Fraunhofer-ISE: Energiewende kann Kosten sparen

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Energiewende kann Kosten sparen
Energiewende kann Kosten sparen

Eine künftige klimaschonendere Energieversorgung in Deutschland wird deutlich strombasierter sein, mit einem hohen Anteil von Wärmepumpen und mehr Fern- und Nahwärmenetzen. Zumindest wenn die Energiepreise weiter steigen und CO2 nicht mehr weitgehend kostenfrei in die Atmosphäre geblasen werden darf, kann die Energiewende auch Kosten sparen.

Dies sind zentrale Ergebnisse einer aktuellen Studie zu den Kosten der Energiewende und der Transformation des deutschen Energiesystems bis 2050 des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE). Zielvorgabe ist eine 80 bis 90 prozentige Reduzierung der CO2-Emissionen und ein möglichst kosten-optimaler Umbau des gesamten Energiesystems unter Einbeziehung aller Verbrauchssektoren inklusive dem Straßen- und Luftverkehr sowie der Schifffahrt. Die Freiburger Forscher stellen hierzu sechs verschiedene Szenarien auf.

Angenommen wird jeweils der Ausstieg aus der Kernkraft ab 2022 als auch der Ausstieg aus der Kohle bis spätestens zum Jahr 2050. Wenn die fossilen Preise gleich bleiben wie jetzt, und die CO2-Emissionen nicht zusätzlich bepreist werden, besteht bei einem entsprechenden Umbau ein zusätzlicher Investitionsbedarf von 35 Milliarden Euro jährlich. Die gesamten Mehrkosten gegenüber dem heutigen Energieversorgungssystem liegen bis zum Jahr 2050 bei 1.100 Milliarden Euro. Bei einer jährlichen Preissteigerung für fossile Energieträger in Höhe von zwei Prozent jährlich sowie einer ansteigenden Besteuerung der Tonne CO2 mit 100 Euro bis zum Jahr 2030, ist ein entsprechender Umbau um 600 Milliarden Euro günstiger als die Weiterführung des jetzigen Energiemixes

Insgesamt wächst die installierte Leistung von Er-neuerbaren Energien, vor allem Wind und Sonne, entsprechend dem Szenario auf 290 bis 540 Gigawatt bis 2050 an. Um die nötige Reservekapazität bereitzustellen, gehen die ISE-Forscher jedoch auch von einem steigenden Zubau von Gas- und Dampfkraftwerken (GuD) sowie von Blockheizkraftwerken (BHKW) aus, auf etwa 80 Gigawatt in 2050. Nah- und Fernwärmenetze, die zunehmend mit Solarthermie gespeist werden, haben mit gut 20 Prozent einen wachsenden Anteil an der Wärmeversorgung, unterstreicht Studienautor Prof. Hans-Martin Henning. Zentrale Bedeutung nehmen Wärmepumpen ein, sie kommen laut dem Szenario in 80 Prozent aller Heizungsanlagen zum Einsatz. Bei dem Szenario einer 85-prozentigen CO2-Reduzierung steigt die Stromerzeugung bis 2050 um 26 Prozent an, die Stromnutzung sogar um 42 Prozent. Gleichzeitig reduziert sich der Primärenergieeinsatz um 43 Prozent.

„Wir sind bei unseren Berechnungen eher konservativ vorgegangen und gehen von einer Weiterentwicklung der heute schon bekannten Technologien aus, nicht von revolutionären neuen Techniken“, unterstreicht der Leiter des ISE Prof. Eicke Weber. Nötig sei nach jetzigem Wissensstand eine Backup-Funktion für das erneuerbare System durch flexible Gaskraftwerke. Dies müsse dann allerdings entsprechend preislich vergütet werden, damit sich die Bereitstellung rechne.

Hans-Christoph Neidlein

 

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