G7-Länder müssen Emissionen drastisch verringern

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In diesem malerischen Schloss in den bayerischen Alpen tagen seit gestern die sieben führenden westlichen Industrienationen.
In diesem malerischen Schloss in den bayerischen Alpen tagen seit gestern die sieben führenden westlichen Industrienationen.

Zu Beginn des G7-Gipfels am gestrigen Sonntag im Schloss Elmau in Oberbayern hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace bekanntgegeben, dass die sieben führenden westlichen Industrienationen ihren Treibhausgas-Ausstoß schnell und drastisch senken müssen, damit das international vereinbarte Zwei-Grad-Ziel nicht verfehlt wird. Besonders die extrem klimaschädliche Stromerzeugung mit Kohle müsse deutlich reduziert werden. Wie viel Treibhausgase die führenden Industrienationen noch ausstoßen dürften, bevor das Ziel nicht mehr erreicht werden kann, hat Greenpeace berechnet. Die Ergebnisse sind leider alles andere als ermutigend. 

Es geht um den Klimaschutz – auch beim G7-Gipfel in Oberbayern steht dieses Thema mit auf der Agenda. (Das Thema „Energie und Klima“ steht für den heutigen Montag auf der Tagesordnung) Das große Ziel im Zusammenhang mit der rasch fortschreitenden menschengemachten globalen Erwärmung: Das Zwei-Grad-Ziel. Vereinbart bei der Klimarahmenkonvention 2009 in Kopenhagen besagt es, dass der globale Ausstoß von Treibhausgasen soweit reduziert bzw. stabilisiert werden muss, dass die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter beschränkt wird. So sollen die schlimmsten Folgen des Klimawandels weitestgehend vermieden werden. Nach Ansicht einiger Klimaexperten darf der Anteil von CO2 in der Atmosphäre dazu jedoch die 450 ppm (Parts per Million / Teile CO2 pro Millionen Teile Luft) nicht überschreiten. Andernfalls steuert die Erde eher auf eine Erwärmung von rund vier Grad bis zum Jahr 2100 zu – das hätte drastische Auswirkungen für den gesamten Planeten und seine Bewohner. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass bereits dieser Wert zu hoch ist, um das Zwei-Grad Ziel zu halten.

Und genau da liegt das Problem. Schon um die 450 ppm (Stand: Mai 2015 ∅ 403.70 ppm) nicht zu überschreiten, müsste der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 wohl um 50 Prozent (gegenüber dem Niveau von 1990) gesenkt werden – ein utopisches Ziel, glauben die meisten Experten, denn seit Jahrzehnten steigen die Treibhausgas-Emissionen weltweit. Neben den stark wachsenden Wirtschaftsmächten Indien und China sind es gerade die weltweit führenden Industrienationen, vormals die sogenannten G8-Nationen, von denen – nach dem Ausschluss Russlands im Zuge des Ukraine Konflikts 2014 – derzeit sieben im Schloss Elmau in den bayerischen Alpen tagen, die im globalen Vergleich am meisten CO2 und andere Treibhausgase emittieren.

Nach China folgen bereits die USA als weltweit größter CO2-Produzent (2013 rund 16,6 Tonnen CO2 je Einwohner / globaler Gesamtanteil 15,5 Prozent). Doch auch viele andere G7-Nationen wie Japan (10,7 Tonnen CO2 / Einwohner), Frankreich (5,7 Tonnen CO2 / Einwohner), Großbritannien (7,5 Tonnen / Einwohner) und Kanada (15,7 Tonnen / Einwohner) gehören mit zu den größten Umweltverschmutzern der Welt. Deutschland gelang es im vergangenen Jahr den Kohlendioxid-Ausstoß im Vergleich zu den Vorjahren erstmals wieder etwas zu verringern. Demnach sanken bei uns die klimaschädlichen Emissionen 2014 um rund 41 Millionen Tonnen, was einem Rückgang um 4,3 Prozent im Vergleich zum Jahr 2013 entspricht. Dennoch sind auch wir einer der weltweit größten „CO2-Sünder“ überhaupt. Im globalen Durchschnitt lag die Bundesrepublik 2014 auf Platz acht, in Europa sind wir trauriger Spitzenreiter. Zusammen mit den anderen sechs G7-Nationen ist Deutschland verantwortlich für 26 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes.

