2° C – Darf’s nicht auch etwas mehr sein?

Der Klimawandel muss begrenzt werden. Insoweit sind sich Wissenschaft und Politik einig. Die magische Grenze liegt bei zwei Grad Celsius. So stark darf die globale Durchschnittstemperatur gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter noch ansteigen, ohne dass der Klimawandel gefährlich wird. Dieser Tenor wird zumindest in aller Regel ausgegeben, wenn von Wissenschaft und Politik ein Langfristziel für die Klimapolitik gefordert wird. Dafür spricht sich unter Anderem die Europäische Kommission und der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) aus.

Aber warum gerade zwei Grad? Droht bei 2,1 Grad der Weltuntergang? Und ist es nicht ein riesen Zufall, dass die Grenze gerade bei 2,0 Grad und nicht etwa bei 1,9 oder 2,2 Grad liegt? Einleuchtend ist, dass die negativen Folgen des Klimawandels mit ansteigender Temperatur zunehmen. Außerdem wird davon ausgegangen, dass es sogenannte Kipppunkte im Klimasystem gibt.

Ein solcher Kipppunkt wäre das Abschmälzen des grönländischen Permafrostes. Dieses ewige Eis, dass die größte Insel der Erde fast vollständig bedeckt und teilweise hunderte Meter in die Tiefe reicht, würde bei vollständigem Abschmelzen einen Meeresspiegelanstieg von etwa sieben Metern zur Folge haben. Permafrost gibt es auch in Sibirien. Darunter gebunden vermuten Forscher große Methanvorkommen. Zwar kann zu diesem Zeitpunkt keiner sagen, wie viel von diesem starken Treibhausgas beim Abschmelzen freigesetzt würde, allerdings könnte der Klimawandel dadurch deutlich beschleunigt werden. Dies wäre ein sogenannter Selbstverstärkungseffekt.

Auf dem heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand kann kein Mensch genau vorhersagen, ab welchem Punkt die schwerwiegendsten Folgen wirklich eintreten. Die zwei Grad Marke ist eher politisch motiviert. Die Klimaschutzverhandlungen kommen so schon kaum zu greifbaren Ergebnissen. Ohne eine feste Zielgröße der Wissenschaft ginge dieser Prozess sicher noch schleppender voran.

Wer daraus aber schließen mag, dass dann ja auch ruhig etwas mehr emittiert werden darf, ist sicher schlecht beraten. Die so oft genannte zwei Grad Marke, die gerade noch erlaubt sei, ist bereits mit einigen Risiken behaftet. Sie ist nicht als Schutzbereich mit Sicherheitszone zu verstehen. Die Zukunft des Weltklimas vorherzusagen, ist mit großen Unsicherheiten verbunden und selbst wenn die Temperatur bei zwei Grad stabilisiert wird, kann nicht ausgeschlossen werden, dass katastrophale Folgen auftreten. Nicht umsonst arbeiten die Klimaprognosen der Forscher immer mit bestimmten Wahrscheinlichkeitsbereichen.

Daher können zwei Grad sicher als Orientierungspunkt dienen. Je sicherer man aber gehen will, dass der „gefährliche Klimawandel“ abgewendet wird, desto geringer sollte man das Klima mit Treibhausgasen belasten. Mit anderen Worten: Je geringer die Temperaturerhöhung ausfällt, desto unwahrscheinlicher sind negative Folgen, die nicht mehr zu kontrollieren sind.

Oliver Hölzinger

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