Pakistan im Windfieber

Windpark in Pakistan

Erst trockene Hitze, dann starke Regenfälle: In Pakistan zu leben ist durch Monsunwinde und Überschwemmungen ein hartes Brot. Manch starker Wind kann aber auch zum Vorteil der Menschen genutzt werden: Als Energiequelle versorgt er die Bevölkerung inzwischen mit Elektrizität.

Windkorridor in Pakistan

Besonders vielversprechend ist der Gharo-Keti Bandar Windkorridor. Er wurde im Jahr 2005 von der pakistanischen meterologischen Abteilung entdeckt. An die 7,3 Meter pro Sekunde werden dort an Windgeschwindigkeit gemessen. Angeblich könnte hier eine Leistung von 50.000 Megawatt für die islamische Republik bereitgestellt werden.

Auch Jhimpir liegt in dem günstigen Windgebiet. Das Dorf in der Provinz Sindh im Süden Pakistans ist der Vorzeigeort für Windkraftprojekte. Unter anderem installierte das Windenergieunternehmen Nordex hier 33 Turbinen mit jeweils 1,5 Megawatt Leistung. Um den Wetterbedingungen standzuhalten, handelt es sich bei den Anlagen um eine ‚hot climate‘ Version. Im Dezember letzten Jahres wurde der 50 Megawatt Windpark eingeweiht.

Staat lockt Investoren an

Da der Regierung Pakistans die nötigen finanziellen Mittel fehlen, sucht sie sich die Investoren im Ausland oder bei privaten Unternehmen. Das funktioniert, weil die Anreize groß genug sind: Seit Oktober 2011 gibt es einen hohen Einspeisetarif für ausländisch finanzierte Windenergieprojekte. Und die Vergütung der eingespeisten Windenergie gilt für 20 Jahre. Vor allem das Alternative Energy Development Board sorgt für einen Wechsel in der Energieversorgung. Die Behörde setzt die Rahmenbedingungen für Investitionen in Solar- und Windenergie sowie kleine Wasserkraftwerke. Zuvor waren große Wasserkraftwerke die einzigen Investitionen in erneuerbare Energien. Als Sahnehäubchen bekommen die ersten zwölf Windkraftprojekte Pakistans übrigens eine Windrisiko-Garantie: Ist die Windgeschwindigkeit geringer als 7,3 Meter pro Sekunde, wird den Firmen das Geld für die nicht produzierte Elektrizität ersetzt.

Grund für die großzügigen Bedingungen ist die Energiesituation Pakistans. Die zunehmende Energienachfrage durch eine wachsende Bevölkerung führt zu einer Überlastung des Stromnetzes und zu Problemen bei der Versorgung. Jährlich steigt die Energienachfrage um acht bis zwölf Prozent. Im Jahr 2030 sollen dann fünf Prozent aus der Strombereitstellung aus erneuerbaren Energien stammen. Auf diese Weise versucht die islamische Republik auch, die Abhängigkeit von den fossilen Rohstoffen zu verringern. Teure Ölimporte und die Angst, die eigenen fossilen Ressourcen bis zum Jahr 2030 ausgeschöpft zu haben, tun ihr Übriges.

Ende Februar dieses Jahres lief außerdem eine Anhörung, ob ein Einspeisetarif für Photovoltaikanlagen mit 17 Cent für 25 Jahre eingeführt wird. Langfristig werden die erneuerbaren Energien aber vor allem eine Änderung im Land herbeiführen, wenn die Technik auch vor Ort entwickelt wird.

Jenny Lohse

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