Erneuter Angriff von Coca-Cola auf unser Mehrwegsystem

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freiwillige Absichtserklärung
freiwillige Absichtserklärung

Seit 25 Jahren existiert eine Mehrwegschutzquote in der Verpackungsverordnung. Doch nun ist ein Dokument geleakt worden, welches die europäische Unternehmenspolitik von Coca-Cola preisgibt. Laut diesem Plan, möchte der Konzern gezielt das Mehrwegsystem, bessere Umweltstandards, die Anhebung von Recyclingquoten und die Erhöhung der Sammelmengen von Einwegflaschen und Getränkedosen verhindern. Besonders betroffen ist davon Deutschland, denn hierzulande haben wir das weltweit größte Mehrwegsystem.

Es ist nicht der erste Angriff des Konzerns auf unser Rückgabesystem. Bereits seit den 80er Jahren kämpft Coca-Cola gezielt dagegen an, indem sie bereits 1988 ankündigten, die 1 Liter Mehrwegflasche aus ihrem Sortiment zu nehmen. Umweltminister Klaus Töpfer konterte damals mit einer Pfandverordnung namens „Lex Coca-Cola“, was den Konzern dazu brachte, die 1,5 Liter PET-Mehrwegflasche einzuführen. 1991 wurde der Verpackungsordnung schließlich die Mehrwegschutzquote hinzugefügt, welche bis heute besteht. Obwohl Coca-Cola seitdem immer weiter versucht hat dagegen anzukommen, haben alle folgenden Umweltminister den Mehrwegschutz klar und erfolgreich verteidigt.

Nun sieht es so aus, als könnte der Konzern – pünktlich zum 25-jährigen Jubiläum der Schutzquote – Erfolg mit ihrem Vorhaben haben. Denn Umweltministerin Hendricks möchte diesen Schutz gegenwärtig beenden. Sie setzt sich stattdessen für „freiwillige Absichtserklärungen“ ein. Dies hätte zur Folge, dass Kennzeichnung und zusätzliche Wertstofferfassung nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben wären und Recyclingquoten zur Profitsteigerung gesenkt würden. Die damit einhergehende Absenkung von Standards hätte nebenbei den Verlust von unzähligen grünen Arbeitsplätzen zur Folge. Der Coca-Colas Mehrwegausstieg im letzten Jahr, als vom Konzern sowohl die 0,5 Liter als auch die 1,5 Liter Mehrwegflaschen durch Einwegflaschen ersetzt wurden, forderte in den letzten 19 Monaten bereits über 850 solcher grünen Jobs an 16 Standorten.

Der Konzern selbst argumentiert diese Strategie u. a. mit demografischen Gründen. Da es immer mehr Single-Haushalte gibt, wurden immer weniger Mehrwegkisten mit 1,5 Liter Flaschen verkauft. Das Problem, auf das sich Coca-Cola beruft, besteht nun darin, dass diese Flaschen in eben solchen Kisten an die Händler ausgeliefert werden. Der Konsument kauft die Flaschen heutzutage eher einzeln als im Kasten. Zurückgegeben werden diese anschließend oft an anderer Stelle. Für Coca-Cola bedeutet dies, dass jede vierte Kiste, die vom Konzern beim Händler abgeholt wurde, leer war und andere Stellen stattdessen mit leeren Kisten für den Überschuss an leeren Flaschen versorgt werden mussten, was zu vielen Kilometern extra Fahrtstecke führten.

Die Argumentation vom Coca-Cola wirkt ein bisschen dünn, da es für einen effektiv arbeitenden Konzern wie diesen logistisch sicher möglich ist, solch zusätzlichen Kilometer durch vorausschauende Verteilung leerer Kisten im Voraus, zusammen mit der eigentlichen Lieferung, zu umgehen. Sollte Hendricks nun aber wirklich zu einer „freiwilligen Absichtserklärung“ zurückkommen, spielt die stärke einer solchen Argumentation sowieso keine Rolle mehr, denn dann kann Coca-Cola Mehrwegflaschen gegen Einwegflaschen austauschen, wie es dem Konzern beliebt.

Quelle: DUHWelt 

 

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