Fischbestände durch neue Fangquoten weiterhin bedroht

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Auch die neuen Fangquoten schützen die bedrohten Fischbestände nicht ausreichend.
Auch die neuen Fangquoten schützen die bedrohten Fischbestände nicht ausreichend.

2014 verpflichteten sich alle EU-Mitgliedsstaaten rechtlich dazu, Überfischung in den europäischen Gewässern bis 2015 oder schrittweise bis spätestens 2020 zu beenden. Anfang dieser Woche versammelte sich nun der EU-Fischereirat, um über die Fangquoten im kommenden Jahr zu verhandeln. Doch über das Ergebnis gibt es Uneinigkeit. So bezeichnet Bundesfischereiminister Christian Schmidt das Ergebnis dieser Verhandlungen als „tragbaren Kompromiss“. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und Our Fish sehen das Ergebnis dagegen als „hinwegsetzen über moralische, rechtliche und wissenschaftliche Vorgaben.“

Als Hilfestellung dienten dem Fischereirat bei seinen Verhandlungen Empfehlungen von Wissenschaftlern und der EU-Kommission. Diese empfehlen den Fangstopp des Europäischen Aals (Wissenschaftler) beziehungsweise ein Verbot der Fischerei von erwachsenen Aalen (EU-Kommission). Hintergrund ist hier die Tatsache, dass nur noch fünf Prozent des ursprünglichen Bestandes existieren. Stattdessen beschloss der Fischereirat anstelle eines pauschalen Fangverbots in der Ostsee, zu einem späteren Zeitpunkt über die Fangquote in allen EU-Meeresgebieten zu diskutieren. Und auch bei Dorsch, Hering und Scholle setzten die Minister die Fangquoten um weit weniger herab, als empfohlen.

Neue Fangquoten als tragbaren Kompromiss

Bundesfischereiminister Christian Schmidt sieht es als einen Erfolg, Forderungen nach weitreichenden Kürzungen der Fangquoten abwenden zu können. Er weist darauf hin, dass bei aller nachhaltigen Bewirtschaftung der Fischereibestände die Existenzsicherung der Fischerei nicht aus den Augen verloren gehen sollte, da solche Kürzungen für diese sehr schmerzlich seien. Allerdings betont er auch, dass gute Bestände die wirtschaftlichen Perspektiven der Ostseefischerei langfristig sichern. Aus diesem Grund wird das Ministerium ihre finanzielle Unterstützung für Fischer auch weiterhin fortsetzten. So sieht er in diesem Kompromiss einen Beitrag zur weiteren Erholung der Bestände und zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Ostsee.

Oder doch ein Hinwegsetzen über Vorgaben?

Sascha Müller-Krämer, Bundesgeschäftsführer der DUH kritisiert das Handeln von Bundesfischereiminister Schmidt. Man hätte erwartet, dass sich dieser vier Jahre nach der Fischereireform im Sinne des Gesetzes verstärkt um die Probleme der Überfischung bemüht. Außerdem würde mit den jetzigen Ergebnissen das Problem mit dem Beifang weiterhin bestehen bleiben. Rebecca Hubbard, Direktorin des Our Fish-Programms erkennt kleine Schritte bei der Eindämmung der Fangquoten an. Jedoch würde das Ziel der Sicherstellung einer nachhaltigen Bewirtschaftung aller EU-Fischbestände, angesichts der Marathonverhandlungen nicht ehrgeizig verfolgt werden. Weiter fordert sie die Minister für die Zukunft auf, im Interesse der Bürger zu handeln und nicht dem großer Industrieunternehmen.

Der EU-Fischereirat weißt unterdessen darauf hin, dass die zulässigen Gesamtfangmengen inzwischen für 53 Fischbestände im Einklang mit wissenschaftlichen Gutachten für nachhaltige Fangquoten gegenüber 44 im Jahr 2017 liegen. Diese Zahl wird von der DUH und Our Fish allerdings weiterhin kritisiert. Laut ihnen wird weiterhin für zu wenige Bestände der größtmögliche Dauerertrag als Nachhaltigkeitsmaßstab respektiert.

Quellen: BMEL, DUH, Our Fish