Geht uns bald das Wasser aus?

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Laut NASA-Satellitenaufnahmen drohen etwa ein Drittel der weltgrößten Grundwasserspeicher auf lange Sicht zu versiegen.
Laut NASA-Satellitenaufnahmen drohen etwa ein Drittel der weltgrößten Grundwasserspeicher auf lange Sicht zu versiegen.

Neueste Daten der NASA enthüllen besorgniserregendes: Den Satellitenaufnahmen zufolge geht uns das Süßwasser aus. Offenbar leeren sich mehr als die Hälfte der großen Grundwasserspeicher der Erde schneller, als sie sich wieder füllen können. Das könnte auf lange Sicht zum ernsthaften Problem werden, prophezeien Wissenschaftler der NASA. Haben wir bald nicht mehr genügend Trinkwasser, und das in Zeiten, in denen es aufgrund des Klimawandels in vielen Regionen immer wärmer und trockener wird?

Weltweit gibt es insgesamt 37 große Grundwasserreservoirs. 21 dieser großen Wasserspeicher leeren sich offenbar weit schneller, als sie sich wieder auffüllen können. Bei 13 davon ist die Balance sogar so gestört, dass die NASA-Wissenschaftler befürchten, sie könnten langfristig ganz versiegen. Zu diesem Ergebnis kommt die NASA aufgrund der Auswertung von Erdaufnahmen, die mit dem sogenannten GRACE-Satelliten (Gravity Recovery And Climate Experiment) gemacht wurden. Mit dem Doppelsatelliten können die bislang detailliertesten Bilder der großen Grundwasserspeicher der Erde gemacht werden, die Wissenschaftler jemals zur Verfügung standen. „Das ist die erste Möglichkeit für uns, zu sehen, wie sich diese Reservoirs über einen längeren Zeitraum hinweg verändern, kommentierte Gordon Grant, ein Hydrologe von der Oregon State University.

Die betreffenden Grundwasserreservoirs sind Süßwasserquelle für hunderte Millionen Menschen, schrieb die Washington Post am Mittwoch. Dementsprechend groß ist die Sorge der Wissenschaftler. Die betreffenden Speicher liegen unter anderem in den USA, China, Indien, Afrika und auch in Europa. Die Forscher warnen, das Problem könne auf lange Sicht äußerst schwerwiegend werden, denn in Zeiten steigender Wasserknappheit und längerer, klimabedingter Dürreperioden seien immer mehr Menschen rund um den Globus auf das Wasser aus dem Erdinneren angewiesen.

Bereits seit Jahren vermuten Wissenschaftler, dass die rasch anwachsende Weltbevölkerung und der immer größere Verbrauch von Süßwasser für Landwirtschaft, Industrie und persönlichen Bedarf früher oder später dazu führen wird, dass sich die Grundwasserreservoirs über ein nachhaltiges Maß hinaus entleeren. Die NASA-Aufnahmen seien der eindeutige Beweis dafür, dass diese Entwicklung bereits in vollem Gang ist. „Die Situation ist kritisch“, sagte der NASA-Wissenschaftler Professor James Famiglietti dazu, der an der Auswertung der NASA-Daten beteiligt war.

35 Prozent des weltweiten Wasserbedarfs werden durch solche Grundwasservorkommen gedeckt. Eine Zahl, die künftig voraussichtlich noch ansteigen wird, denn in Zeiten der rasch voranschreitenden globalen Erwärmung steigt der Wasserbedarf immer rapider an. In Kalifornien beispielsweise herrscht derzeit einer der schlimmsten Dürren, die der US-Bundesstaat jemals erleben musste. Wetterberichte schrieben gar, es sei die schlimmste seit rund 1200 Jahren. Auch Nordkorea meldet aktuell vor einer „Jahrhundertdürre“  zu stehen – mit  wahrscheinlich extremen Auswirkungen auf das ganze Land.

