Frischer Wind in Frankreich

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Es sind große Pläne, die Frankreichs Regierung ab September durchsetzen möchte. Dann soll die Ausschreibung von mindestens 600 Windrädern vor der französischen Küste erfolgen, ein Energiepotenzial von 3.000 Megawatt Strom, was etwa einer Kapazität von zwei Atomkraftwerken entspricht. Derzeit gibt es in Frankreich keine Offshore Windkraftanlagen und auch an Land scheitern viele Vorhaben am Widerstand der Anlieger. Noch wird der Strom zu 80 Prozent aus Atomkraft gewonnen.

Ein ehrgeiziger und äußerst schwieriger Plan, endlich in Sachen Windenergie dem europäischen Vergleich standzuhalten. Die Umsetzung könnte jedoch problematisch werden, denn die Regierung spricht sich seit langem für die Windenergie aus, wohingegen die Abgeordneten sich dagegen aussprechen. Oftmals scheitern diese Begehren und Bauvorhaben jedoch an der Planungssicherheit und den damit verbundenen hohen Kosten. Für jedes Projekt benötigt man in Frankreich

gleich drei Unterschriften der Präfekten und alle sind einzeln vor dem Kadi anfechtbar, derzeit entspricht das 60 Prozent aller Baugenehmigungen. Keine besonders rosige Aussicht für die Regierungspläne, denn auch hier regt sich bereits der Widerspruch!

 

Zahlreiche Windkraftgegner befürchten, dass durch die Industrialisierung der Meere nicht nur Vögeln der Garaus gemacht werden könnte, sondern auch der Tourismus massiv zurückgeht. Die Bewohner der normannischen Küste sehen ihren schönen Ausblick gefährdet, wenn die Windräder in nur zehn Kilometern Entfernung auf dem Meer prangen und auch die Fischer sind alles andere als einverstanden mit den Regierungsplänen und dem Ausbau der Windkraft. Sie fürchten um Einbußen beim täglichen Fischfang, rund um die Windräder dürfen Sie schließlich nicht arbeiten. Dagegen hält die Aussage des bretonischen Fischerverbandes, denn der Staat bietet Ausgleichszahlungen und auch die Vorteile sollten nicht verkannt werden – an den Podesten der Windkraftanlagen könnten sich Riffe bilden, die das Wachstum von Hummern fördern würden.

Keine leichte Aufgabe für die Regierung, die zur Zeit ein vereinfachtes Planungsverfahren für das Meeresvorhaben prüft. Genug Zeit hat sie ja! Bis 2015 ist kein einziges Windrad vorgesehen, erst einmal werden die zehn Gebiete an der Loire-Mündung, in der Normandie, im Norden der Bretagne und im Languedoc-Roussillon ausgewiesen. Dann sollen sich Investoren, die während der Ausschreibung den vorläufigen Zuschlag erhalten, innerhalb von 18 Monaten entscheiden können, ob sie den angebotenen Preis auch halten können. Doch schon jetzt ist vorprogrammiert, dass die Angebotspreise wohl deutlich überschritten werden. Grund dafür sind die unverzichtbaren und immens teuren Untersuchungen des Meeresbodens, die aufgrund der Kostenintensität erst nach dem endgültigen Zuschlag durchgeführt werden.

Judith Schomaker

 

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