Erste Straßenlaterne versorgt sich nur mit Windkraft

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Windenergie und Straßenlaterne
Windenergie und Straßenlaterne

Im Norden Deutschlands boomt seit Jahren die Windkraft. Kein Wunder – Wind gibt es dort mehr als genug. Ein Erfinder aus Schleswig-Holstein hat sich das zunutze gemacht und eine völlig autonome Straßenlaterne entwickelt, die mit Windenergie funktioniert. Die ersten Laterne steht für Testzwecke auf der Nordseeinsel Juist.

Erfunden hat die innovativen Straßenlaternen Lichtdesigner Peer Langemak aus Wahlstedt im Kreis Segeberg. Der 47-jährige ist Inhaber des Startup-Unternehmens „noordforce“. Dort hat er mehr als 15 Monate an seiner Idee gearbeitet. Das Ergebnis ist die laut Langemak „wohl erste, völlig unabhängig arbeitende Beleuchtungsanlage auf Windenergiebasis“ Europas. Seine Erfindung trägt den Namen „Proceed I“.

Proceed I versorgt sich mittels eines sogenannten Savoniusrotors mit Energie. Anders als konventionelle Windräder dreht sich dieser besondere Rotor unabhängig von der Windrichtung. Zudem arbeitet er laut noordforce völlig lautlos. Die Windenergie wird dann in vier Akkus mit einer Kapazität von insgesamt 60Ah gespeichert. Das garantiert, dass die Laterne voll aufgeladen für die nächsten zehn Tage funktionsfähig bleibt – selbst wenn kein Wind weht. „Und zehn Tage Flaute sind im Norden ja ohnehin unwahrscheinlich“, sagt Langemak.

Der 90 Zentimeter hohe Savonius-Rotor läd die Akkus bereits ab einer Windgeschwindigkeit von nur drei Metern in der Sekunde. Auch mit zu starkem Wind kommt die Laterne zurecht. Sobald sich der Rotor zu schnell dreht, bremst ihn das System automatisch ab. Für die Beleuchtung sorgen LED-Lampen an der Spitze des sechs Meter hohen Masts. Mit einer Leistung von 14 Watt erzeugen sie genug Licht, um kleinere Flächen optimal zu erhellen.

Die Idee zu seiner Windkraft-Laterne kam dem Erfinder, nachdem in der Planungsabteilung seines Unternehmens immer wieder Anfragen nach Lösungen zur autarken Beleuchtung von Inseln eingingen. Bisher existierten für diesen Zweck nur Solarmasten. In Norddeutschland gebe es gerade in der Jahreszeit, in der am meisten beleuchtet werden müsse, zu wenig Sonne, so Langemak. „Relativ schnell wurde klar, dass Sonne nicht die Lösung ist. Die Lösung ist…Wind!“ schreibt der 47-jährige.

Langemak glaubt, dass die Windlaterne vor allem in ländlichen Regionen ein Erfolg werden kann. In einigen abgelegenen Kommunen oder Inseln in Norddeutschland sind viele kleinere Wege und Anlagen nicht beleuchtet. Der Grund sind die Kosten, die beim Bau konventioneller Straßenlampen entstehen. „Aber auch dort wird manchmal ein Licht gebraucht, nur nicht so viel, dass es lohnt, dafür die ganze Straße aufzugraben,“ so Langemak.

Er will seine Laterne für etwa 4.000 Euro pro Stück anbieten. Das sei deutlich günstiger als der Bau herkömmlicher Lampen. Noch ist seine Entwicklung allerdings nicht erhältlich. Der erste Prototyp steht derzeit auf der Nordseeinsel Juist in der Kronsheider Straße 41 in 23812 Wahlstedt. Die Schaltzeiten liegen zwischen 18 und 22 Uhr am Abend sowie zwischen 2 und 4 Uhr in der Nacht.

Quelle: noordforce /  Die Welt

 

One Response

  1. Reiner Retkowski

    7. April 2016 12:10

    Es ist schön, das jetzt sogar Europa erwacht. Ich habe erst neulich 8 Jahre alte Kataloge asistische Hersteller aussortiert, in denen solche Lampen sogar noch mit zusätzlichem Solar Panel bereits serienmässig angeboten worden sind.

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