Alle Zeit der Welt

Alle Zeit der Welt

Zeit schenken? Für die meisten hört sich das im ersten Moment banal an. Aber wenn wir ehrlich sind: Ist es nicht genau das, was uns immer häufiger fehlt? Und das in einer Welt von Smartphone, Wlan und unzähligen von Apps – in einer Zeit, in der alles quasi rund um die Uhr verfügbar ist?

Schon Michael Ende erfasste in seinem Roman „Momo“ die Schwierigkeit mit dem kostbaren Gut Zeit, für das ein jeder selbst verantwortlich ist und von dem vielleicht auch gerade deshalb jeder immer zu wenig hat. Das müssen sich wohl auch die beiden Geschäftsführer der Agentur Scholz&Volkmer in Wiesbaden gedacht haben und entwickelten das Projekt „Zeit statt Zeug“. Wie der Name schon sagt: Hier wird Zeit – in Form von gemeinsamen Aktivitäten – geschenkt.

Für jung und alt findet sich hier die passende Gutschein-Idee: Von einem „Zoobesuch statt einem Stofftier“ über „Schrank ausmisten statt Shopping“ bis zu „Wandern statt Wein“. Somit lassen sich gleich zwei positive Effekte zusammenführen. Zum einen machen den Menschen gemeinsame Aktivitäten und die dabei gepflegten sozialen Kontakte glücklicher als die 15. Handtasche oder das 7. Parfüm. Der reine Konsum, auch wenn das von der Werbung gerne propagiert wird, ist nicht das, was uns zufrieden und glücklich fühlen lässt. Zum anderen bestimmt unser Konsum, was und vor allem wie etwas hergestellt wird.

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Unser Konsum und die damit einhergehende Herstellung von Produkten beeinflussen wiederum den Verbrauch von Rohstoffen und die Menge der produzierten Ware. In Deutschland wird beispielsweise ein Viertel der Lebensmittel weggeschmissen und ein Drittel der gekauften Kleidung hängt ungetragen in unserem Kleiderschrank – in anderen Ländern sieht es nicht viel besser aus.

Dieses Verhalten wirkt sich negativ auf die Energie- und Klimakrise aus. Die Lösung liegt auf der Hand: weniger Konsum. Mit dem Projekt „Zeit statt Zeug“ scheint das auch gar nicht mehr so schwer. Denn Gegenstände kann jeder schenken, aber welches Kind bekommt heute schon sein ganz persönliches Puppentheater vorgespielt? Wo doch 62 Prozent der Puppen ungenutzt zu Hause liegen. Und kann man sich an gepflanzten Blumen nicht viel länger erfreuen als an einem Blumenstrauss? Zudem sind 21 Prozent der Blumen in Deutschland Importware.

Auch alte Fotoalben – 33 Prozent unserer Fotos liegen heute ungenutzt auf der Festplatte – sind heute immer für einen Lacher gut und lassen uns mit Familie oder Freunden in vergessenen Erinnerungen schwelgen. Auch eigene Ideen sind bei „Zeit statt Zeug“ natürlich willkommen.

„Ohne tiefgreifenden Wandel von Wirtschafts- und Lebensweise wird man nicht durch das sich gerade warmlaufende 21. Jahrhundert kommen. Genau darum geht es bei „Zeit statt Zeug“: Anders denken. Anders schenken“, bringt es der Soziologe und Sozialpsychologe Harald Welzer, Unterstützer der Aktion, auf den Punkt.

 

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