Arktisches Meereis auf Rekordminimum geschmolzen

Arktische Meereis
Ausdehnung des Meereises am 20.09.2011; Bild: Institut für Umweltphysik der Universität Bremen

Das arktische Meereis über dem Nordpol hat in diesem Jahr ein beängstigendes Rekordminimum erreicht. Wie das Institut für Umweltphysik der Universität Bremen mitteilte, ist bereits zwei Wochen vor dem Ende der Schmelz-Saison das Meereis Anfang September auf 4,24 Millionen Quadratkilometer zurückgegangen. Diese Zahl liegt noch unter dem bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2007 von 4,267 Millionen Quadratkilometern.

Seit dem Beginn der Satellitenbildbeobachtung 1972 geht das sommerliche arktische Meereis kontinuierlich zurück. Die arktische Eisausdehnung erreicht im Sommer nur noch die Hälfte der Fläche der 1970er Jahre. Seit 2008 sind die Nordost- und die Nordwestpassage zudem gleichzeitig eisfrei. Damit zeigen sich hier so gravierend wie fast nirgendwo sonst die Auswirkungen des Klimawandels und der zunehmenden Anreicherung von Treibhausgasen in der Atmosphäre.

Das arktische Meereis schrumpft kontinuierlich

Die Ausdehnung des arktischen Meereieses liegt normalerweise zwischen 15 Millionen Quadratkilometern im März und fünf Millionen Quadratkilometern im September. Die Arbeitsgruppe von Dr. Georg Heygster unter Leitung von Professor Justus Notholt im Institut für Umweltphysik der Universität Bremen beobachtet seit Jahren die Meereisausdehnung auf Basis von Satellitenbildern. Täglich werden aktuelle Karten erstellt und ausgewertet. Daher kann man den Rückgang des Meereeises durchgängig zurückverfolgen. Auf natürliche Variabilität kann der Rückgang den Aussagen der Bremer Umweltphysiker nach nicht mehr zurückgeführt werden. Dafür ist der Rückgang des Eises über die Jahre hinweg zu kontinuierlich. Zwar nimmt die Schmelzgeschwindigkeit inzwischen ab, aber die Temperaturen lagen in diesem Jahr im Schnitt 1,5 bis 2,5 Grad über dem Niveau der letzten 30 Jahre, in manchen Regionen sogar bis zu sieben Grad.

Teufelskreis für das Arktiseis

Gleichzeitig mit der Fläche schrumpft auch die Dicke des Eises, so dass es immer instabiler wird. Bis 2030 rechnen die Forscher mit einem eisfreien Arktissommer. Das ist eine Katastrophe vor allem für Arktisbewohner. Das Schmelzen des Eises ist ein sich selbst verstärkender Effekt infolge der Eis-Albedo-Rückkopplung. Weniger Eisfläche bedeutet mehr offenes Wasser, das dunkler ist und weniger Sonnenstrahlen reflektiert, dafür mehr Strahlung aufnimmt. Der Erwärmungsprozess wird dadurch verstärkt. Zu einer Meeresspiegelerhöhung kommt es durch den Eisrückzug in der Arktis jedoch nicht, da das Eis auf dem Wasser schwimmt. Man kann dieses Phänomen beobachten, indem man einen Eiswürfel in einem Wasserglas schmelzen lässt. Ein Anstieg des Meeresspiegels ist lediglich durch das Schmelzen des grönländischen Eisschildes zu befürchten, dieser würde dann aber immens sein.

Josephin Lehnert

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