Wind aus dem Wald

Windenergieanlagen im Wald

Wald wird heute deutlich stärker genutzt, als noch vor wenigen Jahrzehnten. Seit der Debatte um die Energiewende, und damit verbunden der verstärkten Nutzung regenerativer Energien, wird Holz als Energieträger deutlich stärker nachgefragt. Die holzverarbeitende Industrie ist jedoch nur noch einer von vielen Waldinteressenten. Denn jetzt tendieren auch Betreiber von Windkraftanlagen immer mehr dazu, ihre Anlagen in Wäldern zu errichten.

Eigentlich keine schlechte Idee, Windenergie im Wald zu gewinnen. Seitdem sich die Narbenhöhe deutlich nach oben geschraubt hat und Windräder jetzt auch die höchsten Bäume überragen können, sind Wälder für Windkraft längst kein Hindernis mehr. Ganz nebenbei ist Deutschland, dank der Aufforstungsbemühungen des 19. Jahrhunderts, ein recht waldreiches Land. Beinahe ein Drittel der Staatsfläche besteht aus Wald, ganze 11.075.798 Hektar. Rund 1,1 Millionen Hektar Wald entfallen davon auf das Bundesland Brandenburg – und das kommt dem Infrastruktur- und Landwirtschaftsminister des Landes, Jörg Vogelsänger, gerade recht. Er macht derzeit verstärkt Werbung für den Waldwind, damit die Energieziele der Landesregierung auch eingehalten werden können.

Allerdings liegt das Problem nun darin, alle Waldinteressierten unter einen Hut zu bringen, ohne, dass Wald zur Mangelware wird. Den Waldbesitzern soll dabei keineswegs ein Schaden entstehen und die Windenergie aus dem Wald würde auch die Kasse des Landeshaushalts ein wenig aufmöbeln. Eine einzige Windkraftanlage soll den Waldbesitzern rund 30.000 Euro bringen. Bei der Holzwirtschaft auf gleicher Fläche, nämlich einem halben Hektar, würde der Waldbesitzer hingegen nur etwa 250 Euro erwirtschaften.

Über den ästhetischen Eingriff in die Umwelt dürfte angesichts der netten Gewinnspanne sicherlich getrost hinweggeblickt werden. Abgesehen davon geht der Wald auch nicht verloren, sondern wird nur verschoben. Zum Ausgleich des für Windkraft weichenden Waldes sind andere Konversionsflächen geplant. Eine Aufforstung für die benötigten Waldflächen sei selbstverständlich, betont der brandenburgische Landwirtschaftsminister auf seiner Wald-Wind-Werbetour immer wieder.

Doch auch in einer Aufforstung lauert nicht immer nur Gutes. Schon jetzt werden landwirtschaftliche Nutzflächen und damit die Existenzgrundlage eines ganzen Berufszweiges knapp. Die Aufforstung darf also nicht zu Lasten der ohnehin knappen Landwirtschaftsflächen betrieben werden und müsse die Interessen aller Betroffenen berücksichtigen.

Judith Schomaker

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