Auf die Kuh gekommen

Kühe sind schädlich fürs Klima, wenn sie rülpsen oder ihren Flatulenzen freien Lauf lassen, setzen sie klimaschädliches Methan frei. Allerdings zählt nicht nur Methan zu den bösen Treibhausgasen, sondern auch Kohlendioxid und Lachgas. Lachgas ist gegenwärtig sogar das weitaus größere Übel im Kampf gegen den Klimawandel, denn es zerstört die schützende Ozonschicht derzeit weitaus stärker, als jeder andere Stoff.

Lachgas entsteht sowohl auf natürliche Weise, nämlich dann, wenn organische Materialien verfaulen, als auch bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe und bei der Verwendung künstlicher Dünger. Was aber hat nun die Kuh damit zu tun? Schließlich stößt sie kein Lachgas, sondern Methan aus und hat sich damit nicht unbedingt beliebt gemacht.

Für ein Steigen auf der Beliebtheisskala dürften die Ergebnisse einiger Tests sorgen. Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie hatten die Viehhaltung in der inneren Mongolei ein wenig näher unter die Lupe genommen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Kühe dem Klima weniger schädlich zuträglich sind, als ursprünglich angenommen. Sie können sogar die Abgabe von Lachgas in die Atmosphäre reduzieren.

Die Abgabe von Lachgas an die Atmosphäre ist ein ganz natürlicher Prozess. Besonders in Steppengebieten ist die Menge des abgegebenen Lachgases jedoch nicht zu verachten, die größte Menge fällt dabei auf die Tauwetterperiode im Frühjahr. Mehrer Messstationen der Forscher auf den menschenleeren Steppengebieten lieferten Daten, die deutlich zeigen, dass Flächen ohne Viehhaltung über das Jahr gesehen größere Mengen an Lachgas freisetzten, als beweidete Flächen. Das liegt daran, dass abgegraste Flächen weitaus geringere Schneehöhen aufweisen, da der Schnee vom Wind leichter abtransportiert werden kann. Hierdurch sind die Böden schlechter isoliert und nehmen die Umgebungskälte stärker auf, bleiben somit deutlich kälter. Durch die geringe Schneemenge bleibt der Boden bei einsetzendem Tauwetter außerdem trockener, was die Aktivität von Mirkoorganismen hemmt. Die Folgen liegen auf der Hand – das Erdreich gibt bedeutend weniger Lachgas ab!

Sicherlich löst eine starke Viehhaltung mit entsprechend hohem Weideeinsatz nicht die Probleme des Klimawandels, denn Methan stoßen die Milchlieferanten nach wie vor in großen Mengen aus. Auch die vom Menschen verursachten Emissionen durch ineffektiven Einsatz von Düngemitteln und die Entstehung von Lachgas bei chemischen Prozessen muss deutlich reduziert werden. Praktikabler bei der Herabsetzung der natürlichen Lachgasentstehung wäre im Gegensatz zur intensiven Kuhbeweidung sicherlich ein maschinelles Kürzen der Steppen- und Weideflächen durch einen herbstlichen Heuschnitt, welcher der Lachgasemission in der Tauperiode entsprechend zuträglich wäre. Allerdings ist in dieser Richtung noch viel Forschungsarbeit über längere Zeiträume nötig, denn das natürliche System ist noch weitgehend unerforscht.

Judith Schomaker

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