Studie untersucht Mythos „Geplante Obsoleszenz“

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Geplante Obsoleszenz - Studie
Geplante Obsoleszenz - Studie

Bauen die Hersteller von Elektrogeräten ihre Produkte absichtlich so, dass sie schon nach kurzer Zeit kaputt gehen? Viele Menschen glauben fest an diese Praxis. Eine neue Studie im Auftrag des Umweltbundesamts hat sich mit dieser sogenannten „geplanten Obsoleszenz“ befasst. Die Autoren kommen dabei zu einem überraschenden Ergebnis.

Wer kennt es nicht? Es kommt einem so vor, als hätte man das Smartphone gerade erst gekauft und schon muss man sich nach einem neuen umsehen? Der integrierte Akku hält nur noch halb so lange wie früher, Knöpfe funktionierten nicht mehr richtig oder die Darstellung ist fehlerhaft. Eine Reparatur ist technisch nicht machbar oder kostet fast soviel wie ein neues Gerät. Da bleibt dann nur noch der Gang zum nächsten Handygeschäft. Viele Menschen glauben, dass die Hersteller genau das beabsichtigen. Sie wittern hinter der Kurzlebigkeit vieler Produkte eine gezielte Strategie.

Geplante Obsoleszenz nennt sich diese mutmaßliche Praxis – eine von den Herstellern nicht offengelegte, aber geplante absichtliche Verringerung der Lebensdauer von Produkten. Die gibt es nach der gängigen Meinung in fast allen Bereichen der Technik. Von Waschmaschinen über Notebooks, Fernsehern, Druckern bis hin zu Smartphones und Tablets – alles wird so gebaut, dass wir spätestens alle paar Jahre Ersatz kaufen müssen.

Tatsächlich gibt es bereits konkrete Untersuchungen, die die Theorie der absichtlich verkürzten Lebensdauer bei einigen Produkten aufgedeckt haben wollen. So untersuchte das Testhaus “HTV” 2013 Elektrogeräte auf gezielte Manipulationen. Dabei wurden unter anderem Röntgen- und Infrarotaufnahmen gemacht. Nach Meinung des Testhauses seien dabei „eine Vielzahl von Produkten mit eingebaute Sollbruchstellen“ aufgefallen. Zudem seien „besonders hitzeempfindliche Bauteile in direkter Nähe zu Hitzequellen verbaut worden“. Konkrete Hinweise darauf, dass an der geplanten Obsoleszenz etwas dran sein könnte – zumindest bei einigen Herstellern. Und die Opfer dieser Strategie wären die Verbraucher, die viel häufiger als eigentlich nötig neue Geräte kaufen müssen.

Auch das Umweltbundesamt (UBA) hat sich mit diesen Vorwürfen befasst und eine umfassende Studie beim Öko-Institut in Freiburg in Auftrag gegeben. Das Ergebnis dieser Studie fiel jedoch anderes aus, als gedacht, und klingt ein wenig nach Schönfärberei: Es stehe zwar außer Frage, dass die Hersteller die Lebensdauer ihrer Produkte planen, dass sei jedoch nicht als Manipulation zu verstehen, sondern als „integrativer Teil von Produktpolitik“. Alle Produkte würden so gestaltet, dass sie „so lange wie nötig und nicht so lange wie möglich halten“. Das Bild von den Herstellern als Tätern und den Kunden als Opfern sei eine eindimensionale und emotional präsentierte Darstellung der Medien, behaupten die Studienautoren.

Das Öko-Institut betont, dass es für die Hersteller keinen Sinn mache, besonders langlebige Produkte zu entwerfen. Der Grund sei die Nachfrage der Kunden nach neuen Geräten und der technologische Fortschritt. Es mache zum Beispiel keinen Sinn, einen Laptop, dessen Hardware nach drei Jahren veraltet sei, so zu bauen, dass er eine zehnjährige Lebensdauer habe. Bei Mobiltelefonen sei das sogar noch sinnloser. Befragungen der Stiftung Warentest hätten ergeben, dass 42 Prozent der Nutzer in Deutschland ihr Handy innerhalb von zwei Jahren austauschen. Insgesamt würden die Kunden „einen beträchtlichen Anteil” aller Elektro- und Elektronikgeräte ersetzen, obwohl die Ware noch gut funktioniere.

