Windkraft – Strom – und was nun?

In der kommenden Woche geht die erste Windturbine des Windparks „Alpha Ventus“ ans Netz. Insgesamt erzeugen bis Ende des Jahres 12 Anlagen, mit je 5 MW, regenerativen Strom für 50 000 Haushalte. Wie aber verteilt sich dieser Strom an Land? Der Laie würde vermuten, dass dieser umweltfreundlich erzeugte Strom der Bevölkerung der Küstenregion zugute kommt oder zumindest den norddeutschen Bürgern; doch weit gefehlt!

Laut Fachleuten muss der produzierte Strom vom schwachlastigen Norden in die Lastzentren im Süden transportiert werden. Im Klartext bedeutet das, im Norden wird durch den forcierten Ausbau der Windenergie, mehr Strom erzeugt, als vor Ort von Industrie und Bevölkerung abgenommen werden kann. Zum Abtransport bedienen sich die Energiekonzerne der bewährten (mal abgesehen von der Schneekatastrophe vor ein paar Jahren) und kostengünstigen Höchstspannungs-Freileitungen. Nach Prognosen von Energieexperten ist das vorhandene Netz aber nicht ausreichend, um die zu erwartenden Strommengen zu transportieren und neue Hochspannungstrassen sind in Verbundnetz nötig. Seit einigen Jahren regen sich daher auch in diesem Bereich Bemühungen von betroffenen Bürgern, nach „attraktiveren“ Lösungen zu suchen. Zum Einen befürchten die betroffenen Anwohner gesundheitliche Schäden durch diese Höchstspannung, zum Anderen wirken sich die Leitungen auch negativ auf die örtliche Fauna aus.
Alternativen zum bekannten Freileitungsbau werden meist aus Kostengründen außer Acht gelassen. Besonders hervorzuheben ist die nicht mehr ganz so neue, im Boden verlegte, „gasisolierte Leitung“ (GIL). Großer Vorteil dieses Verfahrens ist der viel geringere Stromverlust gegenüber einer Freilandleitung und die minimierte Strahlung. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Die Kosten für eine gasisolierte Leitung liegen deutlich höher, was aber letztlich über Angebot und Nachfrage geregelt wird und es fehlen vor allem Erfahrungen im Bereich von längeren Trassenverläufen. Dank des Engagements zahlreicher Organisationen soll es zukünftig einige Pilotprojekte mit teilweiser Erdverkabelung an besonders empfindlichen Streckenabschnitten geben ( Wohnbebauung, Schutzgebiete,usw.)

Zu Zeit rüstet die Firma Siemens Energy in China ein Wasserkraftwerk mit einer gasisolierten Hochspannungsübertragungsleitung aus. Die Gesamtlänge der Leitung beträgt bereits über 12 Kilometer!
Bis eindeutig gesicherte Erkenntnisse über die gasisolierten Erdkabel vorliegen und auch größere Streckenabschnitte verkabelt werden können, wäre bei vielen geplanten Trassenabschnitten eine Alternative, bestehend aus Netzoptimierung oder Netzverstärkung, angebracht.

Ludger Schomaker

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