Genfer Automobilsalon: Elektroauto 1000 km Reichweite?

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Nunzio La Vecchia präsentiert den Quantino

Nunzio La Vecchia, der Chef der Lichtensteiner nanoFlowcell AG, präsentierte auf dem diesjährigen Genfer Autosalon seine neusten Entwicklungen: Den Quant F und den Quantino. Der Erfinder ist überzeugt, die beiden Elektrofahrzeuge würden eine Revolution in der e-Mobility Branche auslösen. Denn durch die Nutzung einer NASA-Technologie sollen sie eine Reichweite von bis zu 1000 Kilometer erzielen – und damit mehr als viele Benziner. Doch einen Beweis für seine Behauptung liefert er bislang nicht. Die Medien spekulieren nun über den Wahrheitsgehalt seiner Sensationsmeldung.

Bereits 2014 stellte La Vecchia beim Genfer Autosalon mit dem Quant E eine schnittige Elektro-Sportlimousine vor, die beeindruckend aussieht und – so zumindest die Versprechungen der nanoFlowcell AG – auch beeindruckendes zu leisten vermag. Mit dem Quant E könne man demnach bis zu 600 km zurücklegen bevor man an die Ladestation müsse, und damit wesentlich mehr als mit herkömmlichen Elektrofahrzeugen.

Jetzt ist La Vecchia wieder mit einem Stand beim Genfer Autosalon (vom 5.-15. März) vertreten und hat erneut einen Blickfang mit dabei. Der Prototyp des Quant F ist eine Weiterentwicklung des Quant E und sieht, genauso wie sein Vorgänger, aus wie ein echter Rennwagen. Das zweite Elektrofahrzeug, das La Vecchia dieses Jahr der Fachwelt präsentierte, ist der Quantino. Der „kleine Bruder“ des Quant E und des Quant F soll, so der Plan der nanoFlowcell AG, ein PKW für jedermann werden und noch dieses Jahr die Straßenzulassung erhalten.

Das besondere am Quantino: Er soll mit einer einzigen Batterieladung mehr als 1000 Kilometer weit kommen und damit eine noch größere Reichweite haben als seine beiden großen Brüder. Für die e-Mobility Branche wäre das eine revolutionäre Entwicklung. Möglich werden soll das mit einer Technologie, die es eigentlich schon seit den 1970er Jahren gibt und die ursprünglich von der NASA entwickelt wurde: Die sogenannte Nanoflowcell-Technologie (auch: Redox-Flow-Batterien-Technologie).

Dabei wird elektrische Energie in einer ionischen Flüssigkeit gespeichert. Der Quantino hat zwei dieser Zellen mit je 175 Litern Flüssigkeit – eine positiv und eine negativ geladen – an Bord. Diese in Verbindung mit einem Puffersystem und Elektromotoren vier mal 25 Kilowatt (entspricht etwa 136 PS) sollen 48 Volt Nennspannung generieren und den Quantino damit zum weltweit ersten Elektrofahrzeug mit Niedervoltantrieb machen. Die nanoFlowcell AG schreibt, das neuartige Antriebskonzept aus Niedervoltsystem und nanoFlowcell® verleihe dem Quantino eine Reichweite von mehr als 1000 km.

Doch viele Wissenschaftler und Experten zweifeln am Wahrheitsgehalt dieser Aussage. Jens Noak beispielsweise, ein Forscher, der am Fraunhofer Institut für Chemische Technologie (ICT) seit Jahren an der Flusszellen-Technologie forscht, sagte gegenüber dem „Spiegel“: „Das ICT verfügt über das zentrale Patent zu Redox-Flow-Batterien. Einen derartigen Durchbruch können wir aus wissenschaftlicher Sicht leider nicht bestätigen, wollen diesen aber auch nicht gänzlich ausschließen. Zur besseren Beurteilung der neuartigen ionischen Flüssigkeit müssten uns mehr Informationen vorliegen.“ Noak vermutet hinter der Sensationsmeldung eher geschicktes Marketing.

La Vecchia selbst hält sich nach wie vor bedeckt und verrät nicht, wie sein Antriebskonzept und die neu entwickelte Elektrolytlösung eine derartige Reichweite möglich machen soll. Auch näher untersuchen durfte man bei der Präsentation in Genf keines der beiden neuen eAutos. N-TV schrieb online, wenn La Vecchia nicht bald einen Beweis für die Funktionsfähigkeit seiner Superautos vorlege, würde seine bereits in Mitleidenschaft gezogene Glaubwürdigkeit weiter leiden. 

Doch selbst wenn sich die 1000 Kilometer Reichweite als etwas zu optimistisch herausstellen sollten und „nur“ etwa 600 Kilometer erreicht werden können, wäre das noch immer ein Meilenstein für die e-Mobility Branche.  Bisherige eAutos mit Lithium-Ionen-Technologie kommen mit einer Akkuladung durchschnittlich nur etwa 300 Kilometer weit. Lediglich Teslas Model S schafft rein rechnerisch eine Reichweite von 470 Kilometern.

 

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