Geothermieloch in Basel muss erneut geöffnet werden

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Geothermieloch in Basel © Keystone

Ein Bohrloch zu Zwecken der Geothermie in Basel rief 2006 ein spürbares Erdbeben in der Region hervor. Als Konsequenz wurde Projekt beendet und das Loch geschlossen. Doch nun hat sich darin so viel Druck aufgebaut, dass es erneut zu Erdbeben kommt. Auch wenn diese bisher noch nicht spürbar waren, sehen Experten keine andere Möglichkeit, als das Loch erneut zu öffnen. Dadurch soll kontrolliert Druck abgelassen und weitere Erdbeben verhindert werden.

Vor 10 Jahren wurde im Baseler Stadtteil Kleinhüningen der Versuch unternommen, mit Hilfe von Geothermie Energie zu erzeugen. Dazu startete 2006 für 100 Millionen Euro das Projekt Deep Heat Mining. Geplant war, kaltes Wasser in 5000 Meter Tiefe zu befördern und er dort mit Hilfe der Gesteinswärme zu erhitzen. Die dadurch entstehende Wärme sollte anschließend an der Erdoberfläche zur Energiegewinnung genutzt werden. Um das Gestein dafür durchlässiger zu machen, wurde zur Lockerung Wasser unter Hochdruck in den Felsen gepresst. Doch dieses Vorgehen blieb nicht ohne Folgen.

Am 8. Dezember 2006 wurde in der Region durch dieses sogenannte „Klüften“ ein Erdbeben der Stärke 3,4 ausgelöst. Aus diesem Grund wurde das Millionen-Projekt vorerst auf Eis gelegt. Nachdem es bis 2007 weitere Erdbeben zu weiteren Erdbeben kam, wurde das Vorhaben endgültig beendet und das Loch 2011 verschlossen. Jedoch erwartete das baselstädtische Gesundheitsdepartment GD durch den Verschluss ein Ansteigen des Drucks im Inneren des Lochs. Aus diesem Grund beauftragte der Kanton Basel-Stadt 2012 den Schweizer Erdbebendienst (SED) mit der seismischen Überwachung der Region. Und die Experten behielten recht.

In den letzten Monaten wurden vermehrt für den Menschen nicht-spürbare Mirko-Erdbeben gemessen. Nicht-spürbar deshalb, da der Mensch ein Beben erst ab einer Stärke von circa 2,5 wahrnimmt, das stärkste in der Region aber nur auf 1,9 kam. Nach diesen Erkenntnissen holte das GD weitere Analysen und Zweitmeinungen zum weiteren Vorgehen ein. Die übereinstimmende Empfehlung: um ein Abnehmen der seismischen Aktivität herbeizuführen muss das da Loch erneut geöffnet werden. Das GD hat zusammen mit dem Amt für Umwelt und Energie und den als Eigentümer des Lochs verantwortlichen Industriellen Werke Basel (IWB) nun verfügt, die Bohrung wieder öffnen zu lassen.

© Keystone/Georgios Kefalas
© Keystone/Georgios Kefalas

Durch eine langsame und kontrollierte Öffnung sollen solche Mirko-Beben sehr wahrscheinlich wieder „graduell abnehmen“ und damit ein spürbares Erdbeben für die Bevölkerung verhindert werden. Experten sind sich jedoch nicht sicher, ob ein Erdbeben in dieser Stärke dadurch wirklich umgangen werden kann, halten ein Schadensbeben allerdings eher für unwahrscheinlich.

Aus Erfahrung wird davon ausgegangen, dass bei der Öffnung Wasser und wenige Gase, vor allem Stickstoff austreten werden, wofür Gewässerschutz und Lufthygiene beachtet werden müssen, bis es entsorgt wird.

Derzeit wird vom IWB in Zusammenarbeit mit Fachexterner Unterstützung ein technisches Konzept zur kontrollierten Öffnung erarbeitet. Es wird davon ausgegangen, dass bereits im Sommer damit begonnen werden kann. Um die Aktivitäten besser kontrollieren zu können, wird das Gebiert weiterhin vom SED beobachtet. Wie lange dieses Vorhaben dauern wird und wie teuer es am Ende werden wird ist bis zum jetzigen Zeitpunkt allerding noch unklar.

Ganz vom Tisch ist die Gestein durch Wasserdruck zu lockern jedoch nicht. Im Grimselgebiet laufen in einem Felslabor dazu zur Zeit Versuche mit weniger Druck als in Basel. Auch in Genf wird geplant ab 2020 Gesteinswärme aus 3000 Metern Tiefe zu nutzen.

Quellen: 20 MinutenIWB