Deutschland sucht den Kapsel-Star

Kaffeekapseln

Am 30. Oktober, um acht Uhr morgens, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft, ist es soweit. In den Geschäften von Aldi Süd wird es eine eigene Kaffeekapselmaschine zu kaufen geben mit dem branchenfreundlichen Namen „Expressi“. Die dazugehörigen Kapseln sind kompatibel mit dem Starbucks-System. Auf den Discounter wartet ein lukratives Geschäft.

Branchenprimus Nestlé legt Monat für Monat zweistellige Wachstumsraten beim Verkauf von Maschinen und Patronen zu. Und das ist nicht zuletzt auf das große Engagement von George Clooney als Werbegesicht zurückzuführen. Dem Hollywoodstar muss vollkommene Absence bei diesem Job unterstellt werden, da er bekanntlich bei anderweitigen Events gerne mit seinem Hybrid-Auto vorfährt und enorme Summen in nachhaltige Projekte investiert.

Die bombastische Erfolgsgeschichte der Kaffeekapsel ist ein beliebtes Lehrinstrument für BWL-Studenten und zugleich ein Beweis dafür, dass der Verbraucher alles andere als mündig ist. Er will an die Hand genommen werden. Ihm soll gezeigt werden, was gut für ihn ist. Ein Schaf unter vielen.

Schon Rockefeller wusste das. Er verschenkte Unmengen von Öllampen an Chinesen. Nicht etwa, weil der amerikanische Unternehmer besonders sozial war, sondern weil nun der Beschenkte sein Öl zum Auffüllen kaufen musste. Das Rockefeller-Prinzip. Funktioniert immer. Druckerpatronen, Telekommunikation und Kaffeekapselmaschinen.

Der gesunde Menschenverstand fragt sich: Wie ist es möglich, dass Kaffeegenießer umgerechnet einen Kilopreis von 60 bis 70 Euro für ihr Getränk aus der Kapselmaschine bezahlen, während sie am Montagmorgen Würgereize vom Spritpreis bekommen?

Übrigens bei Aldi spart man wirklich. Dort wird der umgerechnete Kilopreis für den Kapselkaffee bei 30 bis 40 Euro liegen. Und dazu der besondere Clou für den geneigten Kaffeetrinker: Expressi kann auch heiße Schokolade und Kaffee-Milchgetränke wie Latte Macchiato und Cappuccino herstellen. Besonders „verbraucherfreundlich“: In diesem Fall kommen pro Tasse zwei Kapseln zum Einsatz: Eine mit dem Kaffee und eine zweite mit der Milch. Ein „kleiner Nachteil“: Der Preis steigt auf 38 Cent pro Portion an.

Die Hersteller lachen sich krank. Die Kapseltrinker fallen wie die Hunnen über den deutschen Kaffeemarkt herein. Bereits jetzt machen sie über sieben Prozent aus. Wer anhand dieser Verhaltensweisen und Zahlen von einer kleinen Gruppe sprechen will, glaubt noch an das Christkind.

Und das wäre alles andere als angetan von dem ökologischen Wahnsinn, der mit der Kapseltrinkerei betrieben wird. Im vergangen Jahr wanderten 10.000 Tonnen von den Patronen auf den Müll. Volluto, Capriccio und Ristretto mit einem schönen Metallmäntelchen. Die Konkurrenz Tschibo, Lidl, Jacobs im netten Plastikbehälter mit aromasichernder Folie.

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Um Myriaden von Behältern herzustellen, bedarf es einer enormen Energieanstrengung. Über den dabei verursachten CO2-Ausstoß mag man erst gar nicht reden.

Vielleicht gibt es ja in Deutschland in der Adventszeit einen ersten Expressi-TV-Spot , in dem der Engel Verona Pooth kaffeeschlürfend auf einer Eisscholle sitzt und Gott Dieter Bohlen in seiner Arche Noah auf ein kleines Schwätzchen vorbeikommt…

Florian Simon Eiler

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