Energieautark wohnen auf dem Wasser

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Schwimmendes energieautarkes Haus
Schwimmendes energieautarkes Haus

Nullenergiehäuser liegen voll im Trend. In dem Projekt autartec© hat eine Gruppe aus Universitäten, zwei Fraunhofer-Instituten, mittelständischen und Industrie-Unternehmen diese Idee aufs Wasser verlegt und ein entspanntes Lebensgefühl mit einem wirtschaftlich interessanten Wohnkonzept zu kombinieren.

Das in der Lausitz angesiedelte Projekt autartec© hat das Ziel, bis 2017 auf dem Geierswalder See nordwestlich von Hoyerswerda, ein schwimmendes Haus zu bauen, das nicht nur elegant aussieht, sondern sich selbst mit Wasser, Strom und Wärme versorgt. „Solche energieautarken, schwimmenden Häuser gibt es noch nicht“, betont autartec©-Projektkoordinator Professor Matthias Klingner vom IVI. Neben den beiden Dresdner Fraunhofer-Instituten für Verkehrs- und Infrastruktursysteme (IVI) und Keramische Technologien und Systeme (IKTS) sind mittelständische Unternehmen aus der Region, der Industrie sowie die Technische Universität Dresden (TUD) und die Brandenburgische Technische Universität (BTU) an dem Projekt beteiligt.

Der Prototyp für das Haus steht auf einem 13 mal 13 Meter großen Stahlponton und erstreckt sich über zwei Ebenen. Das Erdgeschoss bietet 75 Quadratmeter Wohnfläche, das Obergeschoss weitere 34 Quadratmeter. Die 15 Quadratmeter große Terrasse bietet einen idyllischen Ausblick auf den See. Das Haus verbindet, laut der Projektgruppe, moderne Architektur und Bautechnik mit hoch effizienter Anlage- und Gebäudeausstattung. In die Gebäudehülle integrierte Solarzellen generieren Energie, die in Lithium-Polymer-Akkumulatoren gespeichert wird. Die vom IVI entwickelten Batteriesysteme werden platzsparend in die Textilbetonwände oder Treppenelemente eingebaut.

Prinzip Taschenwärmer

Auch an der effizienten Bereitstellung von Wärme und Kälte arbeiten die Forscher des IVI. Ein Salzhydrat-Kamin soll auch an kalten Wintertagen für wohlige Wärme sorgen. Bei diesem Kamin befindet sich oberhalb des Feuers eine wassergefüllte Wanne mit Salzhydraten. „Brennt das Feuer, werden die Salzhydrate flüssig und nehmen Wärme auf“, beschreibt Dr. Burkhard Faßauer vom IKTS. Sind die Hydrate vollständig verflüssigt, lässt sich die Wärmeenergie zeitlich nahezu unbegrenzt speichern. Um sie bei Bedarf wieder freizusetzen, werden funkbasierte Kristallisationsauslöser verwendet. Dieses Prinzip kennt man von den sogenannten Taschenwärmern bei denen ein geknicktes Metallblättchen die Kristallisation auslöst, sodass der Taschenwärmer fest wird und Wärme abgibt. Erhitzt man den Taschenwärmer in heißem Wasser, wird er wieder flüssig und speichert Wärme bis zum nächsten Knicken.

Allerdings reicht ein Kamin nicht aus, um das gesamte Haus im Winter zu beheizen. Ein Zeolithspeicher im Ponton unterstützt die Beheizung. Die Zeolithmineralien werden im Sommer in einem rein physikalischen Prozess getrocknet, bei dem Wärme gespeichert wird. Im Winter reicht dann feuchte Luft aus, damit der Speicher Wärme abgibt.

Ein adiabates Kühl-System sorgt im Sommer für angenehme Temperaturen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Klimaanlagen, benötigt das System keine elektrische Energie, sondern nutzt die Verdunstungskälte von Luft und Wasser. Dazu wird eine Seitenfläche des Hauses begrünt und befeuchtet, sodass die entstehende Verdunstungskälte die Gebäudehülle kühlt.

Kreislaufsystem für die Wasserversorgung

Die Experten des IKTS entwickeln außerdem ein System für die autarke Wasserversorgung. Sie erproben zurzeit ein geschlossenes Kreislaufsystem für Trink- und Brauchwasser, das auf eine Kombination aus keramischen Membranen und verschiedenen elektrochemischen und photokatalytischen Prozessen beruht.

An Land wird das Abwasser üblicherweise biologisch behandelt. Auf einem schwimmenden Haus hingegen ist dieser herkömmliche Prozess nicht möglich und das System ist auf physikalische und chemische Methoden angewiesen. Die Keramik bietet, laut Dr Faßauer, eine sehr effiziente Möglichkeit, um Prozesse wie Photokatalyse, Elektrochemie und Filtration auf engstem Raum zusammenzubringen. Andere Materialien wie Stahl und Kunststoff würden bei derart aggressiven Vorgängen versagen. Auch die Technik für das Kreislaufsystem soll im Ponton untergebracht werden.

Lebensgefühl und wirtschaftliche Chance

Das Lausitzer Seenland bietet den idealen Rahmen für das autartec©-Projekt. Es ist mit 23 Seen und einer Fläche von 13.000 Hektar das größte künstliche Seengebiet Europas. Die Region zwischen Ostsachsen und Südbrandenburg wurde über Jahrzehnte durch den Braunkohletagebau geprägt. Das Lebensgefühl auf dem Wasser soll der Landschaft in den kommenden Jahren zu mehr Anziehungskraft und wirtschaftlichem Erfolg verhelfen. Denn schwimmende Häuser werden nicht nur als Feriendomizil, sondern auch als fester Wohnsitz immer beliebter. Das Leben am oder auf dem Wasser verbinden viele Interessenten mit Entspannung und der Nähe zur Natur. Gleichzeitig ist jedoch die Energie- und Wasserversorgung für Hausboote und ähnliche Projekte eine Herausforderung. Diese könnte mit dem autarken schwimmenden Haus gelöst werden.

Quellen und weiterführende Informationen:
http://www.autartec.com
http://www.fraunhofer.de/de/presse

 

Wibke Sonderkamp

Warum geht man in die PR- und Kommunikationsbranche? Bei mir liegt es definitiv an meinem Interesse, immer wieder Einblicke in neue, (manchmal erst auf den zweiten Blick) spannende Themenfelder zu erhalten und hinter die Kulissen von Produktion, Technologie und Märkten zu blicken. Ich halte Nachhaltigkeit für eines der wichtigsten Themen unserer Zeit und freue mich daher besonders, Firmen aus diesem Bereich bei der Kommunikation zu beraten und auf der journalistischen Seite auf interessante Themen einzugehen.
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