Leider werden uns derartige Nachrichten laut Experten in den nächsten Jahren und Jahrzehnten immer häufiger erreichen – dem Klimawandel zufolge. Umso wichtiger wäre es, dass ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Doch das scheint leider nur eine Wunschvorstellung. Die UN schätzt, bis Mitte des Jahrhunderts werde der Wasserbedarf weltweit um etwa 55 Prozent zunehmen, und warnt im Zuge dessen vor einer globalen, verheerenden Wasserknappheit. Schon heute leiden 640 Millionen Menschen an sehr starkem Wassermangel, zwei Milliarden Menschen sind von Wassermangel bedroht, verkündete die Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ vor kurzem. Viele dieser Menschen leben in armen Ländern oder in Gebieten, in denen es immer heißer und trockener wird. Ausgerechnet dort scheint nun auch das Grundwasser auszugehen. Doch die reichen Nationen könnten ebenfalls bald ein Problem bekommen, so auch Europa. Ein großes europäisches Trinkwasserreservoir liegt in Frankreich. Und auch dieses scheint sich laut Satellitenaufnahmen über den Kipppunkt hinaus zu leeren.

NASA Daten GRACE Grundwasser Knappheit Klimawandel

Das in den reichen Ländern heute noch im Überfluss vorhandene Wasser – ein Gut, das für uns so selbstverständlich aus dem Wasserhahn kommt, dass wir nicht einmal darüber nachdenken – droht bald zu einer ähnlich knappen und teuren Ressource zu werden, wie seinerzeit das Erdöl. Nur kann unser Organismus zwar ohne Erdöl leben, allerdings kommen wir nur rund drei bis vier Tage ohne Wasser aus – wenn überhaupt. Die UN schätzt, bis zum Jahr 2040 wird die Weltbevölkerung auf etwa neun Milliarden Menschen angewachsen sein. Dann würden die Süßwasservorkommen der Erde nur noch 70 Prozent des Bedarfs decken. Experten befürchten, dass Süßwasser damit künftig nicht nur wertvoller als Öl, sondern wertvoller als alle Schätze der Erde sein wird. Es wird Kriege geben um unsere schon heute so wichtige Ressource, sind sich Forscher sicher.

Umso wichtiger ist es, zu einem möglichst nachhaltigen Umgang mit den begrenzten Wasservorkommen des Planeten zu finden – auch mit unseren Grundwasserreservoirs. Denn ob sich die Becken zu schnell entleeren, hängt maßgeblich davon ab, wie die Menschheit sie ausbeuten. Das Schürfen nach (Edel)metallen, oder die Ausbeutung von Öl- und Gasvorkommen kostet besonders viel Wasser – weit mehr, als durch Regen wieder in die Speicher gelangen kann. Nicht überraschend also, dass das Grundwasser im sogenannten Arabischen Aquifer, also in einer Region, in der intensiv nach fossilen Rohstoffen gesucht wird, laut NASA-Daten am schnellsten versiegt. Bei diesem Reservoir, einer Wasserquelle für rund 60 Millionen Menschen, fanden die Forscher nur noch geringe Anzeichen einer Wiederbefüllung.

Demnach sind vor allem menschliche Aktivitäten und der irrationale und nicht nachhaltige Umgang mit unserem Süßwasser schuld an dieser besorgnis-erregenden Entwicklung. So endet beispielsweise viel Grundwasser irgendwann im Meer. Eine japanische Studie aus dem Jahr 2012 ergab sogar, dass bis zu 40 Prozent des zu beobachtenden Meeresspiegelanstiegs auf Grundwasser zurückzuführen sind, das von den Menschen aus dem Erdinneren nach oben gepumpt wird und nach Verbrauch als Abwasser in den Ozeanen landet. Zu allem Überfluss verstärke außerdem der Klimawandel die Probleme mit dem Grundwasser, erklärt Famiglietti. So würden die Regionen rund um den Äquator immer trockener und die dort lebende Bevölkerung müsse infolgedessen mehr und mehr Grundwasser anzapfen. Doch einmal aus dem Erdinneren entnommen verdampft es, und regnet tausende Kilometer in Norden oder Süden in den Gebieten ab, in denen es aufgrund des Klimawandels immer feuchter und regnerischer wird. Somit beginnt ein sich selbst verstärkender Kreislauf. In den Regionen, in denen es gebraucht wird, steht es – einmal entnommen – nicht mehr zur Verfügung, und andere Regionen werden überschwemmt.

Doch auch wo es heute noch reichlich gibt, könnte das Wasser irgendwann einmal knapp werden, fürchtet Famiglietti. „Es gibt keinen unendlichen Vorrat an Wasser. Wir müssen gemeinsam Lösungen erarbeiten, wie wir den Grundwasservorrat nachhaltig verwalten können. Denn unser Wasser geht uns aus.“

 

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