Deutsche wünschen sich weniger neue Handymodelle

Vielen Deutschen kommen zu viele neue Handymodelle im Jahr auf den Markt
Vielen Deutschen kommen zu viele neue Handymodelle im Jahr auf den Markt

Jährlich kommen immer wieder so viele neue Handymodelle auf den Markt, dass der durchschnittliche Verbraucher bereits den Überblick verloren hat. So veröffentlichte die Computer Bild bereits im April den Artikel „Galaxy S7, LG G5 und viel mehr: Neue Smartphones 2016!“, in dem sie in einer Bildreihe die 74 „wichtigsten neuen Geräte“ vorstellten. Damit stellen diese 74 neuen Modelle gerade einmal eine Auswahl aus der Gesamtzahl der diesjährigen Neuerscheinungen dar. Wer sich jetzt denkt, dass dies doch viel zu viel sei, der ist mit diesem Gedanken nicht alleine. So sind laut einer repräsentativen Umfrage von Greenpeace zufolge 69 Prozent der Deutschen der Meinung, dass Handy-Hersteller zu viele neue Modelle im Jahr auf den Markt bringen.

Im Auftrag der unabhängigen Umweltschutzorganisation Greenpeace befragte das Meinungsforschungsinstitut Ipsos Mori im vergangenen Monat sowie zu Beginn dieses Monats in insgesamt sechs Ländern jeweils rund 1000 Menschen zum Thema Mobiltelefone und Recycling. Demnach gaben in Deutschland drei von fünf Befragten an, dass sie sich Mobiltelefone mit einer längeren Lebensdauer wünschen würden. „Die Geschwindigkeit mit der die Hersteller neue Modelle auf den Markt bringen ist mit technischem Fortschritt nicht zu rechtfertigen“, so Manfred Santen, Greenpeace Chemie-Experte. „Die Menschen wollen nicht das Gefühl bekommen, schon nach einem Jahr ein veraltetes Smartphone zu besitzen. Die Hersteller müssen auf den Wunsch nach nachhaltigeren Geräten reagieren und langlebige Smartphones auf den Markt bringen.“

Diese gewollt kurzen Produktzyklen haben bei den steigenden Absätzen der Mobiltelefone und deren niedrigen Recyclingquote extrem negative Folgen für die Umwelt. So werden beispielsweise für die Herstellung der Handys große Mengen an Metallen wie Kobalt, Palladium oder Tantal benötigt, die vorrangig in Russland sowie asiatischen und afrikanischen Ländern abgebaut werden. Dort hat die Gewinnung dieser Metalle enorme ökologische Schäden zur Folge. „Die unnötig schnellen Produktzyklen verursachen massive Umweltschäden bei der Herstellung und der Entsorgung. Die Hersteller müssen Smartphones künftig so konstruieren, dass sie leicht repariert werden können. Wir brauchen zudem eine bedingungslose Pflicht zur Rücknahme und Wiederverwendung von Altgeräten“, fordert Santen.

Insbesondere angesichts der aktuellen Zahlen wird eine Umstellung auf eine nachhaltige Produktion von Mobiltelefonen immer dringender. Auch in Deutschland wächst der Absatz besonders umweltschädlicher Smartphones. Schätzungen des Statistischen Bundesamtes zufolge sind es in diesem Jahr bereits 28 Millionen Stück, während der globale Durchschnitt bei knapp 1,5 Milliarden Smartphones pro Jahr liegt. Dabei werden Mobiltelefone der Umfrage zufolge nur selten repariert oder recycelt. Von den Befragten gaben nur 11 Prozent an, ein beschädigtes Mobilgerät schon einmal vom Hersteller reparieren gelassen zu haben, währen gerade einmal 9 Prozent ihr altes Handy verkauft oder an ein Recyclingunternehmen gegeben haben. Dabei sehen die deutschen Umfrageteilnehmer vor allem die Hersteller in der Pflicht, wenn es um das wiederverwerten der alten Mobiltelefone geht.

Die Zahlen zu Reparatur und Recycling sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. In manchen Fällen wird beispielsweise für eine Reparatur des Gerätes mehr berechnet, als das Smartphone eigentlich noch wert ist. Dabei gehen manche auch gar nicht zum Hersteller selbst, sondern zu Anbietern, welche sich auf die Reparatur von Smartphones spezialisiert haben. Auch bieten manche Mobilfunkverträge, an die ein Handy gebunden ist, nach einer gewissen Laufzeit bereits automatisch ein aktuelleres Modell an. Und insbesondere hinsichtlich des Recyclings von Mobiltelefonen sind die wenigsten Verbraucher genügend informiert. Wer hat nicht noch sein altes Mobilgerät – sei es nun das alte Smartphone oder das uralte Nokia 7210 – irgendwo unbeachtet in einer Schublade liegen?

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Doch auch ohne diese vergessenen Handys unserer mobilen Vergangenheit ist die Menge an Elektroschrott in Deutschland enorm. Mit 21,7 Kilogramm pro Kopf pro Jahr liegen die Deutschen sogar noch deutlich über den EU-Durchschnitt von 18,7 Kilogramm und nur knapp hinter den USA mit 22,1 Kilogramm. Dieser Schrott stellt mit den enthaltenen gefährlichen Substanzen zusätzlich zu der Herstellung eine weitere extreme Belastung für die Umwelt dar, die es durch eine Nachhaltige Produktion und dadurch erleichtertem Recycling zu mindern gilt.

Quellen:
http://www.greenpeace.de/presse/presseerklaerungen/zwei-drittel-der-deutschen-wollen-weniger-handy-modelle
http://www.computerbild.de/artikel/cb-News-Handy-Neue-Smartphones-2016-5061346.html

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