Dezentrale Energieversorgung und Smart Metering

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Energieeffizienz Passivhaussiedlung

Die größte Passivhaussiedlung Europas wächst auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs in Heidelberg. Sie ist auch ein Feldlabor für Dienstleistungen rund um Energieeffizienz, dezentrale regenerative Versorgung und Smart Metering,

„Leben, Arbeiten, Forschen, Entwickeln“: Unter diesem Motto wächst gleich hinter dem Heidelberger Hauptbahnhof die neue Welt der Bahnstadt. Moderne Architektur im Passivhausstandard, begrünte Dächer, zwei Blockheizkraftwerke, Wildblumenstreifen. „Dort drüben beginnt unsere Powerline“, sagt Gerd Reibold. Der Abteilungsleiter Mess- und Zählerwesen der Stadtwerke Heidelberg Netze zeigt auf ein futuristisch anmutendes Gebäude mit weißer wabenartiger Fassade und nach vorne überstehenden Obergeschossen, den Sky Labs. Unter dem 6-stöckigen Labor- und Bürogebäude ist der zentrale Übergabepunkt vom Glasfasernetz der Stadtwerke zu dem Stromverteilnetz auf dem 118 Hektar großen Gelände, das auch Daten transportiert. Angeschlossen sind bereits über 1200 Smart Meter Zählstellen, sprich mit Smart Metern ausgerüstete Wohnungen und Büros. Bis 2017 sollen es mindestens 3000 sein. „Wir haben uns hauptsächlich wegen einer besseren Datenübertragbarkeit für die Powerline Technik entschieden“, sagt Reibold. Denn in dem tief unter der Erde liegenden Keller der Gebäude versage meist die Funktechnik. „Zudem können wir so das eigene vorhandene Netz nutzen und ersparen uns den zusätzlichen Aufwand, mit jedem Investor einen Vertrag für die Nutzung des Glasfasernetzes abzuschließen“, ergänzt er.

Powerline für Smart Meter

Eineinhalb Stockwerke geht es an dem Eckgebäude Am Langen Anger/Max Jarecki Straße die Kellerstufen hinunter. Hinter der schweren Eisentüre eines Nebenraums sind zwei Reihen mit je sechs intelligenten Stromzählern und je einem sogenannten Gateway, einem Datensammler mit Verschlüsselungstechnik an die Wand montiert. Ausgelesen werden können die Stromzähler nur per online Code von den zugehörigen Wohnungsinhabern oder Mietern, die Gateways von den Stadtwerken Heidelberg sowie dem Kooperationspartner Trianel. Bis im kommenden Jahr rechne man damit, dass der Verschlüsselungsstandard des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BIS) umgesetzt werden könne, sagt Reibold. Derzeit nutze man noch die Verschlüsselungstechnik des Herstellers Theben. „Wir konnten in den vergangenen zwei Jahren bereits wertvolle Erfahrungen für den Smart-Meter-Rollout sammeln“, betont er. So habe sich gezeigt, dass die Installation anspruchsvoll sei, weil ja nicht nur ein mechanischer Stromanschluss gelegt werden, sondern die Datenkommunikation klappen muss. Hier arbeite man auch intensiv mit Innungen zusammen, um die Installateure besser zu schulen. Teils mussten auch Signalverstärker ins Powerline-Netz eingebaut werden, um den Datenfluss zu optimieren. Oder es mussten zusätzliche Leitungen zu den Räumen gelegt werden, wo Strom-, Wasser- und Fernwärmezähler über ein gemeinsames Gateway ausgelesen werden. Klar geworden sei, dass es auch für auch für größere Stadtwerke wie Heidelberg sinnvoll ist, bei der Auswertung so großer Datenmengen (Meter-Data-Management) wie in der Bahnstadt, mit Partnern zusammenzuarbeiten. Derzeit kooperiere man mit Trianel, „künftig können wir uns auch eine Zusammenarbeit bei der Gateway Administration und dem Datenmanagement mit anderen Stadtwerken vorstellen“, so Reibold. Um weitere Erfahrungen zu sammeln, kooperiere man im Rahmen eines Forschungsprojektes derzeit auch mit der Universität Stuttgart. 50 Pilotkunden nutzen derzeit ein Messpaket, um unter anderem Verbrauchswerte für einzelne Steckdosenanschlüsse zu ermitteln.

