unter der Finanzkrise und oberflächlichen Kalkulationen stark leiden, sodass der Fertigstellungstermin von 2016 auf 2025 verschoben wurde.

Tianjin Eco-City währenddessen ist ein Versuch der chinesischen Regierung, in Zusammenarbeit mit Singapur, unter extremen Bedingungen ein Modellbeispiel für eine umweltfreundliche und ressourceneffiziente Stadt zu schaffen. Das Gebiet, auf dem sie entsteht, galt zuvor als nicht bebaubar, da es nicht genügend Trinkwasser gab und der Boden zu salz- und kalkhaltig war. So geht man davon aus, dass, sollte das Projekt hier erfolgreich sein, es auch an anderen Orten problemlos umgesetzt werden kann. Tianjin Eco-City liegt an der Ostgrenze vom Tianjin, einer Industriestadt mit fast 15 Millionen Einwohnern.

Trotz der Beengtheit gibt es deutlich weniger Bürger, die es in die Öko-City zieht, als erwartet. Gerade einmal 20 000 Einwohner sind seit März 2012 in die grüne Stadt gezogen. Obwohl gerade das Bildungsangebot ausgezeichnet ist und Familien mit Kind besonders unterstützt werden, stellen für viele die langen Wege zu entsprechenden Einkaufmöglichkeiten, die sich meist in anderen Teilen von Tianjin befinden, ein großes Manko dar. Die Grundidee, die das chinesische Projekt von dem der Arabischen Emirate unterscheidet, ist die soziale Harmonie. So soll die Stadt mit Hilfe staatlicher Subventionen allen Bevölkerungsschichten offen stehen.

An der Planung und Umsetzung der Tianjin Eco-City waren auch deutsche Unternehmen beteiligt. So wurden die ersten Entwürfe 2009 unter anderem von Stefan Schmitz von bda Architekten und Stadtplaner mitgestaltet. Zurzeit arbeitet Schmitz an einem neuen Öko-City-Projekt, und zwar in der Mongolei. Maidar Eco City soll es heißen.

Maidar Eco City

Der Name ist Programm! So verweist er auf den Buddha Maitreya, der als Buddha der Zukunft gilt. Er leiht der Stadt nicht nur seinen Namen sondern soll auch zu ihrem neuen Symbol werden, in Form einer 54 Meter hohen Statue (vgl. Freiheitsstatue New York zirka 46 Meter Höhe). Sie soll das Zentrum der neuen Stadt werden – geographisch und religiös-politisch. Die Stadt selbst soll einmal aus vielen autonomen Stadtteilen bestehen. Verbunden werden diese Stadtteile durch sogenannte „urban arteries“, welche ausschließlich für Fußgänger, Radfahrer und öffentliche elektrogetriebene Verkehrsmittel gedacht sind. Hier sollen sich auch alle wichtigen Versorgungseinrichtungen befinden, womit die maximale Entfernung zwischen Wohngebäude und Einkaufsmöglichkeiten gerade einmal 600 Meter beträgt. Schmitz nennt diesen Entwurf eine „Stadt der kurzen Wege“. Grünflächen zwischen den einzelnen Stadtteilen sollen für Freizeitangebote, Sport und Erholung genutzt werden. Flächen südlich Maidars sollen der Landwirtschaft vorbehalten sein. Die Energieversorgung wird durch einen Windpark, der sich bereits im Ausbau befindet, Photovoltaik-Anlagen und Wärmepumpen gewährleistet.

Die geographische Beschaffenheit des Baugeländes wurde bewusst in den Bebauungsplan mit einbezogen um so die natürliche Schönheit der Landschaft zu erhalten. Die Öko-City in der Steppe soll die Hauptstadt Ulaanbaatar entlasten und in ihrer Funktion als politisches und kulturelles Zentrum ablösen. Zurzeit leben etwa 1,4 Millionen Menschen, also fast 50 Prozent der Gesamtbevölkerung der Mongolei, in Ulaanbaatar. Die Stadt selbst ist jedoch gerade einmal für 600 000 Einwohner ausgelegt. Um dieser Belastung entgegen zu wirken, wurde das zirka 30 km entfernte Bauprojekt gestartet. Im Jahr 2030 soll der erste Bezirk mit Platz für circa 90 000 Einwohner fertiggestellt sein. Momentan werden noch Investoren gesucht, die bereit sind die strengen Auflagen zu akzeptieren und zu erfüllen.

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Die Entwürfe zeigen klar eine bedachte Weiterentwicklung der vorangegangenen Projekte. Probleme, die in Masdar City und Tiajin Eco-City aufgetreten sind, wurden bei der Planung mit einbezogen. Mit welchen eigenen Problemen Maidar in den kommenden Jahren zu kämpfen haben wird, wird sich noch zeigen. Die erste Kritik kommt bereits von Seiten der Nomaden, die mit der Stadt wertvolle Weideflächen verlieren.

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