Energiewende-Ziele immer unrealistischer

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Energiewende-Index
Energiewende-Index

Der halbjährlich erscheinende Energiewende-Index des Beratungsbüros McKinsey misst alle sechs Monate den Erfolg der Energiewende. Diesmal gibt es leider nur wenig Positives zu berichten. Dem Index zufolge haben sich zehn der 15 untersuchten Kriterien im letzten halben Jahr verschlechtert. Viele zentrale Energiewende-Ziele der Bundesregierung für 2020 seien mittlerweile unrealistisch, so die Prognose der McKinsey-Autoren.

Für ihre alle sechs Monate erscheinende Studie untersucht das Beratungsbüro den Stand der Energiewende anhand der „drei Dimensionen des energiewirtschaftlichen Dreiecks“. Dazu gehören Klima- und Umweltschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit. Jeder dieser drei Punkte wird anhand von fünf Indikatoren analysiert. So erstellen die Autoren eine Prognose, wie es um das Erreichen der Energiewende-Ziele der Bundesregierung für 2020 bestellt ist.

Vor einem Jahr im März waren laut McKinsey sieben der Ziele für 2020 auf dem besten Weg erreicht zu werden, darunter der Ausbau der Erneuerbaren Energien (Ökostromanteil von 35 Prozent) und die Verringerung des Stromverbrauchs um zehn Prozent. Schon damals nannten die Autoren jedoch das größte Ziel der Bundesregierung – die Verringerung der CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent (gegenüber 1990) – zunehmend unrealistisch.

Klimaschutzziel 2020 „in immer weiterer Ferne“

Daran hat sich auch bis jetzt nichts geändert. Das Beratungsbüro schreibt: „Die Emissionen haben sich auf 925 Millionen Tonnen erhöht und rücken das für 2020 angepeilte Ziel von 750 Mt in immer weitere Ferne“. Eine Ursache sei die nach wie vor starke Stromerzeugung aus Kohle. Die Zielerreichung des Indikators liege jetzt bei 42 Prozent und bleibe somit weiterhin „unrealistisch“. Auch die Einführung der Braunkohlereserve werde daran nichts ändern können, glauben die Autoren.

Auch beim Ziel, den Stromverbrauch um zehn Prozent zu verringern, ist Deutschland nicht länger auf Zielkurs. Noch vor einem Jahr nannte McKinsey das Ziel erstmals realistisch. Damals war der Stromverbrauch gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent gesunken. Doch 2015 hat sich der Verbrauch deutlich erhöht. Der Grund seien die kälteren Wintermonate und die Hitzewellen im Sommer gewesen. Damit sinke auch dieser Indikator deutlich: Von 118 Prozent auf 50 Prozent. McKinsey stuft diese Ziel damit ebenfalls als „unrealistisch“ ein.

Kostenentwicklung eines der größten Probleme

Seit der letzten Veröffentlichung des Energiewende-Index haben sich zehn der 15 untersuchten Kriterien verschlechtert, resümieren die Mc-Kinsey Gutachter. Insgesamt seien aktuell sieben der 15 Ziele der Bundesregierung „unrealistisch“. Diese Entwicklung sei als kritisch zu betrachten, schreiben die Autoren. Neben den schlechten Aussichten beim Klimaschutzziel sei die derzeitige Kostenentwicklung eines der größten Probleme der Energiewende.

Die EEG-Umlage ist aktuell auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Von der ehemaligen Ankündigung Merkels, die Umlage werde 2011 auf 3,5 Cent pro Kilowattstunde fixiert, sei heute „keine Rede mehr“. Auch die Kosten für die Eingriffe ins Stromnetz nähmen immer mehr zu. Allein im ersten Halbjahr 2015 sind die Ausgaben auf eine Viertelmilliarde Euro angewachsen – gegenüber 187 Mio. Euro im gesamten Jahr davor. „Immer häufiger müssen Kraftwerke hoch- und wieder heruntergefahren werden, um die regionale Netzstabilität zu gewährleisten“, sagt McKinsey-Direktor Thomas Vahlenkamp. Das bekommen auch die privaten Stromkunden zu spüren. So stieg der Strompreis zuletzt auf rekordverdächtige 29,5 ct/kWh – 41 Prozent über dem EU-Durchschnitt.

Anbindung der Offshore Windparks erreicht

Verbessert hat sich laut Energiewende-Index zumindest einer der Indikatoren. So seien alle bestehenden Offshore-Windparks bereits jetzt ans Netz gegangen. Damit steige dieses Ziel in die Kategorie „realistisch“ auf. Beim Ausbau der Infrastruktur bestehe jedoch weiterhin Anpassungsbedarf. Bis 2020 sollen 1.887 Kilometer neue Stromnetze gebaut werden. Aktuell sind nur 558 Kilometer fertiggestellt. Der Einsatz von Erdkabeln soll den dringend benötigten Ausbau beschleunigen. Doch die werden deutlich mehr kosten, als die ursprünglich vorgesehenen Überlandleitungen. Das verteuert die Energiewende weiter, schreibt McKinsey.

Viele der Ziele für 2020 scheinen weiter entfernt als jemals zuvor, so das Fazit des aktuellen Index. Dabei stehe der Branche eine der größten Herausforderungen noch bevor: Der Atomausstieg. Ob dieser erfolgreich sein wird, werde maßgeblich über das Gelingen der Energiewende entscheiden. Der Atomausstieg werde zum Kraftakt für die Betreiber – und zur Nagelprobe für die Energiewende selbst.

Quelle: McKinsey

 

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