Australien: Schritt für Schritt zum Null-Emissionsland

Geht man vom CO2-Ausstoß pro Kopf aus, liegt Australien zwar in etwa gleichauf mit den USA. Doch einem Bericht des Energy Research Institute der Melbourne University, der Umweltorganisation Beyond Zero Emissions und dem australischen Ingenieurbüro Sinclair Knight Merz zufolge, könnte Australien innerhalb von zehn Jahren zum Null-Emissionsland werden.

260 Milliarden Euro Investitionen

Ein hehres Ziel, unbestritten. Aber wie alles im Leben leider nicht umsonst zu haben: 260 Milliarden Euro müssten insgesamt aufgewendet werden, um es zu erreichen. Bei näherer Betrachtung der Studie wird deutlich, warum.

 

Neben dem Netzausbau (92 Milliarden Euro) müsste am meisten in die Solar-Wärmekraftanlagen (175 Milliarden Euro) und Windkraftanlagen (72 Milliarden Euro) investiert werden.

Ihr zugrunde liegen verschiedene Annahmen für die Zukunft. Der Stromverbrauch wird in Australien bis 2020 vermutlich um 40 Prozent gestiegen sein, so die Autoren. Weiterhin wird die Installation von insgesamt 6.500 7,5-Megawatt-Windturbinen in 23 Windparks und der Bau von zwölf riesigen 3.500-Megawatt-Solar-Wärmekraftanlagen vorgeschlagen, letztere jeweils 230 Quadratkilometer groß. Mit anderen Worten: Immense Kosten allein für den Bau der notwendigen Energieanlagen.

Der Strommix machts

Der Hintergrund: Solarenergie soll für 60 Prozent und Windenergie für 40 Prozent des benötigten Stroms sorgen. Ergänzt werden soll die Stromerzeugung durch Photovoltaikanlagen, Biomasse und mit Wasserkraft betriebene Stromgeneratoren.

Kritiker könnten einwenden, dass allein die Emissionen für Herstellung und Bau der Anlagen Unmengen an CO2 freisetzen würden. Ein berechtigter Einwand, auf den ersten Blick. Die Autoren der Studie entgegnen allerdings, dass diese Summe nur drei Prozent der Emissionsmenge ausmacht, die durch Nichthandeln entstehen würde.

Eine große Rolle spielt auch die Energieeffizienz bei dem Vorhaben, wodurch sich die Autoren eine Reduktion des totalen Energieverbrauchs um 50 Prozent versprechen. Zum Vergleich: Momentan liegt der Pro-Kopf-Energieverbrauch eines Deutschen um ein Drittel niedriger als der eines Australiers.

Australiens Regierung „not amused“

In der australischen Regierung scheint man nicht so recht begeistert von der Idee. Das ist nicht verwunderlich, denn sie ist als politische Botschaft natürlich schwer zu kommunizieren, müssten doch die Stromkunden die Hauptkosten des Vorhabens schultern.

Die Autoren erwarten, das die Stromrechnungen durchschnittlich um 30 Prozent teurer werden müssten, um die Umstellung zu finanzieren. Langfristig würden zwar die Stromkosten sinken. Nur dann ist die jetzige Regierung in Down Under höchstwahrscheinlich nicht mehr im Amt.

Daniel Seemann

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