Erneuerbare im Verkehrssektor europaweit chancenlos

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Energiewende im Verkehr
Energiewende im Verkehr

Die Erneuerbaren Energien spielen im Verkehrssektor weiter kaum eine Rolle. So erreichte deren Anteil im Mobilitätsbereich europaweit 2014 nicht einmal sechs Prozent. An der Technologie liegt das nicht. Die wäre eigentlich ausreichend verfügbar. Nur will bisher kaum jemand Biokraftstoffe, Elektrofahrzeuge und Co. nutzen. Der Verkehr ist nach wie vor fest in den Händen der Erdölindustrie. Für den Klimaschutz sind das schlechte Nachrichten.

Bis 2020 hat sich die EU das Ziel gesetzt, den Anteil Erneuerbarer Energien am Brutto-Endenergieverbrauch auf 20 Prozent zu erhöhen, und ist auf gutem Wege dieses Ziel zu erreichen. Wesentlich schlechter sieht es dagegen beim Ziel aus, den Anteil der Erneuerbaren im Verkehrssektor bis 2020 auf zehn Prozent zu erhöhen. Im Verkehrssektor fehle der Energiewende in Europa das Tempo, obwohl auf ihn rund 30 Prozent des Energiebedarfs entfallen, schreibt die Agentur für Erneuerbare Energien. Nicht einmal sechs Prozent erreichte der Anteil der Erneuerbaren Energien demnach hier im Jahr 2014, wie das Statistikamt der Europäischen Union “Eurostat” Mitte Februar mitteilte.

Der reale, am Energiegehalt gemessene Anteil fällt sogar noch geringer aus, denn für das Zehn-Prozent-Erneuerbaren-Ziel im Jahr 2020 dürfen unter anderem Biokraftstoffe aus Abfällen doppelt angerechnet werden. Für im Transportbereich eingesetzten Strom aus Erneuerbaren Energien gibt es ebenfalls einen Quoten-Bonus. „Zwar ist der Anteil der Erneuerbaren im Verkehrssektor in den vergangenen Jahren ausgehend von niedrigem Niveau stetig gestiegen. Beim aktuellen Ausbautempo werden wir jedoch selbst das bescheidene Zehn-Prozent-Ziel verfehlen,“ glaubt AEE-Geschäftsführer Philipp Vohrer.

Für den Klimaschutz ist das eine düstere Vorhersage. Das International Council on Clean Transportation (ICCT) warnte unlängst vor einem Anstieg der weltweiten transportbedingten Klimagasemissionen um rund zwei Drittel auf etwa 15 Milliarden Tonnen bis 2030. Auch in Deutschland sieht es beim Klimaschutz im Verkehrsbereich schlecht aus. Während hier die Stromerzeugung mit Erneuerbaren gute Fortschritte macht, und die Treibhausgasemissionen 2014 erstmals deutlich sanken, werden im Verkehrsbereich immer mehr klimaschädliche Gase freigesetzt. Rund 161 Millionen Tonnen allein im Jahr 2014 – 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Verglichen mit dem Jahr 1990 wurden sogar 13 Prozent mehr Treibhausgase ausgestoßen. (CEP berichtete).

Dass Klimaschutz und Mobilität nach wie vor unvereinbar sind, liege aber nicht an fehlenden klimaschonenden Technologien, schreibt die AEE. Im Gegenteil: Es stehen heute ausreichend Biokraftstoffe, Hybrid- und Elektro-fahrzeuge zur Verfügung, mit denen sich die Emissionen deutlich verringern ließen. Doch nutzen will diese Alternativen bisher kaum jemand. Die Erdölindustrie dominiert den Verkehr nach wie vor. Dabei wäre laut AEE genug Potenzial vorhanden, um das Zehn-Prozent-Ziel der EU allein mit Biokraftstoffen zu erreichen.

Auch die Elektromobilität hätte für den Klimaschutz enormen Nutzen – wenn die Menschen sie nutzen würden. Doch europaweit wurden 2015 nur rund 146.000 rein elektrisch betriebenen Pkw neu zugelassenen. Nach Angaben des Automobilverbandes Acea gerade einmal ein Marktanteil von rund einem Prozent. Dass es auch anders geht, zeigen unsere niederländischen Nachbarn. Dort wurden mehr als 43.000 E-Autos neu zugelassen. Sie brachten es damit, begleitet von Steuererleichterungen für die Stromer, auf einen Marktanteil von zehn Prozent.

„Auch in Zeiten niedriger Ölpreise müssen wir das Wachstum der Erneuerbaren im Verkehrssektor vorantreiben. Einzelne Staaten zeigen vorbildlich, wie das möglich ist“, betont Vohrer. In vielen Staaten, so auch in Deutschland, werden die umweltfreundlichen Antriebe derzeit allerdings von Spritfressern in den Schatten gestellt. In Deutschland stiegen die Neuzulassungen der besonders durstigen sogenannten Sports Utility Vehicles (SUV) im Januar 2016 gegenüber dem Vorjahresmonat um ganze 22 Prozent. Auf europäischer Ebene wird im SUV-Sektor bis 2018 laut einer Analyse von pwc Autofacts ein Zuwachs von 37 Prozent vorausgesagt. „Die niedrigen Ölpreise setzen hier völlig falsche Anreize“, kritisiert Vohrer.

Quelle: AEE

 

One Response

  1. Kai Hofmann

    24. Februar 2016 6:27

    Knackepunkt sind doch immer noch die Akkus, ausserdem gibt es keine akzeptablen Fahrzeuge – ich definiere meins mal wie folgt: Opel Kadet E 5-Türer voll beladen(!) mit einer Reichweite von 400km. Am besten noch anhängertauglich. Preis maximal 20.000€

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