EU vertagt Neuzulassung des Pflanzengifts Glyphosat

,

Umweltpolitik - Glyphosat
Umweltpolitik - Glyphosat

Laut Insiderinformationen wird die Entscheidung, ob das potenziell krebserregende Unkrautvernichtungsmittel Gly-phosat erneut zugelassen wird, von der EU-Kommission vertagt. Der Grund dafür ist offenbar unerwarteter Widerstand einiger EU-Länder. Auch Deutschland wolle sich bei der bevorstehenden Abstimmung enthalten, teilten EU-Diplomaten mit. Glyphosat war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, weil Spuren davon in den beliebtesten deutschen Biersorten gefunden worden waren.

Glyphosat in den deutschen Bieren – diese Schlagzeile sorgte Ende Februar für viele Aufreger und hitzige Debatten. Das Umweltinstitut München hatte in den meistgekauften deutschen Biersorten das Herbizid nachgewiesen. Teilweise überstiegen die gefundenen Mengen den in Deutschland zulässigen Grenzwert um das dreihundertfache.

Doch trotz dieser Zahl gaben öffentliche Institutionen wie das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) überraschend schnell Entwarnung. Diese Konzentrationen seien noch immer so gering, dass ein Erwachsener „schon etwa 1000 Liter am Tag trinken müsste, um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen“, so das BfR.

Außerdem sei Glyphosat nicht so giftig, wie von dessen Gegnern behauptet werde. Es sei „nicht frucht- oder entwicklungsschädigend“ beim Menschen. Auch eine krebserregende Wirkung sei „bei bestimmungsgemäßer Anwendung“ nicht zu erwarten. Das bestätigte zuletzt auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hingegen stufte das Pflanzengift letztes Jahr als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Zudem glaubt die Organisation, dass Glyphosat DNA- und Chromosomenschäden verursachen kann. Die WHO empfiehlt daher ein Verbot des Herbizids.

Auch Umweltschutzorganisationen fordern, das Mittel dürfe nicht mehr verwendet werden. Sie verweisen neben der Gesundheitsgefahr auf die Umweltschäden des Giftes. Das Umweltbundesamt bescheinigte Glyphosat „gravierende Folgen für die biologische Vielfalt“.

Momentan berät die EU-Kommission über die erneute Zulassung des Pflanzengiftes. Die EU wollte Glyphosat eigentlich für weitere 15 Jahre durchwinken. Laut Insiderinformationen könnte sich das allerdings verschieben. Offenbar herrscht Uneinigkeit bei den laufenden Beratungen.

Frankreich hat laut der anwesenden Diplomaten Widerstand gegen die Neuzulassung angekündigt. Auch Schweden, Italien und die Niederlande stimmten am Montag gegen das Gift. Deutschland habe sich bei der Abstimmung enthalten. Für die weitere Genehmigung ist jedoch eine klare Mehrheit nötig.

Warum Deutschland einen plötzlichen Kurswechsel fährt ist bislang nicht bekannt. Eigentlich hatten sich die Abgeordneten im Bundestag trotz der zeitgleich veröffentlichen Ergebnisse des „Glyphosat-Bieres“ mit klarer Mehrheit für die Neuzulassung des Herbizids ausgesprochen. Nun scheinen doch Zweifel aufzukommen. Medienberichten zufolge erwägt die Bundesregierung, ob es für Glyphosat künftig zumindest im privaten Bereich Einschränkungen geben soll.

Heute will die EU-Kommission erneut abstimmen. Dass eine Entscheidung fällt ist allerdings unwahrscheinlich. Laut EU-Diplomaten waren gestern nur 12 von 28 Mitgliedsstaaten bereit mit „Ja“ zu stimmen. Zwei Länder hätten sich enthalten. Die Neuzulassung des umstrittenen Pflanzengiftes scheint damit überraschend auf der Kippe zu stehen. Bis spätestens Ende Juni muss eine endgültige Entscheidung  fallen. Dann läuft die Zulassung aus. 

Quelle: Reuters / t-online

 

Leave a Reply