Fukushima: Radioaktive Partikel vor Amerika gefunden

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Vier Jahre nach dem schweren Reaktorunglück in Fukushima sind an der nordamerikanischen Küste erstmals radioaktive Partikel nachgewiesen worden, die mit dem Unfall in Verbindung stehen. Das kanadische Netzwerk inFORM gab bekannt, amerikanische Wissenschaftler hätten in zwei Proben, die vor der kanadischen Provinz British Columbia aus dem Pazifik entnommen wurden, das radioaktive Isotop Cäsium entdeckt. Die gefundene Menge habe den für Trinkwasser festgelegten Grenzwert jedoch nicht überschritten, sagte einer der Wissenschaftler von inFORM gegenüber dem Nachrichtenmagazin CBCNews.

Dennoch zeigt die Nachricht, wie weit sich Radioaktivität auch Jahre nach solchen Unfällen verbreiten kann. Überraschend sei der Fund der Partikel jedoch nicht, sagte Jay Cullen, Wissenschaftler und Leiter von inFORM. Demnach sei anhand von Modellsimulationen bereits vorhergesagt worden, dass radioaktive Spuren früher oder später auch die nordamerikanischen Küsten erreichen würden.

Am 19. Februar 2015 schließlich fanden Wissenschaftler der „Woods Hole Oceanographic Institution“, einer privaten Einrichtung, die bereits seit 15 Monaten die Strahlenwerte entlang der amerikanischen Küsten überwacht, in der Nähe der Stadt Ucluelet vor der kanadischen Westküste in zwei aus dem Pazifik entnommenen Proben die radioaktiven Isotope Cäsium 134 und 137. Diese beiden Isotope kommen in der Natur nicht vor, sie entstehen ausschließlich durch menschliche Aktivitäten, beispielsweise bei der kontrollierten oder unkontrollierten Kernspaltung. 

Ken Buesseler, ein Forscher des Woods Hole Überwachungsprogramms bekräftigte jedoch, dass die gefundene Menge glücklicherweise nur sehr klein sei. Mit lediglich 1.4 und 5.8 Becquerel pro Kubikmeter Wasser habe die Menge den zulässigen Höchstwert für Trinkwasser um das tausendfache unterschritten. Selbst wenn man ein Jahr in dem Wasser schwimmen ginge, wäre die Strahlendosis noch immer geringer als bei einer einzigen Röntgenaufnahme, so Buesseler. Es bestehe also, im Gegensatz zur Situation an Teilen der japanischen Küsten, keinerlei Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier.

Aus wissenschaftlicher Sicht allerdings sei der Fund von großer Bedeutung. Denn er zeige, dass die Ozeane auch weiterhin genau überwacht werden müssten. In Fukushima wurde die bisher größte Menge radioaktiven Materials in der Geschichte der Menschheit in die Ozeane geschwemmt. Auch wenn bislang nur sehr geringe Strahlendosen nachgewiesen wurden, Radioaktivität sei sehr gefährlich, und er erwarte in den nächsten Jahren weitere Funde, sagte Brusseler. Deshalb müssten kontinuierlich Proben genommen werden. Erst im Jahr 2021 seien wieder normale Werte zu erwarten, verkündete das Ministerium für Fischerei und Meere vor kurzem.

Das Reaktorunglück von Fukushima ereignete sich nachdem es am 11. März 2011 in Folge eines schweren Erdbebens (Stärke 9 auf der Richterskala) vor der japanischen Nordostküste zu einem Tsunami kam, der die Kühlung der Reaktorblöcke beschädigte und so eine Kernschmelze auslöste. Das Unglück von Fukushima gehört nach Tschernobyl zu dem schlimmsten GAU in der Geschichte des atomaren Zeitalters. Dennoch will die japanische Regierung in Zukunft wieder verstärkt Strom mit Atomkraftwerken erzeugen, trotz teils massiver Gegenwehr des japanischen Volkes.

 

 

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