Stromerzeugung durch Windturm

Windturm der Agile Wind Power AG; Foto: Agile Wind Power AG

Zwei Schweizer Tüftler mischen derzeit die Windbranche auf, wobei Tüftler vielleicht nicht der richtige Ausdruck sein dürfte. Vielmehr sind Patrick Richter und Karl Bahnmüller auf dem Weg, die Stromgewinnung mit Hilfe der Windkraft zu revolutionieren – mit ihrem neuen Windturm. Der dreht sich nämlich langsamer als herkömmliche, dreiflügelige Windräder, und soll dabei leiser, günstiger und effizienter arbeiten. Nach zahlreichen Tests ist jetzt der erste Prototyp im Bau, mehr noch, in 2014 soll die Serienreife des Windturms erlangt werden.

Die besten Ideen entstehen durch Zufall, so auch die Idee zum strombringenden Windturm der beiden Schweizer. Eigentlich sollte „nur“ ein Kinderkarussell mit Windkraft angetrieben werden. Bahnmüller, der selbst lange Zeit als Leiter einer Konstruktionsabteilung gearbeitet hatte, verfolgte allerdings größere Dimensionen, als den alternativen Antrieb eines Spielgeräts. Zusammen gelangten Richter und Bahnmüller dann zum Prototyp einer neuen Dimension der Windkraft und gründeten im vergangenen Jahr die Agile Wind Power AG.

Vier Meter hoch und vier Meter im Durchmesser ist der Prototyp ihres Windturms, der für den kommerziellen Einsatz allerdings noch deutlich wachsen soll. Hierzu werden drei Turbinen mit einem Durchmesser von 12,5 Metern übereinander montiert, die eine Gesamthöhe, samt Turm, von 75 Metern haben sollen. Die erste Turbine der beiden Erfinder durchlief bereits im Jahr 2009 mehrere Tests. Beste Voraussetzungen fanden Richter und Bahnmüller hierfür im Windkanal des Luftfahrtunternehmens Ruag AG, mit dem Ergebnis, dass ihr Windturm auf gleichem Raum mehr Leistung bringt, als Windkraftanlagen mit gewöhnlichen Dreiblatt-Rotoren. Bei Windgeschwindigkeiten von 15 Metern pro Sekunde hat ihr Turm eine Nennleistung von 0,5 Megawatt.

Im Visier haben die beiden Schweizer dabei den Ausbau der Nennleistung auf 2,7 Megawatt, was durch einen größeren Durchmesser von etwa 30 Metern erreicht werden soll. Verantwortlich für die Leistungsausnutzung ist bei ihrem Konzept die Anordnung der Turbinen. Da sie übereinander liegen, können sie in den unterschiedlichen Turmhöhen gleichzeitig die verschiedene Windrichtungen zur Stromerzeugung ausnutzen – und das zu deutlich günstigeren Preisen als bei klassischen dreiflügeligen Windkraftanlagen. Installiert kostet eine Kilowattstunde rund 800 Euro, wobei die Anlage zugleich mehr Strom produziert als ihr Pendant mit drei Rotoren. Die Konkurrenzfähigkeit sehen die beiden Erfinder, die ihre Anlage in der Schweiz – und bald auch international – patentiert haben lassen aber nicht nur in Preis und Leistung. Ihr Windturm arbeitet deutlich leiser als herkömmliche Windkraftanlagen, was das Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagenstandorte deutlich vereinfachen könnte.

Judith Schomaker

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