Windkraft schädlich für die Umwelt?

Die Windkraft und ihre Folgen für Mensch und Natur stehen bei Naturschützern und Anwohnern der betroffenen Gebiete gleichermaßen in der Kritik. Doch stehen die großen Naturschutzverbände hinter der Regierung – sofern sie ihre gegenwärtigen Ziele naturverträglich und unter Bürgerbeteiligung verfolgt.

Die Anträge für Windkraftanlagen sind bundesweit gestiegen, weist die Windkraft doch das größte Ausbaupotential in vielen Bundesländern auf. So sollen allein in Baden-Württemberg rund 1.200 Windenergieanlagen mit einer Leistung von je drei Megawatt bis 2020 errichtet werden. Währenddessen setzen sich viele Naturschützer allerdings gegen den Bau neuer Windräder ein. Sie sehen darin eine Bedrohung für Mensch und Umwelt. Das größte Konfliktpotential steckt dabei wohl im Artenschutz. Mögliche Kollisionen windenergiesensibler Vogel- und Fledermausarten wie dem Rotmilan, dem Schwarzstorch oder dem Baumfalken mit dem Windrad, aber auch Lebensraumverluste und schwer prognostizierbares Meideverhalten stellen eine Bedrohung für diese Arten dar.

Trotz des Widerstands in der Bevölkerung setzen sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Naturschutzbund (Nabu) für einen Ausbau der Windenergie ein. Die Landesverbände von Baden-Württemberg unterstützen in einem Positionspapier die Energiewende, allerdings solle diese naturverträglich und unter Beteiligung der Bürger umgesetzt werden. Auch Waldgebiete sollen beim Ausbau der Windenergie nicht schon im Vorhinein zu Tabugebieten erklärt werden. Demnach sollen intensiv genutzte Wälder, die für den Naturschutz weniger bedeutsam sind, für Windenergieanlagen freigegeben werden. Für den zentralen Ausbau unter Berücksichtigung des Naturschutzes ist jedoch die genaue Prüfung jedes einzelnen Standortes erforderlich. In der Folge könnte auch der eine oder andere Standort von den Naturschutzverbänden schließlich abgelehnt werden. Eine ausführliche Untersuchung unter Einbezug von Windmessungen, notwendiger Höhe und einzuhaltendem Abstand zu bewohnten Gebieten ist bei jedem Vorhaben notwendig. Sollten hier Messungen und erste Planungen positiv ausfallen, so ist es jedoch für die Naturschutzverbände schwer, ein Projekt zu verhindern.

Um die Vorbehalte und das Misstrauen in der Bevölkerung abzubauen, fordern BUND und Nabu eine transparente und frühzeitige Bürgerbeteiligung, die Entscheidungen aus der Bevölkerung berücksichtigt und nach Kompromissen sucht. Hierfür haben sie gemeinsam den Faktencheck Windenergie erstellt. Der Leitfaden informiert sachlich über die potentielle Konfliktthemen zum Ausbau der Windenergie, wie etwa Infraschall oder Artenschutz. Mit der Einbindung und ausführlichen Information der Bürgerinnen und Bürger zu geplanten Bauvorhaben können schon frühzeitig Auseinandersetzungen zwischen den unterschiedlichen Parteien gelöst werden.

Während zum Beispiel in Esslingen viele Bürger sich nicht ausreichend in die Planungen einbezogen fühlen, wurde im Landkreis Schwäbisch Hall per Bürgerentscheid der Bau von vier Windkraftanlagen beschlossen.

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Zwar gab es Widerstand in der Bevölkerung, doch stimmten schließlich 57 Prozent für das Projekt. Zudem hat sich gezeigt: In Regionen, die bereits über Windkraftanlagen verfügen, fällt der Widerstand meist geringer aus.

 Es zeigt sich: ein offenes Planungsvorhaben und der Einsatz von Instrumenten zur Bürgerbeteiligung sowie der Einbezug von Naturschutzverbänden lohnen sich. 

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