Windkraftanlage in der Pfalz überragt Kölner Dom

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Die windreiche Region um den Donnersberg in Rheinland-Pfalz ist nicht nur bei Gleitschirmfliegern beliebt. Auch Fred Jung und Matthias Willenbacher haben diese Gegend 1996 für sich entdeckt. Mit der nach ihnen benannten Firma juwi ließen sie auf dem Schneebergerhof eine 500 Kilowatt Windkraftanlage errichten. Inzwischen stehen dort fünf Windräder und eine Photovoltaikfreiflächenanlage. Diese stellen insgesamt 36 Millionen Kilowattstunden pro Jahr zur Verfügung.

Durch einen nicht unerheblichen Medienrummel konnte zuletzt auch der Aufbau eines Windrades im Donnersbergkreis genau verfolgt werden. Es handelt sich bei der neuesten Errichtung um eine der weltweit leistungsstärksten Windenergieanlagen auf dem Festland. Mit ihren sechs Megawatt ist die E-126 von Enercon an die 200 Meter hoch, 2007 wurde der Prototyp in Emden in Betrieb genommen. Eine solche Windkraftanlage kann mit 18 Millionen Kilowattstunden pro Jahr Strom für eine Kleinstadt liefern.

Dieses Windrad wurde aber nicht zusätzlich aufgestellt, sondern dient nun als Ersatz für die 1,5 Megawatt Anlage, welche 1997 auf dem Schneebergerhof montiert wurde. Ein solches Verfahren wird als Repowering bezeichnet. Mittels Einsatz neuester Technik wird eine Leistungssteigerung herbeigeführt. Das Prinzip ist, theoretisch gesprochen, einfach: Es erfolgt der Rückbau der alten Anlage, übrig bleibt nur der Beton. In diesem Fall rund 300 Kubikmeter stützendes Fundament. Die alten Anlagen werden, in ihren Einzelteilen zerlegt, dann meist in osteuropäische Länder transportiert. Das 1,5 Megawatt Windrad darf beispielsweise bald in polnischen Gefilden ausprobiert werden. Schon 2003 wich eine Anlage mit 0,5 Megawatt Leistung der E-66, einem 1,8 Megawatt Windrad auf dem Schneebergerhof.

Doch ganz ohne Schattenseiten findet auch kein Transfer von Windmühlen statt. Dass alte Anlagen durch neue ersetzt werden, ermöglicht eine optimale Ausnutzung des Standortes. Nur gibt es oft technische Probleme mit den Windrädern aus zweiter Hand in den betreffenden Ländern. Häufig fehlt das Know-how vor Ort und es gibt für die älteren Anlagen keine Ersatzteile mehr. Auch die Wartung ist kostspieliger als bei neuen Windrädern. Wichtig ist demnach eine begleitende Durchführung und Betreuung am neuen Standort durch den Vorbesitzer und die Überlegung, ob sich der Betrieb mit der Errichtung und Wartung auch wirtschaftlich rechnet.

Am Schneebergerhof ist man sich dagegen einig, dass die neuen Anlagen die Wirtschaft „ankurbeln“. Damit widersetzt juwi sich der verbreiteten Annahme, das hiesige Potential an Binnenstandorten sei ausgeschöpft und die Zukunft der Windkraft würde auf dem Meer liegen. Jung hakt ein, dass höhere Einspeisevergütungen und hohe Montage- und Folgekosten für den Netzausbau die Verbraucher belasten. Dagegen würden mit der regionalen Gewinnung erneuerbarer Energien Pacht- und Gewerbesteuern eingenommen werden. Ein dezentrales Versorgungssystem bildet wahrscheinlich den Schlüssel für eine nachhaltige Energiewirtschaft. Das Windkraftanlagenrprojekt im Donnersbergkreis bereitet schon einmal den Weg vor.

Jenny Lohse

1 Kommentar

  • Seit Anfang an konnte ich den Aufbau des neuen Windrades mitverfolgen, denn ich kann es sehen, wenn ich aus meinem Fenster schaue.
    Leider dreht es sich momentan noch nicht, aber ich hoffe, es wird die vielen Skeptiker die es hier in der Pfalz gibt überzeugen, dass es eine wirklich gute Sache ist …. und keinen Strahlungsmüll hinterlässt wie die AKW-Technik, die noch sehr viele Generationen nach uns beschäftigen wird.

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