Umweltschützer oder Klimakiller?

Tannenbaum

Alle Jahre wieder… beginnt die Suche nach dem perfekten Weihnachtsbaum von neuem. Saftig grün mit weichem Nadelkleid, makellos und dicht gewachsen und möglichst frei vom lästigen Nadeln sollte er sein – unser perfekter Weihnachtsbaum. Doch wie es in der Natur nun einmal gang und gäbe ist, gibt es solche Bäume nicht. Und doch halten alleine in Deutschland jedes Jahr über 28 Millionen Tannenbäume Einzug in die Wohnzimmer, um die weihnachtliche Tradition zu pflegen. Demgegenüber steht die Frage, ob der kurze, glanzvolle Auftritt des Weihnachtsbaums auch wirklich in Einklang mit der Umwelt steht oder ihr angesichts der enormen Menge nicht vielleicht doch mehr Schaden zufügt als gedacht. Ein echter Konflikt, der da die Gemüter zum Fest in Aufruhr bringt.

Die Angst, deutsche Wälder zu gefährden, wenn der alljährliche Tannenbaum ins Haus kommt, ist völlig unnötig. Im Gegenteil, Weihnachtsbäume leisten sogar einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz, vorausgesetzt, beim Kauf werden einige Tipps beherzigt. Doch zunächst einmal die grundlegende (positive) Bilanz unserer Weihnachtsbäume:

Es muss kein Wald sein Holz für unsere Tradition lassen. Weihnachtsbäume wachsen nämlich in der Regel nicht im Wald, sondern werden in speziellen Tannenbaumkulturen eigens fürs Fest angepflanzt. Der Wuchs vom niedlichen kleinen Tannenbaum zum ausgewachsenen zwei-Meter-Riesen dauert dabei gute zwölf Jahre! In dieser Zeit nimmt die Tanne CO2 auf, was fürs Klima schon einmal sehr positiv ist. Die meisten Tannenbäume fürs Weihnachtsfest werden im Sauerland in Nordrhein-Westfalen, in Schleswig-Holstein und Niedersachsen „gezüchtet“, ein kleiner Teil der in Deutschland verkauften Weihnachtsbäume stammt zudem aus Dänemark. Und genau hierin liegt auch schon das erste „Umweltmanko“. Schließlich wollen nicht nur Westfalen, Holsteiner und Niedersachsen einen prunkvollen Baum zum Fest ihr eigen nennen, sondern auch Bayern, Sachsen, Berliner und der Rest der 28 Millionen Haushalte, die ihr Weihnachten traditionell mit einem geschmückten Baum feiern.

Durch lange Transportwege relativiert sich das Punktekonto in Sachen CO2 dann ganz schnell wieder. Für den Kauf eines Weihnachtsbaums sollten daher lieber Forstbetriebe aus der Region angesteuert werden. Das unterstützt nicht nur den Umweltnutzen, sondern auch die heimische Forstwirtschaft. Manko Nummer zwei sind die gehobenen Ansprüche, die ein Christbaum erfüllen muss. Die Natur gibt einen makellosen Tannenbaum nicht her, also müssen Sonderkulturen her, die diese Schönheitsansprüche erfüllen. Das wäre nicht weiter verwerflich, wenn da nicht die Sache mit der perfekten Aufzucht im Raum stehen würde.

Hierfür werden Dünger, Unkrautvernichtungsmittel und Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt, die wiederum der Umwelt mehr schaden als nutzen. Christbäume aus ökologisch bewirtschafteten Baumkulturen verzichten weitestgehend auf diese Hilfsmittel, dafür ist der Baum dann aber nicht immer frei von Schönheitsfehlern und so, wie er eigentlich sein sollte: Natürlich. Verlässliche Erkennungszeichen für einen solchen Tannenbaum sind die Qualitätszeichen von Bioland, das EU-Biosiegel oder auch das FSC-Zertifikat. Oft sind Weihnachtbäume aus der Öko-Liga jedoch nur direkt beim Biohof, beim Waldbauern oder auf dem Markt zu bekommen. Je stärker die Nachfrage, desto mehr werden sie das Kaufinteresse der Allgemeinheit anregen, denn im Preisgefüge unterscheiden sie sich von konventionellen Bäumen in der Regel nicht.

Wer nun meint, er täte der Umwelt etwas Gutes, indem er auf einen Weihnachtsbaum mit Ballen zurückgreift, um ihn dann nach dem Weihnachtsfest in den eigenen Garten zu pflanzen, der irrt gewaltig. Die meisten Weihnachtsbäume mit Ballen sind gar nicht dafür ausgerüstet, ihren Dienst im heimischen Garten anzutreten. Ein zwölf Jahre alter Weihnachtsbaum hat für gewöhnlich ein deutlich umfangreicheres Wurzelwerk, als die verkauften Exemplare, denn sie werden fürs bessere Handling entsprechend gestutzt – die Chance, dass sie nach dem Fest im Boden anwurzeln ist also entsprechend gering. Außerdem verkraften die wenigsten Tannenbäume mit Ballen den Temperaturwechsel zwischen warmer Stube und kaltem Garten.

Und jetzt noch ein kleiner Tipp zur Entsorgung: Der abgeschmückte Baum lässt sich nach dem Fest wunderbar schreddern und kompostieren, allerdings nur, wenn er zuvor nicht mit Glitzer- oder Schneespray verziert wurde. Dann gehört er nämlich in die Restmülltonne – keine sehr umweltfreundliche Alternative!

Judith Schomaker

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