Windpark „Borkum West“ – richtiges Offshore

In dieser Woche wurde die erste richtige Offshore Windkraftanlage in deutschen Küstengewässern fertiggestellt. Sie ist das erste Windrad des Windparks „Alpha Ventus“, der bis Ende des Jahres mit 12 Anlagen fertiggestellt sein soll; wenn alles planmäßig läuft.

Die Problematik liegt in der Entfernung zum Festland, den Wassertiefen von über 30 m und der rauen See. Diese Faktoren sorgten auch in der Vergangenheit immer wieder für Probleme und Verzögerungen beim Bau dieser Anlage. Aufgrund dessen musste das Betreiberkonsortium, bestehend aus EWE, E.ON und Vattenfall, auch schon die anfängliche Planungssumme von 190 Millionen Euro auf 250 Millionen erhöhen. 

Der neue Park, 45 Kilometer nördlich von der Nordseeinsel Borkum, ist bisher einmalig in der Geschichte der Windenergie. Natürlich ist „Offshore“ nicht neu. Die europäischen Nordseeanrainer wie Großbritannien, Niederlande, Dänemark und Schweden betreiben bereits seit Jahren eine große Anzahl an Windturbinen im Offshorebereich, aber lediglich im ruhigen, küstennahen Flachwasser. Mit dem Bau von Anlagen so weit im Meer, betreten die Betreiber nun Neuland.

Die Aufstellung neuer Windkraftanlagen in Deutschland kommt langsam zum Stillstand, ganz im Gegensatz zum Ausland. Zum einen besteht dort noch erheblicher Nachholbedarf und zum anderen sind hierzulande ertragreiche Standorte meist bereits vergeben und die Widerstände gegen neue Onshore-Windparks werden immer größer.

So bieten Anlagen auf hoher See eine gute Chance, unser regeneratives Energiesoll (muss) zu erfüllen. Ein großes Plus ist die fast doppelt so hohe Windausbeute auf See, das sichert langfristig bessere Margen, auch wenn die Kosten zurzeit noch sehr hoch erscheinen.

So hat „Alpha Ventus“ in erster Linie Pilotcharakter und verursacht wie viele andere Piloten erst einmal höhere Kosten.

Natürlich formiert sich auch gegen dieses Großprojekt Widerstand; Umweltschützer fürchten um Beeinträchtigung des Vogelzuges und Störung der Schweinswale durch die lärmintensiven Rammtätigkeiten für die Fundamente, die Tourismusbranche prophezeit schon Gästeschwund durch die Verunstaltung des Horizonts. Letztlich muss sich aber jeder über die Notwendigkeit dieser Anlagen klar werden. Der Bedarf am erzeugten Strom besteht und Windkraft ist bekanntlich die bessere Alternative zu Kohle und Atomenergie.

Der Anschluss des ersten Windrades an das Offshore-Umspannwerk auf See ist für die nächste Woche vorgesehen, der erste Schritt für die Versorgung von 50 000 Haushalten mit regenerativer Offshore-Energie.

Ludger Schomaker

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