Vestas plant Offshore-Windkraftanlagen aus einer Hand

Dänemark beherbergt bekannterweise mit dem Unternehmen Vestas den weltgrößten Anbieter von Windanlagen. Und das nicht ohne Grund: Die Windkraft trägt bereits seit etlichen Jahren rund 20 Prozent zur Deckung des Bedarfs an elektrischer Energie in dem kleinen nordeuropäischen Königreich bei.

Die Dänen sind also mit den spezifischen Problemen der Windenergie aufgrund dessen hohen Anteils an der eigenen Energieversorgung recht gut vertraut. Denn auch in Dänemark weht der Wind nur unregelmäßig stark, weshalb die erzeugte elektrische Energie auch nur in unsteter Abfolge erzeugt werden kann.

In Dänemark wird dieses Problem durch das relativ kleine Einzugsgebiet, in dem sich die Windräder drehen, noch verschlimmert. Denn je größer die Fläche, über die die Windparks verteilt Energie in das gleiche Netz einspeisen, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass immer irgendwo der Wind weht und Schwankungen in der Stromversorgung eher niedrig ausfallen.

In Dänemark ist jedoch das genaue Gegenteil der Fall: Kleines Einzugsgebiet, hohe Schwankungen in der Stromversorgung. Daher hat man sich nun bei Vestas Gedanken über Speichersysteme gemacht. Die könnten die elektrische Energie in Zeiten zu großen Windangebots konservieren und bei Bedarf wieder abgeben.

Es sollen Speichersysteme entwickelt werden, die in Zeiten niedrigen Bedarfs die elektrische Energie direkt in der Anlage aufnehmen. Dieses Konzept macht auch für die Betreiber der Anlagen Sinn: Sie können sich eine zusätzliche Einnahmequelle erschließen, wenn sie den gespeicherten Strom zu Zeiten hohen Bedarfs bei Spitzenlast wieder abgeben. Hierdurch können an der Strombörse hohe Preise erzielt werden, die weit über den gesetzlichen Einspeisetarifen liegen.

Vestas hat dieser Tage außerdem eine neue Forschungs- und Entwicklungsinitiative angekündigt, wonach der Offshore-Bereich vorangetrieben werden soll, um das Einzugsgebiet für dänische Windkraft zu vergrößern. Es sollen Konzepte entwickelt werden, um in Wassertiefen bis 70 Meter Windkraftanlagen errichten zu können, was insbesondere in der relativ flachen Nordsee ein sehr lukratives Geschäft wäre.

Der ökonomische Hintergrund dieser Initiative ist der Wettbewerb im stark expandierenden Offshore-Bereich. Vestas wäre eins der ersten Unternehmen, das Fundamente, Türme und Generatoren aus einer Hand anbieten könnte, was natürlich Kosten spart.

Eine Rolle spielt außerdem sicherlich, dass vor allem in Deutschland darauf gesetzt wird, die Windparks weit draußen auf See zu installieren, wo das Meer in der Regel tiefer ist. Hier ist die Einspeisevergütung etwas höher, um einen entsprechenden Anreiz zu schaffen. Das Unternehmen, das hier wie Vestas günstige Anlagen anbieten kann, schafft für sich also einen enormen Wettbewerbsvorteil.

Daniel Seemann

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