EU erlaubt Einfuhr von Löwentrophäen – Massiver Protest

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EU erlaubt Einfuhr von Löwentrophäen
EU erlaubt Einfuhr von Löwentrophäen

Afrikas Löwen verschwinden: Laut der Roten Liste bedrohter Tierarten der Weltnaturschutzunion ist der Bestand des „Königs der Tiere“ seit 1993 um 42 Prozent eingebrochen. Das Verbreitungsgebiet der Löwen schrumpfte auf weniger als 20 Prozent. Auch Löwen in Tansania sind massiv betroffen. In mindestens zwölf, vielleicht sogar 16 afrikanischen Ländern sind Löwen bereits ausgestorben. Als Hauptursache gelten Le-bensraumverlust und Konflikte mit Viehbesitzern. Wissen-schaftler machen auch die Großwildjagd mitverantwortlich für den Niedergang der Löwenbestände. Jetzt hat die EU der Ein-fuhr von Löwentrophäen aus Tansania trotz massiver Bestands-rückgänge grünes Licht gegeben. Dagegen protestieren jetzt zahlreiche Natur- und Tierschutzorganisationen.

Die EU hat am 15. September 2015 erneut grünes Licht für die Einfuhr von Löwentrophäen aus Mosambik, Sambia und Tansania nach Europa gegeben. Jeder, der einen Jagdschein besitzt, kann sich in den Flieger setzen, nach Tansania reisen und dort einen Löwen töten. Der wird dann ausgestopft, als ‚Dekoration‘ oder ‚Haushaltsware‘ deklariert und mit nach Hause gebracht – auch nach Deutschland. Bis auf Australien hat kein einziges Land der Welt ein Import-Verbot für die majestätischen Tiere ausgesprochen. Umwelt- und Tierschutzorganisation kritisieren die Entscheidung der EU-Kommission aufs Schärfste. Sie fordern ein generelles Importverbot der Löwentrophäen.

„Trotz des gravierenden Rückgangs von Tansanias Löwenpopulation erteilt die EU grünes Licht für die Einfuhr von Jagdtrophäen der schrumpfenden Bestände und treibt damit die Ausrottung der Löwen voran“, kritisiert Daniela Freyer von Pro Wildlife. Thomas Tennhardt, Vorsitzender der NABU International Naturschutzstiftung, ergänzt: „In Tansania herrschen Korruption, Intransparenz und Missmanagement. Die EU-Entscheidung ist inkonsequent, unverantwortlich und steht im klaren Widerspruch zu den EU-Vorschriften für Nachhaltigkeit.“ NABU International und Pro Wildlife fordern daher, sie umgehend zu revidieren.

Die illegale Jagd auf den Löwen Cecil in Simbabwe im Sommer dieses Jahres hat auf der ganzen Welt eine Welle des Protests ausgelöst. Jedoch werden weiterhin jedes Jahr von der Öffentlichkeit unbemerkt Hunderte Löwen von Jägern legal getötet. Tansania ist eine der letzten Hochburgen für Löwen – gleichzeitig ist das Land ein Hauptreiseziel für Löwenjäger. Studien zeigen, welche negativen Auswirkungen die Großwildjagd dort in den letzten 30 Jahren hatte. Und obwohl die Tiere bedroht sind, können Jäger die Trophäen auch in die EU importieren, sofern die EU-Behörden dies genehmigen. Neben der USA ist die EU Hauptabsatzmarkt für Löwentrophäen.

Auch der amerikanische Löwenforscher Professor Craig Packer, der zusammen mit dem NABU International in Tansania an einem Löwenschutzprojekt arbeitet, betonte in einem Brief an die EU-Behörden die starke Abnahme der tansanischen Löwenpopulationen und fordert deshalb ebenfalls ein umgehendes Einfuhrverbot tansanischer Jagdtrophäen.

Jäger haben es insbesondere auf erwachsene männliche Tiere im besten Fortpflanzungsalter abgesehen. Sie schießen die für den Erhalt der Population wichtigsten Tiere und betreiben eine unnatürliche Selektion, die fatale Folgewirkungen für den Bestand hat: Wenn der Anführer eines Rudels getötet wird, übernimmt ein neues Männchen das Rudel und tötet den Nachwuchs seines Vorgängers, um seine eigenen Fortpflanzungschancen zu erhöhen.

Jagdbefürworter rechtfertigen die Jagd als wichtigen Devisenbringer, der einen Beitrag zum Schutz bedrohter Arten leiste. Verschiedene Studien widerlegen dies aller-dings. In Tansania kritisieren Verbände zudem seit Jahren, dass die Landbevölkerung kaum an den Jagderlösen beteiligt wird und dass gerade in Jagd und Naturschutz massive Korruption herrscht.

Und nicht nur die Löwenbestände gehen dort massiv zurück. Im Mai 2015 wurde bekannt, dass Tansanias Elefantenbestände in fünf Jahren um 60 Prozent zurückgegangen waren. Tansanias Regierung hatte die Bestandszählungen zuvor monatelang zurückgehalten.

Quelle: Pro Wildlife 

 

One Response

  1. Ralf

    18. September 2015 13:16

    Menschen, die Tiere töten, nur um sich dabei gut zu fühlen, verhalten sich psychopathisch, da es ihnen an Empathie gegenüber anderen Lebenwesen fehlt. Menschen, die damit Geld verdienen, sind ein ebenso großes Übel, da sie das krankhafte Treiben ermöglichen.

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