Fleischkonsum Hauptgrund für Artensterben

,

Fleischkonsum verantwortlich für Artensterben
Fleischkonsum verantwortlich für Artensterben

Laut einer neuen US-Studie ist die steigende Nachfrage nach Fleisch der Hauptgrund für das weltweite Artensterben. So werde immer mehr Fläche für die Viehzucht benötigt – Lebensraum, der anderen Tierarten nicht mehr zur Verfügung steht und die infolgedessen aussterben. Dies werde sich in Zukunft noch verschlimmern, sagten die Studienautoren, da die Weltbevölkerung und damit auch der Hunger nach Fleisch weiter zunehmen werden.

Die Viehwirtschaft stand in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik: Die Millionen Rinder auf der ganzen Welt emittieren tausende Tonnen Methan und beschleunigen so den Klimawandel, warnten Klimatologen. Wälder müssten gerodet werden, um Platz für die Viehherden zu schaffen und immer kostbarer werdendes Wasser werde in rauen Mengen benötigt, um die Tiere zu versorgen, kritisierten Umweltschützer.

Nun wollen US-Forscher der Florida International University in Miami einen weiteren Grund gefunden haben, warum wir in Zukunft auf das Steak auf unserem Teller lieber verzichten sollten: Das weltweite Artensterben. Aktuelle Forschungen legen nahe, dass sich die Welt derzeit in einem großen Massensterben befindet – dem insgesamt sechsten seitdem es Leben auf der Erde gibt. Doch diesmal sind wir Menschen der Grund. Nach Ansicht der US-Forscher vor allem unser Fleischkonsum, der in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat.

Fleisch ist mittlerweile zur Massenware und in vielen Ländern zu einem der günstigsten Nahrungsmittel überhaupt geworden. Vorbei die Zeiten, in denen ein saftiger Braten höchstens an Feiertagen auf dem Speiseplan stand. Gerade in den Industrienationen ist Fleisch heute unser tägliches Brot. Das liegt vor allem an der Massentierhaltung, die die Tiere zu einer in rauen Mengen produzierten, vergleichsweise billigen Ware macht. Doch diese Entwicklung führt auch dazu, dass immer mehr Fläche benötigt wird, um die Tiere zu züchten. Fläche, die anderen Tieren als Lebensraum fehlt. Sie werden aus ihrer natürlichen Umgebung verdrängt und haben keinen Platz mehr zum Leben und zur Fortpflanzung. Die Folgen sind offensichtlich: Die Tiere sterben aus.

Die neue Studie, die die Forscher im Magazin „Science of the Total Environment“ veröffentlicht haben, kommt daher zu dem Ergebnis, die Auswirkungen der Fleischwirtschaft auf die weltweite Landnutzung seien „ sehr wahrscheinlich der Hauptgrund für das heutige Artensterben“. Die Studie ist für Wissenschaftler besonders interessant, da bisher nur wenige Daten über den Zusammenhang zwischen Viehwirtschaft und dem zunehmenden Verlust der Biodiversität existieren, sagte der Geophysiker Gidon Eshel, der nicht an der Studie beteiligt war gegenüber dem Magazin Science.

Eshel: „Jetzt können wir, ohne es zu weit herzuholen, sagen: Wenn du ein Steak isst, tötest du einen Lemuren in Madagaskar. Wenn du Hühnchen isst, tötest du einen Amazonaspapagei.“

Um zu verstehen, welchen Einfluss die Fleischwirtschaft auf die Artenvielfalt hat, markierten die Forscher um Brian Machovina, dem Hauptautor der Studie, Gebiete, in denen besonders viele Tierarten und Pflanzen heimisch sind – sogenannte Biodiversitäts-Hotspots. Dann markierten sie Gebiete, in denen die Viehzucht in Zukunft deutlich zunehmen wird und legten anhand von Vergleichsdaten der Welternährungsorganisation und früherer Studien über die Viehwirtschaft fest, wie viel Land im Zuge dieses Wachstums verloren gehen wird. Schließlich verglichen sie beide Gebiete miteinander.

Das Ergebnis: 15 der Gebiete, in denen in den kommenden Jahren mehr und mehr Viehzucht betrieben werden wird, liegen in Ländern, die zu sogenannten Megadiversity-Ländern erklärt wurden – also dort, wo über 70 Prozent der an Land lebenden Arten heimisch sind. Dazu gehören beispielsweise Südafrika, Madagaskar, China, Mexiko und Australien. Die Autoren schreiben, dass dort der Bedarf an Nutzungsfläche für die Viehwirtschaft um voraussichtlich 30-50 Prozent zunehmen wird. Das wären etwa drei Millionen Quadratkilometer Fläche, die in den kommenden Jahren gerodet und zum Zwecke der Fleischwirtschaft umgenutzt werden wird.

Diese Veränderungen der Landschaft werden deutlich negative Auswirkungen auf die Biodiversität haben, so Brian Machovina gegenüber Science. „Viele viele Arten werden für immer verloren gehen.“ Machovina und seine Kollegen empfehlen daher dringend, den Fleischkonsum zumindest einzuschränken. In der Studie heißt es, um das Artensterben abzuschwächen, sollte man nicht mehr als 10 Prozent seines täglichen Energiebedarfs mit Fleisch decken. Ein durchschnittlicher männlicher Erwachsener benötigt pro Tag rund 2500 Kalorien. 250 Kalorien – das wäre grob geschätzt ein Stück mageres Schweinefleisch von rund 80-100 Gramm am Tag. Zudem solle man am besten Schwein, Hühnchen oder Fisch essen, da dies die am wenigsten ressourcen-intensiven Optionen seien, schreiben die Studienautoren. Am besten sei es jedoch, ganz auf Fleisch zu verzichten. Bei der derzeitigen Entwicklung ist allerdings davon auszugehen, dass künftig eher deutlich mehr Fleisch verzehrt werden wird.

Die Welt befindet sich in einer Zeit eines großen Massensterbens. Tiere werden gejagt, verkauft und ausgestopft ins Wohnzimmer gehängt, die globale Erwärmung löscht Arten aus, die sich nicht schnell genug an die neuen Bedingungen anpassen können, extreme Wetterbedingungen erschweren vielen Tieren das Überleben und Rodungen von Wäldern berauben sie ihres Lebensraums. Doch, das zumindest behaupten die Studienautoren, die größten Auswirkungen auf das weltweite Artenreichtum habe unser Fleischkonsum, der „mehr Tierarten ausrotten wird als jeder andere dieser Faktoren.“

Quellen: Thinkprogress.org / Wikipedia 

 

Leave a Reply