Die Erderwärmung geht weiter

Erderwärmung

Die zukünftige Entwicklung des Klimas unserer Erde zu prognostizieren, ist wohl eine der größten Herausforderungen für Wissenschaftler des 21. Jahrhunderts. Bei der bereits getroffenen Anzahl verschiedenster Vorhersagen drängt sich manchmal der Verdacht auf, dass Klimaforscher nicht viel mehr wissen als Meteorologen, die ja bekanntlich regelmäßig an der Wettervorhersage für den nächsten Tag scheitern. Ein internationales Forscherteam hat sich nun unter Leitung der Universität Oxford trotzdem an eine neue Klimaprognose gewagt und anhand aktueller Klimadaten berechnet, wie stark sich die Luft an der Erdoberfläche durch eine Verdopplung des Kohlendioxidgehaltes erwärmen wird. Demnach wird das von der UN-Klimakonferenz angepeilte Ziel von maximal zwei Grad Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts deutlich überschritten.

Steigt die Konzentration des Treibhausgases weiter unvermindert an, wird eine derartige Verdopplung etwa um das Jahr 2050 erreicht sein und dadurch die Durchschnittstemperatur zwischen 0,9 und 2,0 Grad Celsius im Vergleich zu vorindustriellem Niveau ansteigen lassen. Am wahrscheinlichsten ist ein Anstieg von 1,3 Grad Celsius. Das ist zwar eine deutlich moderatere Steigerung als in den schlimmsten Prognosen befürchtet, aber laut dem an der Studie beteiligten Klimaforscher Reto Knutti von der ETH Zürich keineswegs ein Grund zur Entwarnung: „Wenn der Ausstoß der Treibhausgase unvermindert weitergeht, werden wir am Ende des Jahrhunderts trotzdem eine Temperaturerhöhung von weit über zwei Grad haben.“

Selbst wenn nach der Verdopplung kein zusätzliches Treibhausgas mehr in die Erde gelangt, heizt sich die Erde in den folgenden Jahrhunderten laut der neuen Prognose um 1,2 bis 3,9 Grad Celsius auf, wobei der wahrscheinlichste Wert bei zwei Grad Celsius liegt. Derart langfristige Prognosen sind laut Alexander Otto, der die Berechnungen an der Universität von Oxford durchführte, allerdings mit Vorsicht zu genießen und für den kurz- bis mittelfristigen Kampf gegen den Klimawandel aber auch gar nicht so bedeutend: „Für die meisten politischen Entscheidungen ist entscheidend, wie stark die Erwärmung in den nächsten 50 bis 100 Jahren ausfällt.“

Unklar ist laut Jochem Marotzke, an der Klimastudie beteiligter Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie, warum sich der Klimawandel in den letzten beiden Jahrzehnten äußerst wechselhaft gestaltete. Während in den 1990er-Jahren eine Rekordsteigerung von 0,24 Grad Celsius erfolgte, erhöhte sich die globale Durchschnittstemperatur zwischen 2001 und 2000 lediglich um 0,03 Grad Celsius. Marotzke betont dabei aber: „Insgesamt hat sich die Erde allerdings weiter erwärmt, aber diese Erwärmung hat vor allem in tieferen Schichten der Ozeane stattgefunden.“

Matthias Schaffer

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