Windräder: Gefahr für Fledermäuse

In kaum einem Land stehen so viele Windkraftanlagen wie in Deutschland. Doch die saubere Energie hat ihren Preis. Mit ihren oft mehr als 150 Metern Nabenhöhe können sie fatale Folgen für Fledermäuse haben und zur gemeinen Todesfalle werden. Die flauschigen Nachtschwärmer verwechseln Windräder mit hohen Bäumen und geraten unweigerlich in den Sog der Rotoren, wo sie qualvoll verenden.

Fledermäuse sind kleine Sinnesexperten. Sie orientieren sich mittels Echoortung und nehmen ihre Umgebung wahr, indem sie Ultraschallaute ausstoßen, ähnlich Delphinen. Hindernisse werfen das Echo zurück und liefern so ein ziemlich genaues Bild der Umwelt. Ob es sich bei einem hohen Pfosten nun aber um einen Baum oder um eine Windkraftanlage handelt, das können Fledermäuse nicht so genau erkennen. Die Windanlagen erscheinen den kleinen Tieren wie riesige Bäume, in denen sie sich gern aufhalten und auf Beute warten – nur dass die Windräder statt schützender Äste lebensgefährliche Rotorblätter besitzen.

Ein Team von Wissenschaftlern um Paul Cryan vom U.S. Geological Survey in Fort Collins hat mit Radar- und Akustikmessungen sowie Wärmebildkameras die Zusammenstöße von Fledermäusen mit Windrädern aufgezeichnet und analysiert. In 88 Prozent der Fälle war ein aktives Anfliegen zu beobachten. Die Tiere nähern sich bevorzugt von der windabgewandten Seite und bei ruhiger Wetterlage. Besonders häufig sind Begegnungen außerdem bei blockierten Windrädern.

Die Forscher schussfolgerten, dass die Fledermäuse Luftstromverhältnisse suchen, die denen der Lee-Seite großer Bäume ähneln. Hier herrschen üblicherweise ideale Bedingungen, um auf Insektenjagd zu gehen oder einen Schlafplatz zu finden. Da die Luftstromverhältnisse in der Umgebung von Windrädern ähnlich sind, kommt es sehr häufig zu Unfällen mit Fledermäusen.

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Allein in Deutschland verenden jedes Jahr 300.000 Tiere in rotierenden Windrädern. Dabei ist nicht etwa eine Kollision ursächlich, denn Fledermäuse sind geschickte Navigatoren und können sich, anders als Vögel, ohne Probleme zwischen den Rotorblättern hindurchschlängeln. Hinter dem Rotor aber geraten sie in einen Luftsog mit starkem Druckabfall, der tödliche Lungenverletzungen verursacht. Die inneren Organe der Tiere werden regelrecht zerfetzt. Betroffen sind nach einer Studie des Leibnitz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung vor allem junge und weibliche Tiere. Dadurch ist der Bestand der ohnehin gefährdeten Tiere noch stärker bedroht. Tierschützer fordern daher entsprechende Schutzvorrichtungen an Windkraftanlagen.

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