EU-Importe Schuld an Abholzung des Regenwaldes

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Abholzung Regenwald
Alle zwei Minuten wird Regenwald von der Größe eines Fußballfelds abgeholzt.

Laut der vergangenen Dienstag veröffentlichten Studie „Stolen Goods – The EU’s complicity in illegal tropical deforestation“ der Brüsseler Umweltorganisation „Fern“, sind die Importe verschiedener Güter in die EU ein Hauptgrund für die illegale Abholzung des Regenwaldes – vor allem in Brasilien und Indonesien.

Allein im Jahr 2012 wurden demnach Waren im Wert von rund sechs Milliarden Euro in die EU importiert, die auf illegal abgeholzten Flächen produziert wurden. Für die Erzeugung dieser Waren wurde seit Beginn des neuen Jahrtausends alle zwei Minuten Regenwald von der Größe eines Fußballfeldes unerlaubt gerodet.

Der britische Umweltschützer Sam Lawson, Autor der Studie, schreibt, Soja, Rindfleisch, Palmöl und Leder seien die vier EU- Importgüter, für dessen Produktion die Wälder illegal abgeholzt würden. Insgesamt kämen Waren, die auf illegal gerodetem Waldgebiet erzeugt wurden, im Wert zwischen 3.8 Milliarden Euro und 7.9 Milliarden Euro in den europäischen Handel. Das entspreche einem Durchschnittswert von mehr als 10 Euro pro EU-Bürger. Insgesamt seien fast ein Viertel aller auf illegal abgeholzten Regenwald erzeugten Waren für die EU bestimmt.

Deutschland gehört der Studie zufolge mit Warenimporten im Wert von 800 Millionen Euro im Jahr zu den Hauptzielländern in Europa. Vor allem Soja und Palmöl zählen hierzulande zu den größten Importgütern. Die Niederlande ist verantwortlich für etwa ein Drittel der betreffenden Warenimporte. Allerdings werden dort fast alle dieser Waren nur abgefertigt und gehen dann weiter in andere EU- Länder. Neben Deutschland und den Niederlanden zählen Großbritannien, Frankreich und Italien zu den größten Abnehmern der Waren.

Mehr als die Hälfte der in die EU importierten betreffenden landwirtschaftlichen Güter werden laut Lawson auf illegal gerodeten Waldgebieten produziert. Soja und Soja-Produkte machen dabei fast die Hälfte der Waren aus, ein Drittel fällt auf Palmöl und fast ein Fünftel sind tierische Produkte aus der Rinderzucht.

Besonders betroffen von der illegalen Rodung zur Erzeugung von EU-Waren sind dabei Brasilien und Indonesien. Mit einigem Abstand kommen Paraguay, Malaysia, Argentinien und Uruguay. Der Autor geht davon aus, dass künftig auch andere Länder immer mehr Waren auf die gleiche Weise erzeugen und nach Europa exportieren werden.

Lawson ist der Meinung, die EU habe die Verpflichtung, die Abholzung des Regenwaldes einzudämmen. Doch dafür müsse sie entschiedener vorgehen und als erstes aufhören, durch die Warenimporte einen großen Teil dazu beizutragen. Der schnellste und effektivste Weg um die Abholzung zu stoppen sei, keine Waren mehr aus den betreffenden Gebieten  zu importieren. „Diese Importe untergraben die Anstrengungen der Länder, die Güter erzeugen, die nicht auf illegal abgeholztem Gebiet produziert wurden, und die diese Rodungen durch Regulierungen und Gesetze verhindern wollen“, erklärt Lawson.

Es gibt seit Jahrzehnten Vorschriften für Holzimporte aus tropischen Gebieten, wonach Holz aus illegalen Rodungen nicht in die EU eingeführt werden darf. Aus diesen Bemühungen könne die EU lernen, so Lawson. Denn Studien belegen, dass diese Vorschriften in einigen Ländern zu einer Verringerung der unerlaubten Rodungen geführt haben. Auch wurde seitdem weniger illegal gefälltes Holz in die EU eingeführt. Auf den Erfolg dieses bereits existierenden Aktionsplans müsse die EU aufbauen und den Plan erweitern. Das Vorhaben, die illegale Abholzung zur Erzeugung von Exportgütern zu stoppen, sei eine der größten und wichtigsten Herausforderungen der heutigen Zeit.

 

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