Interview: Solar- und Windkraftwerke als Investitionsobjekte?

Links: Christoph Strasser Rechts: Dr. Martin Siddiqui (©Pacifico Renewables Yield AG)
Links: Christoph Strasser Rechts: Dr. Martin Siddiqui (©Pacifico Renewables Yield AG)

Die Pacifico Renewables Yield AG ist ein Wind- und PV-Kraftwerksbetreiber mit Anlagen in mehreren europäischen Ländern. Allein im Jahr 2020 will das Unternehmen etwa rund 60.000 Tonnen CO2 einsparen. Wir sprachen mit Dr. Martin Siddiqui und Christoph Strasser, den Vorständen der Pacifico Renewables Yield AG über die aktuelle Marktentwicklung, ihre Einschätzung zu den wichtigsten europäischen Märkten sowie ihrer Meinung zu Erneuerbare Energien als interessantes Umfeld für Investitionen.

Welche Markentwicklungen sehen Sie aktuell als interessant für das Wachstum im Bereich Erneuerbare Energien?

Christoph Strasser: Besonders aufregend ist aus unserer Sicht die derzeit stattfindende Transformation hin zu immer mehr privaten Stromabnahmeverträgen. Durch die in den letzten Jahren stark gefallenen Kosten für Wind- und insbesondere Solarkraftwerke ist Strom aus erneuerbaren Quellen mittlerweile vielerorts die günstigste Energiequelle. Zudem nimmt der Druck auf den Privatsektor zu, nachhaltiger zu wirtschaften. So haben sich bereits 242 internationale Großkonzerne im Zuge der „RE100“-Initiative freiwillig dazu verpflichtet, sich bis spätestens 2050 ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Quellen zu versorgen. Initiativen wie diese gepaart mit der Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien erhöhen die private Nachfrage nach erneuerbarem Strom und eröffnen neue Geschäftsfelder.

Welche europäischen Märkte sehen Sie im Bereich PV/Windkraft aktuell als besonders interessant?

Christoph Strasser: Generell ist und bleibt die EU ein interessanter Wachstumsmarkt für uns. Mit dem European Green Deal hat sich die EU eine ambitionierte politische Leitlinie zur Bekämpfung des Klimawandels und Förderung nachhaltigen Wachstums gesteckt, die trotz der Covid-19-Pandemie weiterverfolgt werden soll. Innerhalb der EU ist neben unserem Heimartmarkt Deutschland vor allem Polen ein wichtiger Zukunftsmarkt für uns. Erneuerbare Energien nehmen dort bislang erst einen kleinen Teil am Strommix ein und haben daher aus unserer Sicht ein großes Potential. Erste Projekte zeigen gute Fortschritte. Einer unserer Partner arbeitet beispielsweise an der Entwicklung eines 52-MW-Windprojekts in Polen. Diese neuen Anlagen sollen voraussichtlich noch in diesem Jahr den ersten grünen Strom erzeugen. Weitere wichtige Märkte sind für uns die Niederlande, Tschechien und Italien. Neben Ländern der Europäischen Union kommen Norwegen und die Schweiz als potenzielle Investitionsstandorte in Frage.

Warum sehen Sie Erneuerbare Energien als interessantes Umfeld für Geldanlagen?

Dr. Martin Siddiqui: Die Nachfrage nach erneuerbaren Energien wird in Zukunft stark zunehmen, insbesondere da immer mehr konventionelle Kraftwerke vom Netz genommen werden und Wind- und Solarkraftwerke mittlerweile sehr günstig Strom erzeugen können. Wir befinden uns somit in einem Markt mit anhaltenden Wachstumsmöglichkeiten. Zudem können Anleger den Gedanken der Nachhaltigkeit mit attraktiven Renditen in Einklang bringen – was mit Sicherheit für viele interessant ist.

Worauf sollten Anleger achten?

Christoph Strasser: Im Lebenszyklus von Anlagen zur erneuerbaren Stromerzeugung gibt es zwei sehr unterschiedliche Risikoprofile. Die schwer prognostizierbaren Erträge aus der Projektentwicklung unterscheiden sich sehr stark von langfristig stabilen Erträgen von Anlagen, die bereits Strom erzeugen. Um das Risiko für die Anleger zu verringern, investieren wir beispielsweise nur in Anlagen, die entweder bereits Strom erzeugen oder kurz davorstehen, d.h. nur soweit die Bauphase vollständig vertraglich gesichert ist. Damit vermeiden wir bewusst Risiken, die mit der Entwicklung von Neuanlagen verbunden sind, um ein möglichst stabiles und langfristig prognostizierbares Ertragsprofil zu erreichen.
Wichtig ist für Anleger aber auch, Zugang zu attraktiven Wachstumsmöglichkeiten zu haben. Wir haben uns zu diesem Zweck beispielsweise durch eine Kooperation mit der Pacifico Energy Partners GmbH einen bevorzugten Zugriff auf dessen Entwicklungspipeline gesichert.

Können niedrige Strompreise, wie in der aktuellen Situation, die Rendite gefährden?

Christoph Strasser: Das hängt von der Portfoliokonstellation ab. Unsere Bestandsanlagen profitieren beispielsweise alle von staatlich garantierten Einspeisevergütungen. Daher haben niedrige Strompreise derzeit nur marginale Auswirkungen auf die Umsatzerlöse und damit die Rendite.

Droht der deutschen Windkraftbranche Ihrer Meinung nach ein ähnliches Pleiteschicksal wie einst der Solarbranche? Schließlich ist nach der neuerlichen Reform des EEG mit dem eingeführten Auktionsverfahren der Windkraft-Zubau deutlich zurückgegangen.

Dr. Martin Siddiqui: Aus unserer Sicht wichtiger ist, dass es keine bundesweite pauschale Abstandsregelung geben wird. Bei einigen unserer Windanlagen in Deutschland sehen wir Potentiale durch sogenannte „Repowerings“, also die Grunderneuerung von Altanlagen, die durch eine solche Einheitsregelung gefährdet sein könnten. Ein geographisch diversifiziertes Profil schützt zudem vor einer zu starken Abhängigkeit von unserem Heimatmarkt.

Was ist Ihre Vision für die nächsten 5 Jahre?

Christoph Strasser: Unsere Vision ist eine Welt wirtschaftlich profitabler und CO2-neutraler Energieerzeugung, in der Entwicklungs- und Erzeugergesellschaften in effizienter Arbeitsteilung kooperieren. Wir wollen durch die Etablierung eines Geschäftsmodells mit effizienter Arbeitsteilung einen Beitrag dazu leisten, indem wir Kapital in den Ausbau erneuerbarer Energien kanalisieren und dadurch die europäische Energiewende beschleunigen. Wir haben uns das Ziel gesteckt, bis 2023 ein Portfolio mit einer installierten Leistung von rund 400 MW aufzubauen.

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