Energieexperte: CO2 muss als Umweltgift eingestuft werden

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Weltmeere
Weltmeere

Die Weltmeere sind ein Spiegel unserer Zivilisation. Ein Spiegel, der uns deutlich vor Augen führt, dass wir einen bedenklichen Kurs fahren. Die Korallen sterben, Meeresströmungen verändern sich und das Wasser versauert. Der Grund dafür ist die globale Erwärmung. Doch noch immer interessiert sich nur ein kleiner Teil der Gesellschaft für die drohende Katastrophe. Auch in der Politik mangelt es weiterhin am nötigen Problembewusstsein, kritisiert der Energie-Experte Jeffrey Michel. Er fordert, CO2 müsse endlich global als Umweltgift eingestuft werden.

Die Weltmeere sind krank, warnte bereits 2010 ein Team australischer Forscher. Rund 30 Prozent des weltweiten CO2 wird von den Ozeanen aufgenommen. Doch durch die ungebremste Vebrennung fossiler Rohstoffe setzen wir von Jahr zu Jahr mehr des Treibhausgases frei. „Das ist, als würde die Erde jeden Tag zwei Schachteln Zigaretten rauchen“, so Professor Ove Hoegh-Guldberg, der die Einflüsse des Klimawandels auf die maritimen Ökosysteme untersucht. Die Folgen dieser Vergiftung sind bereits heute zu sehen.

Im australischen Great Barrier Reef herrscht derzeit die bislang stärkste Korallenbleiche in der Geschichte des Landes. Zudem haben die Weltmeere bereits soviel CO2 aufgenommen, dass das Wasser um bis zu 30 Prozent saurer geworden ist. Was das langfristig für Folgen auf Plankton, Fische und Pflanzen haben wird, ist noch nicht abzusehen. Doch viele Forscher sind sich einig, dass die maritimen Ökosysteme der Zukunft völlig anderes aussehen werden als heute.

„Die anhaltende Abnahme des pH-Werts in den Weltmeeren schreitet inzwischen mit der 100-fachen Geschwindigkeit früherer Jahrmillionen voran. Die Ozeane sind damit zum Seismographen für die CO2-Belastungen der globalen Energiewirtschaft geworden“, so der Energieberater Jeffrey Michel. Für den Experten, der bereits mehrere deutsche Kommunen in Energiefragen beraten hat und 2005 vom WWF für sein Engagement im sächsischen Braunkohleort Heuersdorf zum „Climate Hero“ gekürt wurde, sind die Meere daher ein „Spiegel unserer modernen Zivilisation“. „Diesem Spiegel bleibt nichts verborgen. Jeder Zugriff auf fossile Brennstoffe endet als CO2-Niederschrift in den Meeren“, betont Michel.

Für den Fachmann ist es nur logisch, die Senkung des CO2-Ausstoßes zum politischen Hauptziel zu erklären. Doch die Realität sehe anders aus: „Allein die fossile Energiewirtschaft Deutschlands entlässt über 800 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr in die Erdatmosphäre“, so Michel. „Unbemerkt trägt auch die Biomasseverbrennung zur Ozeanversauerung bei.“ Trotzdem werde Kohlendioxid in Europa noch nicht als Umweltschadstoff anerkannt – obwohl das in den USA seit 2012 rechtsverbindlich ist. „Die Definition des US-Umweltministeriums EPA sollte zum Maßstab aller zukünftigen CO2-Reduktionsstrategien erhoben werden“, fordert er.

Damit steht der Energieforscher nicht alleine da. Bereits 2014 hat die Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag einen Antrag eingebracht, der eine Definition von CO2 als Umweltgift und einen geordneten Ausstieg aus der Kohleverstromung vorsieht. Ziel war es, bis 2020 mindestens 60 Mio. Tonnen des Treibhausgases zusätzlich einzusparen. „Leider wurde der Antrag am 29. Januar von der parlamentarischen Mehrheit abgelehnt. Ein Erkenntniswandel der politischen Verantwortlichen ist hier wohl überfällig“, resümiert Michel. Aber auch jeder einzelne Bürger könne seinen Teil zum Schutz der Meere und damit des gesamten globalen Ökosystems beitragen. Oftmals fehle es allerdings am nötigen Problembewusstsein innerhalb der Bevölkerung, kritisiert der Experte.

 

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