Gemeinsam stark im Quartier

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Klimaschutz im Quartier
Klimaschutz im Quartier

Eine Kampagne im Emmendinger Stadtteil Bürkle-Bleiche zur energetischen Modernisierung zeigt wie die Einbindung der Bürger beim Klimaschutz gut gelingen kann.

Schritt für Schritt ein Wir-Gefühl für einen lebenswerten Stadtteil und zur Energieeinsparung aufzubauen. Dies will die Stadtteilkampagne Bürkle-Bleiche als integriertes Quar-tierskonzept in Emmendingen (Baden-Württemberg). Bis zum Jahr 2050 sollen in dem 7.500 Einwohner zählenden Stadtteil 50 Prozent Energie eingespart, zu 95 Prozent Photovoltaik für die Stromerzeugung genutzt und der Wärmebedarf zu über 50 Prozent mit Holz und Solarthermie gedeckt werden. Ziel ist es, auf diese Weise den CO2-Ausstoß um 95 Prozent zu reduzieren. „Um dies zu erreichen, ist es entscheidend die Bürger und Wohnungseigentümer breit zu informieren und miteinander zu vernetzen“, sagt Armin Bobsien. Dabei sei es oft besser von Lebensqualität oder Wohnraumklima an Stelle von Energieeffizienz oder Klimaschutz zu sprechen.

Der Stadtteil Bürkle-Bleiche wurde deshalb ausgewählt, weil dessen Bestand von 1.100, meist älteren Gebäuden, ein hohes Einsparpotenzial bietet. Aufbauend auf einem energetischen Quartierskonzept wurde vor drei Jahren mit der Stadtteilkampagne begonnen. Zur Betreuung wurde mit Hilfe einer KfW-Förderung beim städtischen Bau- und Planungsamt Sanierungsmanager Bobsien eingestellt. „Um die Mitwirkungsbereitschaft der Bürger zu fördern, ist eine intensive Öffentlichkeitsarbeit ein Schlüssel zum Erfolg“, unterstreicht er.

Mittels persönlicher Ansprache, Stadtteilzeitung, Internet, Amtsblatt oder Präsentationen bei Vereinsfesten oder Wochenmärkten wurde für Klimaschutz und Energieeffizienz sensibilisiert und Beratungs- und Förderangebote bekannt gemacht. Wichtige Bausteine waren unter anderem eine „EnergieSparShow“ im Familienzentrum, eine „Energiekarawane“ mit dialogorientierter Beratung und die Gründung von Akteursnetzwerken (Handwerker-, Energieberater-Netzwerke). Als Teil der Quartierskampagne legte die Stadt Emmendingen ein kommunales Beratungs- und Fördermittelprogramm in Höhe von 100.000 Euro auf. Angeboten wird eine kostenfreie Erstberatung, eine umfassende Energieberatung vor Ort sowie die Unterstützung von konkreten Modernisierungen.

Bisher wurden 180 Energieberatungen angefragt, es fanden 100 Einstiegsberatungen vor Ort statt und es wurden 80 Förderanträge für Sanierungsmaßnahmen gestellt, wovon 60 abgeschlossen sind. So wurden beispielsweise acht Häuser nach KfW-Energieeffizienzstandard umgebaut, zwei Blockheizkraftwerke in Wohnblöcke eingebaut, drei Solarstromanlagen mit Speicher errichtet und mehrere Dutzend Einzelmaßnahmen gefördert. Insgesamt wurden durch die Kampagne bisher Investitionen in Höhe von über zwei Millionen Euro ausgelöst.

„Eine Kommune kommt im Klimaschutz immer dann gut voran, wenn sie den Bürger erreicht: Information und Beteiligung sind daher elementare Bausteine“, sagt Volker Kienzlen, Leiter der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg. Ein Kümmerer wie ein Sanierungs- oder Klimaschutzmanager sei „dabei praktisch unentbehrlich“. Das Beispiel Emmendingen zeige, wie die Einbindung der Bürger gut funktionieren könne. Am Erfolg teil hat auch die Landesregierung, welche die Stadtteilkampagne zur Hälfte gefördert hat.

 

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