Fracking: Gift im Trinkwasser

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In den USA wurde eine giftige Chemikalie im Trinkwasser gefunden, die direkt mit Fracking in Verbindung stehen könnten.

Neuesten Untersuchungen zufolge wurden in mehreren Trinkwasserproben aus einer Stadt in Pennsylvania Rückstände einer gesundheitsschädlichen Chemikalie gefunden, die beim Fracking eingesetzt wird. Nun muss geklärt werden, wie die giftige Substanz letztendlich in die Wasserversorgung gelangen konnte. Die Studienautoren haben bereits einen Verdacht, den die Industrie jedoch abstreitet.

Während Fracking in Deutschland strengen Richtlinien unterliegt, und nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden darf, ist die Fördermethode in den USA seit Jahren an der Tagesordnung. Denn durch Fracking lassen sich Öl- und Gasvorkommen erschließen, die ansonsten nicht oder nur schwer ausgebeutet werden können. Im rohstoff – hungrigen Amerika ist das offenbar Rechtfertigung genug, um über die entstehenden Risiken hinwegzusehen. Seit Anfang des neuen Jahrtausends ist dort ein regelrechter Fracking-Boom entstanden.

Beim Hydraulic-Fracking oder einfach nur Fracking wird unter hohem Druck eine Flüssigkeit (Fracfluid) ins Gestein gepresst, das Gestein wird lockerer und die darin befindlichen fossilen Rohstoffe können wesentlich leichter und konstanter gefördert werden. Die Risiken sind jedoch enorm, warnen viele Umweltexperten. Bereits mehrfach stand Fracking unter dem Verdacht, Erdbeben auszulösen, da der Boden durch die Flüssigkeiten und den Druck instabil wird. Im März 2014 beispielsweise kam es im US-Bundesstaat Ohio zu einer Reihe von Erdbeben. In den darauffolgenden Untersuchungen konnte bewiesen werden, dass Fracking der Auslöser dieser Beben war. Auch in Oklahoma kam es bereits zu einem Fracking-Beben, das mit 5,7 auf der Richterskala das stärkste war, das je mit Fracking in Verbindung gebracht wurde.

Auch die Gefahr einer Trinkwasserverunreinigung durch die Bohrflüssigkeiten werden von Fracking-Gegnern oft angeführt. Bis zu zehn Millionen Liter der Frackfluide werden pro Bohrung in den Boden gepresst. Diese sind mit einer Vielzahl an Chemikalien versetzt. Eine Untersuchung des US-Kongresses ergab, dass zwischen 2005 und 2009 bei den Bohrungen insgesamt unglaubliche 43 Millionen Liter Additive verwendet wurden – viele dieser Substanzen sind laut der deutschen Gefahrstoffverordnung karzinogen, giftig oder anderweitig gesundheitsschädigend. Das solche giftigen Chemikalien jedoch in die Trinkwasserreserven gelangen können, streitet die Fracking-industrie seit Jahren vehement ab, denn die Bohrungen fänden weit unterhalb des Grundwasserspiegels statt, eine Kontamination sei somit ausgeschlossen.

Dennoch wurden in Untersuchungen immer wieder giftige Chemikalien im Grundwasser gefunden, die auch beim Fracking verwendet werden. Bei den Dreharbeiten zu dem Dokumentarfilm „Gasland“, mit dem die Wahrheit über die umstrittene Risikotechnologie ans Licht gebracht werden sollte, fanden die Macher des Films sogar Trinkwasser, dass so mit Methan kontaminiert war, dass man es mit dem Feuerzeug entzünden konnte. Alerdings zweifeln viele Experten daran, dass das Methan das gezeigte Wasser wirklich nur aufgrund von Fracking derart kontaminiert hat. Dennoch gehen in den USA bereits seit Jahren immer wieder Klagen von Einwohnern ein, die vermuten in Folge der Belastung ihres Trinkwassers mit giftigen Chemikalien krank geworden zu sein. Fracking-Unternehmen hatten sogar schon hohe Entschädigungen geboten, wenn Bürger dafür vertraglich zusicherten, künftig auf Klagen zu verzichten.

Um zu klären, ob Fracking wirklich das Wasser kontaminiert, untersuchten Umweltforscher 2012 die Trinkwasservorräte über zwei Fracking-Gebieten und in Texas. Beide Vorkommen liegen in mehr als 2000 Meter Tiefe, also weit unterhalb des Grundwassers. Dabei fanden sieim Wasser unter anderem Gas und andere Kohlenwasserstoffe. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Ursache nicht die Bohrungen an sich, sondern undichte Bohrlöcher sein könnten, durch die das geförderte Gas hunderte Meter nach oben strömen konnte und dann ins Grundwasser sickerte. „Die Unversehrtheit des Bohrlochs ist eine entscheidende, machbare und kosteneffektive Möglichkeit, Probleme mit Trinkwasserverunreinigung zu reduzieren und Sorgen der Öffentlichkeit in Zusammenhang mit Fracking zu mindern“, so das damalige Fazit der Forscher. Die Fracking-Industrie jedoch argumentierte, es gäbe keinen Beweis, dass die Kohlenwasserstoffe nicht auf natürliche Weise ins Trinkwasser gelangt seien.

Nun fanden Umweltforscher in drei Trinkwasserproben aus Bradford County, Pennsylvania, erneut eine Chemikalie, die beim Fracking eingesetzt wird, im Trinkwasser der Anwohner. Das berichtete gestern die New York Times. Die gefundene Chemikalie 2-Butoxyethanol oder kurz 2BE, findet sich auch in Farben und Kosmetika und steht im Verdacht krebserregend zu sein. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse jetzt im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

Eine der Studienautoren, Dr. Susan Brantley, sagte dazu: „Dies ist der erste veröffentlichte Fall überhaupt, der in einem privaten Brunnen gefundene organische Stoffe direkt mit Schiefergas- Fracking in Verbindung bringt und der die Umstände, wie die Chemikalie in den Brunnen gelangen konnte, von Anfang bis Ende nachvollziehbar macht“. Den Forschern zufolge sind auch in diesem Fall undichte Bohrlöcher die Ursache. Dr. Brantley erklärte, das Gestein in Nordpennsylvania sei sehr porös. Da die Bohrlöcher nur bis etwa 300 Meter Tiefe eine stabile Stahlverkleidung hätten, sei es wahrscheinlich, dass sie darunter sehr rissig seien. Diese Risse seien wie „Superautobahnen“, in denen in den Frackfluiden enthaltene Chemikalien und Gase nach oben gelangen könnten, und letztendlich so die Trinkwasservorräte kontaminiert hätten.

Katie Brown, eine Energieexpertin einer Juristenvertretung für die Independent Petroleum Associtaion of America, verkündete jedoch sofort, es gäbe keinen Beweis, dass die Chemikalie mit dem Fracking in der Region in Verbindung stehe, denn 2BE sei auch in vielen Haushaltsprodukten zu finden. Die Studieautoren hätten außerdem keinen Beweis, dass die dort verwendete Bohrflüssigkeit überhaupt 2 BE enthalten würde. Der Hauptautor der Studie, Garth T. Llewellyn, gab allerdings zu bedenken, als sein Team Proben von Brunnen genommen hätte, die etwas weiter von der Bohrstelle entfernt waren, sei die Chemikalie nicht gefunden worden. „ Wenn man alle Beweise betrachtet, ist unsere Erklärung einfach am wahrscheinlichsten“, sagte er abschließend.
 

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