Das zeigt, es muss reduziert werden, und das sogar dringend. Andernfalls wird das Zwei-Grad-Ziel klar verfehlt werden. Gerade die G8- bzw. G7-Nationen als Hauptverursacher der globalen Erwärmung tragen hier eine große Verantwortung. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat jetzt, pünktlich zum Beginn des G7-Gipfels, errechnet, wie viel CO2 die sieben führenden westlichen Industrienationen noch ausstoßen dürften, um das Klimaschutzziel zu halten. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Auf ihren Anteil an der Weltbevölkerung umgelegt, stehen den G7-Staaten noch etwa zehn Prozent des globalen CO2-Budgets (565 Milliarden Tonnen) zu, das noch in die Atmosphäre gelangen darf. Auf Basis ihrer jüngsten Jahresemissionen werden die G7-Staaten dieses anteilige CO2-Budget von 60 Milliarden Tonnen schon in weniger als sieben Jahren aufgebraucht haben, sollte der aktuelle Trend beibehalten werden.

Greenpeace schreibt, das Zwei-Grad-Ziel sei demnach nur noch mit drastischen CO2-Einsparungen zu erreichen. Besonders die klimaschädliche Kohleverstromung müsse deutlich reduziert werden. „Wenn die G7 weiter Anspruch auf eine Führungsrolle in der Welt erheben wollen, müssen sie jetzt einen Fahrplan für den Ausstieg aus der Kohle vorlegen“, sagte Greenpeace-Klimaexperte Tobias Münchmeyer dazu. Von 1990 bis 2013 haben die G7 den Anteil der Kohle an ihrem Energiemix lediglich um 8,2 Prozentpunkte gesenkt. Entsprechend gering fiel der Rückgang des CO2-Ausstoßes zwischen 1990 und 2012 mit 1,3 Prozent aus. Dabei zeigt zuletzt ausgerechnet China, der weltweit größte CO2-Produzent, dass sich Emissionen bei Kohlekraftwerken rasch senken lassen. Während das Land mit seinen vielen neuen Kohlekraftwerken zwischen 2000 und 2010 die Hälfte des Anstiegs der globalen CO2 Emissionen verantwortete, sind die energiebedingten Emissionen 2014 erstmals um etwa ein Prozent gefallen. Dieser Trend hat sich in den ersten vier Monaten des Jahres mit einem Minus von fünf Prozent noch verstärkt. Nun müssen auch die G7-Nationen nachziehen, fordert Greenpeace. „Die G7-Staaten drohen beim Klimaschutz zum Bremser zu werden. Der Erfolg des Gipfels wird davon abhängen, ob Merkel gemeinsam mit ihren sechs Kollegen ein klares Signal für den Ausstieg aus der Kohle liefert“, so Münchmeyer.

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In Deutschland hat Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) eine Klimaabgabe vorgeschlagen, die den CO2-Ausstoß besonders alter und schmutziger Kohlekraftwerke drosseln soll (CEP berichtete). Doch Kanzlerin Merkel bekennt sich bislang nicht zu diesem notwendigen ersten Schritt. Man prüfe derzeit alle Alternativen, sagte sie zuletzt. In Schloss Elmau will sie ihre Kollegen dazu bewegen, alles zu tun, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Doch nach Ansicht von Greenpeace steht dabei ihre Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. „Ohne ein klares Bekenntnis der Kanzlerin zur Klimaabgabe wird Merkel auf Elmau nicht glaubhaft mehr Klimaschutz von ihren G7-Partnern fordern können“, so Münchmeyer dazu. Dabei wäre das so dringend nötig, wie die Greenpeace Berechnungen zeigen. Es bleibt zu hoffen, dass die sieben großen Industrienationen heute zu einen gemeinsamen Konsens kommen. Das wäre auch im Hinblick auf den Weltklimagipfel im Dezember in Paris zumindest ein kleines Zeichen der Hoffnung darauf, dass das Zwei-Grad-Ziel vielleicht doch noch erreicht werden kann.

 

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