Alltagstauglich: Elektrofahrzeuge ohne Fahrer

Vollautomatisches Elektroauto

Öffentliche Busse, die selbstständig und fahrerlos durch das dichte Verkehrsgewühl von Großstädten steuern? Tausende Menschen, die täglich sicher ohne Fahrer auf dem Londoner Flughafen Heathrow chauffiert werden? Vollautomatische Elektroautos, die unfallfrei stark befahrene Straßen queren? Kann das funktionieren? Es kann. Science-Fiction-Filme, wie etwa der Klassiker „Total Recall“, in welchem der Schauspieler Arnold Schwarzenegger mit den Unzulänglichkeiten selbstfahrender Taxis zu kämpfen hat, wurden mittlerweile längst von der Realität überholt. Das CleanEnergy Project liefert eine Zusammenschau der jüngsten Entwicklungen, die auf das Projekt „Citymobil“ folgten.

Es waren in der Tat ambitionierte Ziele, die sich die Betreiber des Forschungsprojekts Citymobil gesetzt hatten. Möglichst rasch sollten europaweit ausgewählte, elektrisch angetriebene Fahrzeuge mit einer neuartigen Technologie ausgestattet werden, die einen gänzlich fahrerlosen Betrieb ermöglichen sollte. Das Ergebnis: Schon heute kommen im Alltag fahrerlose, wie von Geisterhand gelenkte, Transportfahrzeuge im öffentlichen Raum zum Einsatz.

Eine automatische Steuerung, ein komplexes System zum Scannen der Umgebung sowie ein Navigationssystem ermöglichen diese neue Form der Mobilität. Die bessere Auslastung bereits vorhandener Fuhrparks, eine deutlich geringere Umweltbelastung sowie eine erhebliche Zeitersparnis stellen lediglich einige der positiven Resultate des Projekts dar.

Im Wesentlichen war Citymobil ursprünglich ein langjähriges, europaweites Forschungsprojekt, an dem sich 29 Partnerorganisationen aus elf Ländern Europas beteiligten. Das Budget lag jenseits von 40 Millionen Euro. Rund ein Viertel davon steuerte die EU bei. Nach der offiziellen Beendigung des Projekts entwickelte die Arbeit des Expertenteams eine gewisse Eigendynamik. Nun, rund ein Jahr später, hinterlässt das Projekt deutlich sichtbare Spuren im Alltagsleben.

Zahlreiche erfolgreiche Testläufe mit vollautomatischen, elektrisch angetriebenen Fahrzeugen fanden in den vergangenen Jahren in den unterschiedlichsten Regionen Europas statt. In Städten wie Rom, Castellón, La Rochelle, Uppsala oder Trondheim bewegten sich fahrerlose Elektrofahrzeuge scheinbar mühelos durch den innerstädtischen Verkehr. Manchmal geschah dies unter dem wachsamen Blick einer Aufsichtsperson. Oftmals jedoch waren die Fahrzeuge komplett auf sich allein gestellt. Die Art der Fahrzeuge variierte dabei vom kleinen Transportwagen bis hin zum Autobus im öffentlichen Nahverkehr.

Dabei zeigte sich, dass anfangs insbesondere das rein subjektive Sicherheitsempfinden der Menschen die größte Hürde für das ambitionierte Vorhaben darstellte. Daher nutzten die Verantwortlichen diese Testläufe im Speziellen dazu, um intensive Überzeugungsarbeit bei der Bevölkerung zu leisten.

Über 600.000 Passagiere haben mittlerweile binnen 14 Monaten allein auf dem London Heathrow Airport von dem fahrerlosen System Gebrauch gemacht. 21 vollautomatische Fahrzeuge, sogenannte Ultra Pods, verbinden dort ein Parkhaus mit einem der vielen Terminals.

Auf Knopfdruck fährt das Elektrofahrzeug vor und bringt die Passagiere eigenständig an das gewünschte Ziel. Die durchschnittliche Wartezeit konnte dort, im Vergleich zu den früher eingesetzten Shuttlebussen, von einstmals zehn Minuten auf nur zehn bis 15 Sekunden verkürzt werden. Der Transfer findet bequem, ohne Emissionen, ohne Stau sowie beinahe geräuschlos statt. Dabei legen Reisende eine Strecke von bis zu 3,8 Kilometer zurück.

In der Praxis zeigt sich, dass fahrerlose Elektrofahrzeuge nicht nur technisch machbar, sondern zu 100 Prozent alltagstauglich sind. Vollautomatische Fahrzeuge werden insbesondere dann optimal eingesetzt, wenn es gilt, einen variierenden Transportbedarf zu decken. Sie fahren nämlich ausschließlich dann, wenn auch tatsächlich eine entsprechende Nachfrage besteht. Vorab fix definierte Strecken, wie etwa im öffentlichen Nahverkehr, vereinfachen den Einsatz des neuen Systems zusätzlich.

Erfreulicherweise werden wir wohl doch nicht, wie Arnold Schwarzenegger, bis zum Jahr 2084 warten müssen, um problemlos ein alltagstaugliches, fahrerloses Elektrotaxi benutzen zu können.

Joachim Kern

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