Frankreich veröffentlicht Abgasuntersuchung

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Abgasuntersuchung in Frankreich
Abgasuntersuchung in Frankreich

In Frankreich wurde der Abschlussbericht einer unabhängigen Expertenkommission veröffentlicht, die im Zuge des Abgasskandals in Auftrag gegeben wurde. Das Ergebnis ist, vor allem aus deutscher Sicht, überraschend und auch die Reaktionen der Regierung bemerkenswert.

Zehn Monate lang hatte die Royal-Kommission unter Führung von Umweltministerin Ségolène Royal 86 Fahrzeugtypen eingehend geprüft. In dem nun vorgelegten Bericht kommt sie zu dem Schluss, dass „zum jetzigen Zeitpunkt“ und nicht mit Sicherheit auszuschließen ist, dass Hersteller Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung einsetzen, die gegen die Vorschriften verstoßen.

Überraschend ist der Vergleich mit den Untersuchungen des deutschen Verkehrsministeriums. Das hatte nicht nur bloß 53 Fahrzeuge in weniger als der Hälfte der Zeit geprüft, sondern war auch zu dem Schluss gekommen, dass einzig Typen des Konzerns Volkswagen betroffen seien.

Die französischen Ergebnisse weisen nun daraufhin, dass VW bei weitem nicht zu den größten Umweltsündern gehört. Fahrzeuge anderer Hersteller haben deutlich erhöhte Emissionen und blasen mehr giftige Stickstoffoxide in die Luft als die Wolfsburger.

Außerdem zeigten verschiedene Fahrzeugtypen auffällige Unterschiede, sobald die Messbedingungen geringfügig geändert wurden. So führte die Untersuchungskommission in einigen Testreihen recht unkonventionelle Änderungen durch, um die Prüfstandserkennung auszuhebeln und prompt veränderten sich die Ergebnisse extrem.

Beim Renault Talisman beispielsweise führte dies zu eklatanten Unterschieden in der Messung. Unter den veränderten Bedingungen erhöhte sich der Abgasausstoss bis auf das Vierfache, im realen Straßenverkehr (sogenannter RDE-Test) sogar auf das Zehnfache. Insgesamt nutzten sämtliche Hersteller Abschalteinrichtungen, die Abgastests im Labor deutlich harmloser ausfallen lassen, als bei tatsächlicher Nutzung auf der Straße. Dass Testergebnisse auf der Straße schlechter ausfallen als im Labor, ist nicht mehr neu. Die Experten aus Frankreich empfehlen nun allerdings den Modellen mit den stärksten Überschreitungen die Zulassung zu entziehen.

Bemerkenswert ist, dass Umweltministerin Royal sich sehr deutlich zu dem Ergebnis äußert. Sie scheut sich nicht die Autobauer auch öffentlich anzuprangern. Französischen Medien gegenüber äußerte sie sich: „Ich habe um diese Expertise gebeten und ich werde den Bericht konsequent bis zum Ende umsetzen!“

Überhaupt ist der veröffentlichte Untersuchungsbericht sehr umfassend, detailliert und übersichtlich wiedergegeben. Hier unterscheiden sich die Franzosen vom deutschen Verkehrsministerium. Verkehrsminister Dobrindt hielt sich mit Einzelheiten bis jetzt eher zurück. Auch war das Umweltministerium trotz ausdrücklichen Wunsches bei keiner Untersuchungsreihe involviert.

Quelle: http://www.developpement-durable.gouv.fr/IMG/pdf/Rapport_Commission_independante.pdf 

 

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