Hauptnutzen optimiertes Lastprofil

Die Bahnstadt ist beim Smart Metering ein Pilotprojekt, bei dem für den Techniker die Sammlung von Erfahrungen im Fokus steht. „Wir haben momentan das allermeiste vorfinanziert“, sagt Reibold. „Einen Return on Invest sehen wir derzeit nicht.“ Die derzeitigen Netzentgelte würden nur die Kosten der Stromzähler abgedeckt, dies entspreche etwa einem Zehntel der Gesamtkosten je Smart Meter von rund 150 bis 180 €. Angesichts dessen greife der Vorschlag des Bundeswirtschaftsministerium für eine jährliche Nutzungsgebühr von 100 € zu kurz, moniert Reibold.

Auch Michael Teigeler, Geschäftsführer der Stadtwerke Heidelberg Energie, ist überzeugt, dass derzeit mit dem direkten Geschäft rund um das Smart Metering nur wenig zu verdienen sei. Denn die Energiekosteneinsparungen für die einzelnen Haushalte seien gering und lägen nach den bisherigen Erfahrungen bei unter 2 %. „Zwar baue man auf die Zukunft der Services rund um das Smart Metering zur Kundenbindung: Übernahme der Nebenkostenabrechnungen, Energiemanagement, Home Security sowie weitere All-Inclusive Angebote. Den Hauptnutzen des Smart Metering sehen wir allerdings mittelfristig nicht im direkten Kundengeschäft, sondern im energiewirtschaftlichen Bereich, bei der Optimierung unseres Lastprofils“, betont er. „Da ist Musik drin“, sagt der freundliche 47-jährige. Zwar dürften ja bisher die Smart Meter-Einzeldaten nicht für das Bilanzkreismanagement genutzt werden. Doch verspreche man sich auch von der Nutzung von aggregierten Verbrauchsdaten künftig „erhebliche ökonomische Vorteile“ beim Lastmanagement. Hierbei könne man die Erfahrungen aus der Bahnstadt auch für das gesamte Heidelberger Versorgungsgebiet nutzen.

Dezentrale, regenerative Versorgung

Was sich allerdings jetzt schon rechnet ist die dezentrale regenerative Versorgung. Denn der auf gut 6000 Einwohner und ebenso viele Arbeitnehmer ausgelegte neue Stadtteil soll laut Vorgaben der Stadt klimaneutral sein. Es besteht eine flächendeckende Anschlusspflicht an die Fernwärmeversorgung. „Kommen Sie mal mit“, sagt Teigeler und weist den Weg zum Vereinsheim der Eisenbahnerfreunde an der südwestlichen Ecke des Geländes. In dem sanierten Backsteinbau läuft seit vergangenem Sommer je ein mit Biomethan und ein mit Erdgas betriebenes BHKW mit einer elektrischen und thermischen Leistung von 0,7 MW. Finanziert ist es für den regenerativen Teil zu 50% über das EEG. Das Erdgas-BHKW, das die städtischen Liegenschaften versorgt, nutzt die wirtschaftlichen Effekte bei der Eigenbedarfsdeckung. Draußen drehen sich fast lautlos die weißen Lüfter zwischen zwei schwarzen Mauern. Die Hauptversorgung der Bahnstadt mit erneuerbarem Strom und Wärme stammt jedoch aus dem Holz-Heizkraftwerk am Südrand des Quartiers, das Anfang vergangenen Jahres in Betrieb ging. Es hat eine Leistung von 3 MW elektrisch und 10,5 MW thermisch und nutzt zu über 90% Holz aus Landschaftspflege und Grünschnitt. „Mit den beiden BHKWs konnten wir den Anteil der regenerativ gewonnenen Heidelberger Fernwärme auf gut 20% steigern und das rechnet sich“, freut sich Teigeler und weist den Weg zurück zu den Sky Labs im Zentrum des neuen Stadtteils.

 

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