Das klingt ganz danach, als wäre der Konsumwille der Verbraucher dafür verantwortlich, dass die Hersteller die Produkte absichtlich kurzlebig designen. In der Studie heißt es dazu, „Hersteller und Verbraucher beeinflussen gegenseitig die Produktentwicklung und Konsummuster“. Das UBA fordert daher sowohl ein Umdenken von Seiten der Hersteller, als auch von den Verbrauchern.

„Viele Geräte haben eine zu kurze Lebensdauer. Aus ökologischer Sicht ist das nicht akzeptabel. Wir müssen über Mindestanforderungen an Produktlebensdauer und Qualität nachdenken – eine Art Mindesthaltbarkeit für Elektro- und Elektronikgeräte. Gleichzeitig werden viele Geräte ersetzt, obwohl sie noch gut funktionieren. Es ist daher genauso wichtig, dass Verbraucherinnen und Verbraucher Produkte länger nutzen“, so UBA-Präsidentin Maria Krautzberger.

Bei der Frage nach der „geplanten Obsoleszenz“ heißt es vom UBA schlicht: “Eine gezielte kurze Produktlebensdauer, die die Hersteller mittels eingebauter Mängel erzeugen (…) kann in der aktuellen Studie nicht nachgewiesen werden. Vielmehr kalkulieren Hersteller mit einer bestimmten Produktlebensdauer, die sich auch nach Zielgruppen, Einsatzbereichen und Produktzyklen richtet”.

Die Frage ist allerdings: Ist es in Ordnung, dass die Hersteller ihre Geräte kurzlebig designen, nur weil die Verbraucher sich theoretisch alle zwei Jahre ein neues Handy kaufen oder der Computer nach drei Jahren veraltet ist? Die Menschen werden zum Konsum angehalten und die Technik macht schnelle Fortschritte. Das als Grund zu sehen, Produkte nicht mit einer möglichst langen Haltbarkeit zu designen, ist zweifellos diskussionswürdig.

Quelle: UBA / Zusammenfassung der Studie zum Download (pdf)

 

2 Responses

  1. Jan Willcox

    19. Februar 2016 19:12

    Die Entschuldigung mit Verbraucherverhalten ist mE deutlich zu herstellerfreundlich:

    Heute hat mein canon-Drucker angezeigt, daß der Tintenauffangbehälter fast voll sei.
    Eine Recherche ergab, daß außer einem Ersatz des sonst voll funktionsfähigen Geräts die einzige Abhilfe darin besteht, ein inoffizielles Programm aus dem Netz zu laden und damit den Druckzähler auf 0 zu stellen und dann aufwändig den Drucker zu demontieren, um die Schwämme gegen neue aus dem Internet auszutauschen.
    Alles Information, die nicht vom Hersteller stammt und deren Anwendung die Garantierechte einschränken kann.

    Ich wünsche mir hier entschlossenes Handeln der Politik, daß solche Verschleißteile leicht und in Übereinstimmung mit dem Hersteller ausgetauscht werden können.

    Es muss mir als Verbraucher überlassen sein, wann ich ein Gerät als veraltet ansehe und austausche.

  2. Ralf

    19. Februar 2016 19:50

    Hallo Herr Willcox, ich bin sicher, dass viele Verbraucher so denken wie Sie. Hersteller von Druckern und anderen Produkten würden verständlicherweise gerne die Kontrolle über die Einkäufe ihrer Kunden übernehmen. Entsprechende Automatismen, ich nenne sie Tricks, werden immer raffinierter. Sie entziehen den Verbrauchern die Freiheit selber entscheiden zu können.
    Gegen diese Entwicklung muss seitens Gesetzgebung etwas unternommen werden.

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